fragen und antworten.

gestern hatten m. und ich den abschluss der mediation, die wir gemeinsam mit einem lehrerkollegium gemacht haben.es ging nochmal darum, was jeder einzelne zum gelingen des gemeinsamen auftrags beitragen kann. da war viel die rede vom fragen. ja, meinten viele, es wäre wichtig die dinge zu erfragen. wenn man merken würde, dass das gegenüber sich anders verhält als sonst oder wenn es sich zurückziehen würde oder dinge tun würde die man nicht versteht. dann, so die einhellige meinung, sei es wichtig zu fragen um herauszufinden was los ist. 

ich konnte dem nur zustimmen – aber ich merkte auch wie sehr ich noch was hinzufügen wollte: genauso wichtig wie das fragen bez. die bereitschaft zu fragen, ist die bereitschaft auch zu antworten. beides geht hand in hand. das eine macht ohne das andere keinen sinn.

ich stelle oft fragen auf die ich keine antworten bekomme – das tun wir alle. manchmal halten wir das aus, manchmal verstehen wir die stille die darauf folgt, oft aber auch verletzt die antwortlosigkeit ungemein. denn es ist was wahres dran, wenn man sagt keine antwort ist auch eine antwort. keine antwort ist zurückweisung, es ist der bewusste akt das gegenüber weiter im unklaren lassen zu wollen, sich nicht festlegen zu wollen, unberührbar zu bleiben, macht zu erhalten, kontrolle auch, sich nicht festlegen oder festmachen zu wollen. keine antwort auf eine frage zu geben oder zu erhalten ist die unterbrechung von kommunikation und beziehung. selbst „ich habe da im moment noch keine antwort drauf.“ ist eine angemessenere antwort als gar keine.
und so ist es sicherlich ein weiser rat, in konflikten oder eher noch zur vermeidung von konflikten, fragen zu stellen. damit disponiert man sich und liefert sich, gerade in heiklen kommunikations – und/oder beziehungssituationen, auch aus. jede frage ist eine positionierung „hier stehe ich. das will ich wissen weil.“ und weil das so ist, verdient das gegenüber eine antwort, in der sich die ebenbürtige haltung ausdrückt: denn auch mit einer antwort disponiere ich mich, stelle ich mich auf eine position „und das antworte ich dir.“ 
fragen und antworten ist eine sache, die nur in balance ist und zur lösung beiträgt, wenn beides erfüllt ist, beides auf augenhöhe stattfindet.
insofern war der rat gestern „haben sie mut fragen zu stellen“ gut und richtig, mit der ergänzung „und haben sie den mut antworten zu geben.“ 

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