inselhopping. 

m. formulierte es neulich sehr treffend. „alles passiert im stakkato und nicht im fluss.“ ich lebe seit über einem jahr nun dieses hüpfen von insel zu insel, die alle unverbunden verstreut liegen und allmählich geht es mir auf den zeiger. ich war schon immer ein wirklich flexibler mensch, ging das eine nicht dann halt das andere. zu allem was es gibt, gibt es auch immer mehrere optionen, manchmal muss man um die ecke denken dann klappt das schon.

aber nun ist es so, dass mit verändertem beziehungsleben mehr menschen von der planung betroffen sind als früher – in meiner konstellation 5 kinder und 2 expartner plus eben zwei individuen die eine beziehung führen wollen. 9 menschen also, die termine, wünsche und bedürfnisse haben. hinzu kommt, dass m. und ich keine grossen patchworkfans sind. ich finde es irritierend wenn erwachsene ihr frisches liebesglück sofort ans kind tragen und damit zu erheblicher verunsicherung beitragen. vielleicht habe ich zuviele beispiele im kopf bei denen das gründlich schief ging. also schwiegen wir bisher, setzten expartner und partnerinnen in kenntnis und liessen die kinder erstmal aussen vor. wir schaffen es uns alle zwei wochenenden zu sehen, manchmal noch einmal in der woche. wir orientieren uns an der umgangsreglung von m., sie ist, anders als unsere, die völlig frei ist, nach wochen strukturiert und gibt somit unserer beziehung ebenso ihre zeitliche struktur. im umkehrschluss heisst das, dass jede zeitliche veränderung des familiären umgangs eine zeitliche veränderung unserer beziehung mit sich bringt. alles was wir als paar planen muss vorher mit kinderkalender und expartnerkalender abgeglichen werden. 

kennt jemand noch den kurfilm „balance“ aus den frühen 2000er? genauso fühlt sich mein und unser gemeinsames leben an. jeder von uns lebt ein leben als individuum mit seinen eigenen wünschen nach zeit für lesen, yoga, wandern, musik hören, theater spielen etc. wir leben ein leben als vater und mutter gemeinsam mit unseren kindern – schultermine, freizeittermine, lernen für proben dazu all die kleinen termine und gespräche und zeit im allgemeinen die familie mit sich bringt. wir leben ein leben als arbeitnehmer. wir sind beide in sozialen bereichen angestellt, m. ab herbst in leitender funktion, da wird sich nochmal alles verändern weil damit zusätzliche termine anfallen. wir leben ein leben als paar. wir wollen uns sehen, gemeinsam unsere beziehung leben und gestalten.  

das zusammenspiel unserer verschiedenen rollen ist ein diffiziler balanceakt zwischen dem was wir wollen und dem was schlicht ansteht und getan werden muss. zwischen dem was wir wollen und dem was die 7 anderen im system wollen oder auch brauchen. egal wie wir uns bewegen, es hat immer auswirkungen auf den rest der truppe – wir bewegen uns sehr oft sehr achtsam und ruhig, jede hektische bewegung führt zu krise für die wir keine kraft hätten und die auch völlig unnötig wäre. gott sei dank, denke ich sehr oft, haben wir expartner die gut mitgehen können bez. uns wenigstens keinen stein in den weg legen. kaum vorstellbar wenn das anders wäre. dafür tun wir aber beide auch viel – wir sind jeder auf seine art und weise in regem kontakt bis hin zu freundschaftlichem verhältnis mit unseren expartnern, wir sind auch dort sehr achtsam und sehr ruhig, auch hier wäre jede hektische, unabgesprochene bewegung scheisse und würde für irritation sorgen. 

und so haben unsere einzelnen rollen die form von inseln angenommen, auf die wir hüpfen und die jeweiligen anstehenden aufgaben und anforderungen erledigen und angehen und mitgestalten. und letztens spürten wir beide so sehr, wie anstrengend das ist. wie wenig verbunden die einzelnen inseln miteinander sind und dass das was sie miteinander verbinden würde wie zeit und alltag und gemeinsamkeit, kaum vorhanden ist auf grund der umstände.

im moment sind wir dabei zu überlegen mit welcher perspektive das zu verändern ist und ich merke erst nach und nach welche weiteren fässer wir damit aufmachen würde – alleine die wohnfrage, kombiniert mit den themen schulorte der kinder, umgänge, fahrtstrecken zur arbeit und hausbesitz mit all den verbundenen kauf und verkaufsthemen liess uns vergangenes wochenende die haare zu berge stehen. 

gott sei dank sind wir beides menschen, die in der lage sind, höchst individuelle lösungen zu finden und die sich beide nicht scheuen die dinge komplett anders als alle anderen zu machen. aber manchmal wird mir ganz schwummrig angesichts der herkulesaufgabe, das gesamte system in balance zu halten (und noch gibt es keine neuen partner bei den expartnern….man stelle sich vor die kommen auchnoch hinzu. plus eventuelle kinder. waahhh! :)) und immer wieder flexibel auf alle kleinen und grossen störungen, themen, bedürfnisse, konflikte, anfälligkeiten zu reagieren. 

ich hätte es nicht gedacht, ehrlich, aber es ist eine herausforderung. 

(ich glaube zb auch, dass das einer der gründe ist, warum es so viele alleinerziehende gibt – finde mal jemand, der die geduld und diplomatie und das geschick aufbringt all diese positionen zu vereinen. friedlich. eine single-eltern-börse müsste es geben.) 

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das gute am wochenende 28.-30.10.2016

herbstferienbeginn am freitag. es ist noch ungeklärt wer es nötiger hatte – die kinder oder ich. ich wage zu behaupten ich. in elternpaarbeziehungen gibt es klar getrennte rollen und bei einem getrennt lebenden paar treten diese besonders scharf hervor. diese ersten 6 wochen schule  haben unser ja eigentlich sehr gutes verhältnis auf eine echte probe gestellt – mehrere male war ich kurz davor n. einfach umzubringen. oder einzusperren. ich mach da keinen hehl draus, ihm schien es mit mir ähnlich zu ergehen was für zwei, drei wunderbar lautstarke auseinandersetzungen sorgte und dazwischen für katz-und-maus ähnliches angefauche. eine stärke von uns beiden ist diesem bedürfnis einfach auch nachzugeben, nichts liegt uns ferner als die beherrschung unserer wut in solchen situationen, da rummst es und zwar gehörig und hinterher trinken wir kaffee und erzählen uns wie scheisse wir den anderen gerade finden und ihn dennoch mögen. ich sags euch, das geht gut zusammen. jedenfalls ist meine abonnierte elternrolle die der krisenmanagerin und so war ich, aus gründen, die letzten drei wochen mit der organisation von hilfe für eines unserer kinder beschäftigt. sie konnte jetzt zwei tage vor den ferien starten und ich hoffe sie wirkt. und lustig wie man manchmal jahrelang ein  bestimmtes thema bei einem kind heraufziehen sieht – ohne schon handeln zu können, weil einfach der auslöser, die initialzündung fehlt. und dann ist sie plötzlich da und man kriegt einen heidenschreck und kann dann aber endlich reagieren. alles gut auch wenn es wahnsinnig aufregend und für mich persönlich aufreibend ist.

am samstag dann ein gespräch mit m., das so wichtig war weil ich etwas sagen konnte was mir auf der seele brannte. es war eigentlich gar nichts wildes, aber manche themen sind nicht einfach. es entspann sich ein austausch, der vieles wieder ins rechte licht rückte, der mich die dinge entspannter nehmen liess und den blick öffnete für das, was zu mir gehört und was zum gegenüber. ich bin immer wieder erstaunt, wieviel mut und offenheit mir entgegen gebracht wird und wie sehr ich das schätze und all die jahre vermisst habe, dass da jemand ist der sich öffnet und darüber spricht was in ihm ist. diese offenheit, die ich selber ja auch sehr lebe, ist für mich der boden auf der jede wie auch immer geartete beziehung funktioniert. in meinen augen nur so funktionieren kann. je älter ich werde umso mehr teilen sich beziehungen für mich in zwei kategorien – die für die es sich lohnt und für die für die es sich nicht lohnt. das hat gar nicht soviel mit inhalten oder verbrachten zeit miteinander zu tun, sondern vielmehr mit dem was mein gegenüber auch bereit ist für mich zu investieren an gedanken und auch mal für mich da sein. ich habe zb. sehr viele jahre eine freundschaft gepflegt, bei der sich seit geraumer zeit rausstellte, dass die dynamik immer einseitiger wurde. ich habe lange mit mir gerungen, wie ich darauf reagieren soll und mich entschlossen einfach mal zu schauen was passiert, wenn ich das gegenteil von dem mache was ich bisher gemacht habe. und siehe da, man ahnt es: es passiert nichts. keine reaktion, kein nachfragen, nichts. und während mich das früher  sehr beschäftigt hätte, denke ich heute ach gut! und lass den dingen ihren lauf.


der herbst ist da und ich finde das schön. der sommer war toll, geprägt von viel leichtigkeit, wunderbarem draussen-sein, aber ich mag diesen gedanken, dass die jahrezeiten ein abbild dessen sein können, was der mensch braucht: rückzug, aufbruch, wachsen, in stille sein. das hat die natur in meinen augen schon clever eingerichtet – seit ich das so verstanden habe für mich, fällt es mir leichter jeder zeit ihre bedeutung zu geben.


gebacken. erneut nach zuckerzimtundliebe und ich komme nicht umhin zu sagen, dass dieses regelmässige backen mich erzieht. ich war schon immer jemand, die mit rezepten auf kriegsfuss stand – als grundlage für meine eigenen ideen gerne, als anleitung für genauigkeit und vorgabe eher meh. das geht beim kochen immer gut, ob ich da jetzt noch sahne dazugebe oder stattdessen was anderes, ob ich da gemüse einfach austausche oder ergänze, irgendwie gelingts immer auch wenn am ende nicht immer das auf dem tisch steht was im rezept steht. beim backen geht das nicht. da muss ich einen anteil in mir aktivieren, der sonst eher verkümmert sein dasein fristet: genauigkeit und unflexibilität. ansonsten geht alles schief. also habe ich brav alles nach anleitung gemacht, was sogar spass gemacht hat!, und siehe da: ein wahnsinns leckerer kuchen!

das beste am schluss: wochenende vorbei und trotzdem noch zwei weitere freie tage. muss isch fast weinen vor glück.

und noch eine ergänzung um 22:30 uhr: dr. strange. ich fands sensationell! 

waah!

übermorgen startet die schule wieder und ich finds scheisse. wir hatten sommerferien deluxe am goldenen bande sozusagen – durchzogen von urlaub, erziehungsentspannung, kleinen und feinen tagesausflügen, völliger schlaf und aufwachzeitenunabhängigkeit und ferienprogramm. obwohl wir eltern drei wochen der ferien arbeiten mussten, klappte auch diese zeit ganz wunderbar. man merkt die kinder werden grösser, der radius weiter und wir sind vielleicht auch einfach entspannter was die abgrenzung angeht „ich hab jetzt meine zeit. geh und mach was alleine!“ den urlaub haben wir gemeinsam in italien verbracht – ein getrenntes ehepaar, 14 tage unter einem feriendach und auch im dritten jahr ging es gut, ich meine sogar diesmal war es perfekt. ein wunderbarer flow aus „ich hab heute lust das zu machen, wer will mit? niemand/einer/alle? perfekt!“ und gemeinsamen aktionen, abends zusammen am tisch sitzen und beim essen erzählen. so sehr der mann und ich auf paarebene getrennt sind, so sehr sind wir es auf elternebene nicht. wir können uns aufeinander verlassen, wissen um die schwachstellen des anderen und nehmen rücksicht oder lassen nachsicht walten. er nervt mich an den bekannten stellen, ich ihn mit sicherheit auch aber wir kommentieren es allenfalls mit humor und manchmal etwas tom und jerry mäßigem- geraunze. im grunde wünsche ich jedem ehepaar diese eintracht von uns als getrenntem paar 😉 es ist manchmal zum kopfschütteln, warum es zusammen so schiefging und getrennt so aussergewöhnlich gut. 

nun ist ab dienstag wieder routine angesagt, mit der verschärften bedingung, dass das grosse kind die schule wechselt und in die weiterführende schule 10 km weiter weg geht. wir müssen uns also alle neu einpendeln mit weckzeiten (ich habe nach meinem auszug 2-3x in der woche den weckdienst der kinder übernommen, fahre also früh zu ihnen, wecke sie und mach sie schulfertig.), buszeiten (bisher liefen sie einmal durchs dorf in die schule), schulzeiten und nachmittagsbetreuungszeiten. im moment macht mich das ein bisschen rappelisch – ich habs nicht so mit planungsunsicherheiten in einem system, dass ohnehin sehr planungsintensiv ist. ich bin also aufgeregter als das schulkind, nerve alle mit im moment nicht zu beantwortenden fragen und zappel rum.

das grosse kind meinte in folge dessen heute früh bereits „es wird echt zeit, dass die schule wieder anfängt, du bist nicht zum aushalten mama!“

rollentausch.

nestnomade.

gestern hab ich mir ein video mit alten super8 filmen angesehen. alltagsszenen mit kindern, mutter, vater, mitte der 70er. bunte bilder, die in ausschnitten von familie erzählen, wie sie funktioniert, von dem festen rahmen in dem man gross wird zwischen weihnachten und dem sommerurlaub, dem ersten schwimmbadbesuch und hochzeiten. 

und mir wurde beim sehen ganz weh ums herz – denn ich besitze so etwas nicht. ich besitze lediglich eine handvoll bilder aus meiner kindheit. der rest der bilder beginnt mit meinem auszug aus meinem elternhaus. meine entscheidenden und prägenden jahre, die um die es den meisten interpretationsspielraum gibt, von denen ich gerne den ein oder anderen festen beweis meiner existenz gehabt hätte, sind für mich nicht greifbar und verloren. 

ich habe viele jahre nicht den verlust gesehen, was diese nicht-existenz ausdrückt. jahrelang lebte ich an so unterschiedlichen orten mit einer haltung, die es mir möglich machte wo immer ich gerade war auch schnell wieder verschwinden zu können. menschen, die jahrelang, gar ihr ganzes leben in einer stadt, gar in ihrer heimatstadt verbracht haben waren mir suspekt – die schienen ein problem zu haben nicht ich. meine mobilität demonstrierte mir meine unabhängigkeit. heute weiss ich, dass sie mehr meine bindungsunfähigkeit demonstrierte. 

im lauf der jahre änderte sich vieles und ich mich gleich mit. und gerade in den letztes jahren bemerkte ich immer öfter die grosse anziehungskraft von menschen, denen es tatsächlich gelungen war an ort und stelle sein und bleiben zu können ohne sich aufzulösen. die emanzipiert und frei ihr eigenes leben lebten, dennoch gebunden und aufgefangen in einem starken und lang gewachsenen nest. und ich begann langsam zu begreifen, was mir verloren gegangen ist. ein starker baum kann jedem sturm nur dann trotzen wenn er starke wurzeln hat. das ist eine ausgelutschte metapher, die aber leider einfach war ist. denn wenn man diese wurzeln nicht oder nur unzureichend hat, begleitet einen das für den rest seines lebens. es lässt einen schneller wanken und schneller umfallen oder anders formuliert – man hat es ungleich schwerer stehenzubleiben. natürlich gibt es auch ressourcen wie flexibilität, leichtigkeit, offenheit, als flachwurzler kommt man schneller rum, erlebt vielleicht auch mehr. aber je älter man wird umso weniger wichtig werden diese themen und die sehnsucht nach wurzeln, nach halt und beständigkeit und allem was damit verbunden ist, wird stärker. irgendann möchte auch der letzte nomade ankommen, erkannt werden, aufgenommen werden, sich fallen lassen können in eine gemeinschaft die ihn trägt und hält und zu der er sinnhaft seinen beitrag leisten kann. das macht menschenleben aus. deshalb gründen menschen immer noch familien, auch die kaputtesten menschen. es ist der tiefe wunsch im kleinsten kreis sein zu können wie man ist und angenommen zu werden als der, der man ist.

die tatsache, wie leichtfertig mit den abbildern meiner kindheit und jugend umgegangen worden ist, zeigt, dass die wenige verwurzlung, das wenige „nestige“ bereits eine generation zuvor in meiner familie verankert war und immer noch ist. und das ist eine spannende beobachtung – lauthals propagiert wurde nämlich was anderes. beobachte ich aber meine jahrzehntelange ambivalenz zum thema bindung, dann ahne ich in welchem spannungsfeld ich gross geworden bin und was ich übernommen habe. und wie schon meine eltern sich in demselben spannungsfeld zwischen „nur weg!“ und „aber das geht doch nicht!“ bewegten. hier lohnt, wie immer, der generationsübergreifende blick…..man versteht sich einfach besser wenn man weiss wer einem den eigenen rucksack gepackt hat und mit was.

und was ist jetzt die lösung? ich vermute der windhund anteil in mir wird bleiben und ich bin sehr versöhnt mit ihm. er macht mich schliesslich in vielem zu dem was ich bin. gleichzeitig aber habe ich den letzten jahren begonnen meine eigenen wurzeln wachsen zu lassen und noch viel wichtiger: ich bemühe mich, meinen kinder die möglichkeit zu geben starke bindungen wachsen zu lassen – zu uns eltern, zu ihrer heimat in der sie aufwachsen, zu all den kleinen dingen die ihnen halt geben und wurzeln. vorallem aber lasse ich sie selbt sein und selber herausfinden wo ihr weg langgeht. und alleine durch meine veränderte haltung hoffe ich darauf, dass sie die begriffe beständigkeit und halt und nest früher als ich positiv wahrnehmen und für sich annehmen.