mitgehangen, mitgefangen? depression ist ein arschloch und ich eine angehörige – teil II.

ein erster schritt zur abgrenzung ist meiner erfahrung nach die selbstreflektion über die eigene geschichte. ich bin nach so langer zeit mit dem thema depression in meinem leben davon überzeugt, dass es eine bestimmte eigene grundstruktur braucht, die eine disposition dafür schafft, dass das thema depression einen platz im leben einnehmen kann. umgekehrt – ich kenne menschen in meinem leben, die werden in 100 jahren keine depressionserkrankte in ihrem umfeld haben. nicht, weil sie unempathisch wären oder persönlich was gegen depressive hätten. es ist ihre innerpsychische grundstruktur, die das verhindert. und es muss noch nicht mal bedeuten, dass diese menschen nicht ebenfalls erfahrungen mit depression in ihrer kindheit und jugend gemacht hätten – aber wie das so ist, der eine reagiert darauf so, der andere so. und weil es da einen unterschied zu geben scheint, ist es lohnenswert zu allererst in sich zu blicken. (das schöne daran ist, dass man erstmal mit sich selbst beschäftigt ist und sich auf sich besinnt – auch schon eine gute abgrenzung zur ständigen konfrontation mit dem depressiven partner und seinen themen.)

ich bin mein leben lang schon von depression umgeben. es begann mit meinem vater und bis heute herrscht in meiner familie ein mantel des schweigens über dieses thema. frage ich meine mutter, wiegelt sie ab, gibt erklärungen ab, die ich schon mein leben lang gehört und geglaubt habe, die aber mit zunehmender auseinandersetzung immer unglaubwürdiger wurden. beispiel? mein vater war augenarzt und musste für bessere untersuchungsergebnisse viel in abgedunkelten räumen sitzen. seine stimmungsschwankungen wurden stets damit begründet – bis heute kommt auf meine frage „war papa denn depressiv?“ immer die antwort „naja nein nicht wirklich. er sass halt oft im dunklen, da fehlt eben automatisch serotonin.“ er sass oft im dunklen – das ist wahrscheinlich dennoch sehr nah an der wirklichkeit.

ich erinnere meinen vater als stets abwesend. anwesend-abwesend. als kriegskind aufgewachsen, früh den eigenen vater ersetzt, der in kriegsgefangenschaft war und erst jahre nach dem krieg wieder nach hause kam, hatte er seine verantwortungen früh zu übernehmen. die mischung aus hohem leistungsanspruch, unausweichlichkeit der situation und viel verantwortungsgefühl führten ihn langsam aber sicher in die depression. ich vermute, er konnte eine lange zeit darüber hinwegtäuschen, drei kinder, eine praxis und ein reiches freizeitleben machten dies möglich. für die, die ausserhalb unserer familie standen. in der familie selber aber führte es früh zu einem vaterbild bei mir, das geprägt war von bedürftigkeit, ohnmacht und erstarrung. und ich übernahm von kindesbeinen an die selbstauferlegte aufgabe, ihn daraus zu erretten. er erschien mir immer im weggehen zu sein oder überhaupt weg zu sein. entweder war er das tatsächlich, weil er die wochenenden nutzte um sich, so vermute ich – im sport, den bergen oder dem radfahren zu spüren, oder aber er war da, aber für mich als kind immer gefühlt auf dem sprung. weg von mir. weg von der familie. in sich versunken. abgekoppelt vom familienleben. es sind bis heute sehr kindliche eindrücke, was sicherlich damit zusammenhängt, dass ich zu lebzeiten nie mit ihm darüber sprechen konnte und so bis heute in diesen kindlichen mutmaßungen stecke und sie nicht ersetzen kann durch eine erwachsene, überprüfte sicht. schaue ich heute auf den vater meiner kindheit und jugend, dann ist er wie ein geist. er war da, aber verfügbar für meine bedürfnisse, meine notwendigkeit liebe zu spüren und zu bekommen, sie tatsächlich zu hören, zu fühlen, zu erfahren war er nicht. ich reagierte darauf (und das ist eine spannende erkenntnis, wenn ich daran denke, was ich oben schrieb, wie unterschiedlich die reaktionen sein können und wie sie bis heute beeinflussen was wir warum bei wem tun) mit großer verlustangst. mein vater war scheints für mich die einzige möglichkeit wärme und zuwendung zu bekommen, meine mutter schien kein ausreichender ersatz dafür zu sein. das machte meinen vater für mich doppeltwichtig, denn ohne seine anwesenheit, psychisch wie physisch, stand ich alleine da. dh. jede „wegbewegung“ meines vaters von mir und auch von der familie, bedeutete verlust und alleingelassen sein. bezieht man die psychische abwesenheit meines vaters mit ein, dann war ich meine kindheit durchgehend vom alleingelassen werden bedroht. ein psychisches grundmuster, das sich tief in mich gegraben hat – bedeutet es doch bis heute, dass die verlassensangst sofort reaktiviert wird, sobald sich jemand, auch psychisch, zurückzieht. man ahnt vielleicht, wie anstrengend diesbezüglich partnerschaften mit depressiven männern für mich sein können…..

wie reagierte ich als kind auf dieses zurückziehen meines vaters?

ich gewöhnte mir an, meine eigenen bedürfnisse zur seite zur legen und mich an seinen, fatalerweise unausgesprochenen und daher meiner kindlichen phantasie überlassenen, bedürfnissen zu orientieren. ich vermied streit, ängste und ärger. ich passte mich an, war brav und bog mich in der hoffnung ihn in seiner starre und seinem rückzug zu erreichen. ich redete viel, ich erzählte die buntesten geschichten, ich machte mich groß, zur not auch mit lügen. ich wurde tapfer, mutig und stark. ich versuchte meinen vater stolz zu machen, mangels herausragender schulischer leistungen besonders durch ein immer größer werdendes empathisches handeln. jedes kind sucht sich das was es kann um anerkennung und zuwendung zu bekommen und, in meinem fall, um den depressiven vater vor dem verschwinden zu retten. ich konnte zuhören. ich konnte früh gut beobachten, ich ahnte stimmungen lange bevor sie zum ausdruck gebracht wurden. ich konnte trösten, ich war stark, belastbar und vorallem – ich blieb mit zunehmendem alter in krise ruhig. ich belastete nicht. ich half stattdessen. ich hatte humor und konnte eines besonders gut – ich konnte vergeben. jeden schlag. jedes bösen wort. jede nicht ausgesprochene entschuldigung. jedes wegsein. jedes unausgesprochene wort der zuwendung. jede verweigerung von nähe. ich litt, ich hatte angst, aber ich blieb standhaft. bis zum tod meines vaters änderte sich im grunde nichts an unserem umgang miteinander. im gegenteil, je älter ich wurde, je mehr ich auch beruflich den „helfenden“ weg ging, je komplexer die lebensthemen wurden, je mehr ich begriff und sah, wenn ich ihn ansah – um so stärker bestätigte sich immer wieder mein verhalten. denn meine art erbrachte mir die wenige anerkennung von ihm, aber immerhin, und zog ihn in manchem gespräch wieder aus der dunkelheit. selbst wenn ich gewollt hätte aus diesem muster auszubrechen – das ineinandergreifen von anerkennung bekommen und zeitgleichem verhindern des gehens verhinderte jeden ausbruch. es ist kein wunder, dass ich mit der aufarbeitung des themas erst nach dem tod meines vaters beginnen konnte.

warum erzähle ich das alles?

ich glaube, dass meine geschichte sehr gut zeigt, wieviel an heutiger haltung aus den erfahrungen der kindheit kommt. und wie sinnvoll es ist, dort einen anfang zu machen wenn man lernen will als angehörige eines depressiven empathisch und dennoch abgegrenzt mit ihm zu leben. die erfahrungen mit meinem depressionserkrankten vater, die permanente bedrohung durch verlust und meine persönlichen „lösungsstrategien“ haben mich auf eine art und weise geprägt, die dazu führen, dass die depression und ich bis heute immer wieder eng miteinander verwoben sind. auf bestimmte depressive grundmuster meines gegenübers reagiere ich bis bis heute im prinzip mit denselben strategien wie vor 30 jahren bei meinem vater. meine prägung hat mich immer wieder in die nähe von depressiven menschen gebracht – wobei es sicher eine wechselwirkung dabei gibt. ich weiß, dass meine stärke und lebendigkeit eine hohe anziehungskraft auf depressive hat. sowie eben auch die depression eines menschen ein mir sehr vertrautes muster bietet, in dem ich mich auskenne und zu hause fühle. das problem dabei ist nur, dass es mich überfordert und ich in alten haltungen lebe, die mich über meine grenzen gehen lassen, weil ich bis heute im umgang mit depressiven einen inneren auftrag zu erfüllen habe: “ ich mache dich wieder heil.“ dieser auftrag ist aber nicht mehr aktuell, er ist der auftrag des kindes, nicht der der erwachsenen und meiner erfahrung nach auch nicht der auftrag des depressiven gegenübers. mein erlernter umgang mit depression lautet also: ich tue alles um dich vor dem weiteren abrutschen in die dunkelheit zu bewahren und gehe dabei über meine eigenen grenzen und bedürfnisse, zum einen weil ich mich dir verpflichtet und verantwortlich fühle und zum anderen, weil ich im grunde große angst davor habe, verlassen zu werden.

jeder von uns hat diese grundstrukturen, die einen auf dinge reagieren und einen dinge tun lassen – die bewusstmachung dieser, im kontext der depression, ist der erste schritt zum neuen umgang. 

und damit kann man doch arbeiten.

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mitgehangen, mitgefangen? depression ist ein arschloch und ich eine angehörige – teil I. 

die grösste schwierigkeit im umgang mit depressiven angehörigen ist ja, dass man nicht der natürlichen seelendynamik des einfühlen und mitgehen folgen darf, sondern in eine bewusste abgrenzung gehen muss. das klingt widersinnig und fühlt sich noch widersinniger an. der mensch den ich liebe berichtet von seinen schwärzesten gedanken und ich soll mich abgrenzen? die bewegung ist bei jedem halbwegs empathischen menschen die, alleine aus sorge und angst voll in die spirale des depressiven miteinzusteigen. sie begleiten zu wollen und aus der eigenen, nicht-depressiven haltung heraus lösungsvorschläge zu machen, ideen zu entwickeln und vorallem mit der kraft für zwei diese krise zu bewältigen. was aber in der folge passiert, ist ein noch tieferes reinschrauben in die depression, weil der erkrankte die schuldgefühle und das eigene unvermögen die lösungsvorschläge umzusetzen, nicht aushält und sich selbst dafür noch mehr hasst. dazu kommt das stete gefühl, schuld zu sein am kraftakt des gesunden und die verantwortung dafür zu haben. der angehörige widerrum folgt dieser abwärtsbewegung erneut, weil jede verschlechterung des depressiven zustandes ihn noch mehr in die lösung drängt – denn so funktioniert es doch: problem – nachdenken – lösung – gut. es ist als ob versucht wird, zwei völlig unterschiedliche schablonen überein zu bekommen. am ende aller versuche diese aneinander anzupassen, was im leben nicht funktioniert (man darf mir glauben ich hab das mit verbissener ernergie und kraft für zwei, jahrelang bis heute immer wieder bei den unterschiedlichsten  mir nahen menschen versucht), steht immer ein nach wie vor depressiver mensch und ein völlig erschöpfter angehöriger, dessen bisherige mutige und positive entschlossenheit zur lösung, umgeschlagen ist in wut, resignation und ja, auch hass. denn menschlich wie wir sind, koppelt der gesunde angehörige seine lösungsvorschläge nicht nur an selbstlosigkeit sondern eben auch an liebe und deren beweis. natürlich ist jedes mitdenken, jede idee, jeder vorschlag zeichen der liebe und fruchtet dieses so gar nicht, mehr noch wird nicht angenommen oder umgesetzt – dann kommt das nicht selten als beweis der angeblich mangelnden liebe des depressiv erkrankten zu seinem sich bemühenden angehörigen an. dh. der immer ratloser werdende angehörige muss aushalten, dass er offenbar nicht so geliebt wird, denn würde er das, würde der depressive doch jede hilfe dankbar annehmen und umsetzen! ich kann es keinem angehörigen verübeln, in diesen momenten der absoluten hilflosigkeit auch so etwas wie hass zu empfinden – ich denke mir manchmal, das sind diese situationen in denen die divergenz der schablonen am deutlichsten spürbar ist. und wo es auch gleichzeitig am legitimaten ist so zu fühlen. zu dürfen. 

es sind diese situationen, in denen der gesunde die spirale des erkrankten verlassen muss. zum eigenen schutz aber auch zum schutz der beziehung. ein zu langes verweilen im gedankenstrom des depressiven sowie ein zu langes kräftezehrendes sich dagegen anstemmen des gesunden führt zu verschleißerscheinungen, die – im fall einer partnerschaft – oft in trennung endet. 

was der angehörige hinkriegen muss ist, es auszuhalten, dass man weiter sein eigenes leben führen kann, darf und sogar muss. auch wenn es sich wie verrat am geliebten menschen anfühlt. „wie kannst du nur selbst so gut gelaunt sein, wenn es deinem partner so schlecht geht!“ ist ein innerer satz, den sicher viele angehörige kennen werden. es fühlt sich wider jeder humanen liebenden regung an, wie verrat und aufgabe, illoyalität und desinteresse. es steht konträr zur verinnerlichten haltung (die nicht nur im einzelnen sondern auch gesellschaftlich tiefverankert ist) des helfen wollens und müssen – jemand ist in not, ich helfe. gerade für angehörige mit starken inneren helfer-anteilen ist es zu beginn einer depression eines angehörigen ein ding der unmöglichkeit nicht zu helfen. eventuelle starke moralische anteile verstärken die dynamik noch zusätzlich. 

aus eigener erfahrung ist die durchbrechung dieser dynamik lange zeit nicht möglich. zum einen weil sie so selbstverständlich ist, dass man sie lange nicht hinterfragt. zum anderen weil die kräfte des gesunden angehörigen oft enorm sind, was durchhaltefähigkeit und selbstaufgabe angeht. und selbst wenn diese schwinden, ist die gefühlte moralische verpflichtung ein enormer antrieb über die eigenen kräfte hinaus weiterzumachen. ich bin ja gesund, der andere ist krank. ergo bin ich stark und er ist schwach. das ist das tiefverwurzelte bild dem beide – der depressiv-erkrankte wie der gesunde – aufsitzen. 

und dieses gilt es zu durchbrechen. und die frage die einen in diesem prozess begleitet lautet „wie kann ich eigentlich gleichzeitig empathisch sein und mich abgrenzen?“ 

2016. 

ganz grob auf einer skala von 1-10: wie war dein jahr? 

eine glatte 9. ich nehme nur deshalb nicht die 10 weil ich immer platz nach oben lassen möchte. das jahr war übrigens gerade weil es ein paar heftige seelische untiefen hatte, eine 9. 

Zugenommen oder abgenommen? 

abgenommen. und das obwohl ich vor einem halben jahr von heut auf morgen mit joggen aufgehört habe und angefangen habe zu essen, wie und wann und nach was mir gerade ist. sehr faszinierend seinen körper und dessen bedürfnisse völlig neu zu erfahren.

Haare länger oder kürzer? 

gleich kurz. ich werde in diesem leben auch nicht mehr langhaarig. sämtliche versuche enden noch über den ohren. um es mit halle berry zu sagen: „I find when I have short hair, I feel like I have nothing to hide behind anymore.“ 

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

die situationen, in denen ich als kurzsichtige meine brille hochnehmen muss um in der nähe besser zu sehen, häufen sich….

Mehr Geld oder weniger? 

dank tariflicher gehaltserhöhung mehr. ist aber jetzt nicht so doll spürbar wenn ich ehrlich bin. aber ich bin zufrieden.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

ich denke etwas mehr wegen schwer erkranktem fiat. 

Der hirnrissigste Plan?

anzunehmen, dass der wechsel des ältesten kindes aufs gymnasium gefälligst ohne besondere vorkommnisse von statten gehen soll. mittlerweile hat sich alles eingespielt, aber das war familiensystemisch und persönlich ein echter schleudergang. 

Die gefährlichste Unternehmung?

gabs nicht. ich mag kalkuliertes risiko, deshalb überrascht mich letztendlich nichts wirklich. 

Die teuerste Anschaffung?

der italienurlaub wie jedes jahr 🙂 die fiatreparatur und mein finanzierungsplan für 2 kronen und 2 implantate 2017. 

Das leckerste Essen?

das himbeer-baiser häufchen im cafe schatz in salzburg und so ziemlich alles was der mann gekocht hat dieses jahr. und diese eine frittaten-suppe im bluntautal. ach und das frittierte gemüse und obst im „la posta“ in irgendeinem winzigen italienischen kaff in der maremma. 

Das beeindruckenste Buch? 

jack kornfield „das weise herz“ – 576 seiten die viel in mir bewegt haben, haltungen korrigiert und hinterfragt haben. 

Der ergreifendste Film? 

ich sehe kaum mehr filme. erweitere ich auf serien dann ist da sicher „the good wife“ und „river“ mit dabei. aber auch „bloodline“ oder „marcella“ oder „sense 8“.

Die beste Serie?

oh. die frage gibts ja! siehe oben.

Die beste CD?

die selbstgebrannte von m. immer wieder. 

Das schönste Konzert?

wanda in wien im april. 

Die meiste Zeit verbracht mit…?

nachdenken, neu orientieren, innere bilder revidieren, an mir arbeiten.

Die schönste Zeit verbracht mit…? 

mit den menschen die mich lieben. 

Vorherrschendes Gefühl 2016?

what!? ok. dann mal schauen wie ich jetzt damit umgehe. 

2016 zum ersten Mal getan? 

um 2 menschen getrauert die suizid begangen haben.

2016 nach langer Zeit wieder getan?

gewandert. and i won’t stop. 

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 

tod
immer wieder der kampf gegen die verlustangst
das gefühl nicht gemocht zu werden

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

mich, von mir selbst. 

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? 

da müsste man die menschen in meinem leben fragen 🙂 (ziemlich sicher kind I mit seinem hearthstone kartenpack zu weihnachten!) 

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

mit mir gemeinsam am selben strang zu ziehen. freundschaft.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„du bist eben fight-club.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

das müsste man dann mal erfragen…

2016 war mit 1 Wort…?

wachstum. 

von guten mächten. 

heute plötzlich, 4 tage nach der nachricht von seinem tod, stand dieser gedanke in meinem kopf, dass ich tatsächlich innerhalb von 5 monaten zwei sehr wichtige und untrennbar mit meiner geschichte verbundene menschen verloren habe. beide durch suizid, wenn auch aus sehr unterschiedlichen gründen. beide haben mich auf ihre sehr eigene art begleitet und vorallem geprägt. die letzten 5 jahre meines lebens waren sie teil von mir – ich würde fast sagen, dass sie mich ein stück zu dem gemacht haben wer ich heute bin. den einen verlust immer noch nicht ganz verarbeitet, kommt nun der zweite hinzu – und ich spüre, dass es da um noch mehr geht als um die trauer um zwei menschen. so ganz kann ich es noch nicht greifen aber es scheint um so was wie alleine laufen müssen zu gehen. ich fühle mich im stich gelassen, verlassen. es ist so ein „ihr könnt doch nicht einfach abhauen!“ in mir. es geht auch um das ende eines lebensabschnittes, jetzt kommen andere themen, andere inhalte und sie kommen ohne die beiden. es macht mich beim schreiben irre, dass ich das nicht besser in worte fassen kann. 

mir fällt gerade ein, dass es ein ähnliches motiv manchmal in märchen gibt – der mensch, der eine zeitlang von guten mächten beschützt und begleitet wird, um mit ihnen und durch sie zu lernen allein in der welt zurecht zu kommen. und die auch verschwinden, von jetzt auf gleich, weils kein probeleben gibt sondern eben immer den sprung ins kalte wasser. beide haben mir für diesen sprung viel mitgegeben, besonders einer, wofür ich ihm mein leben lang dankbar sein werde. 

sie haben mein leben verlassen und ich schwimme jetzt los. 

.

vi sejler ikke, fordi der er et hav.
men fordi der er en havn. 
vi leder ikke først efter fjerne mål. 
vi søger først beskyttelse. 

ich hoffe, du hast ihn gefunden und kannst endlich heimkommen und in frieden ruhen. 

danke für alles.

sind wir nicht alle ein bisschen extremistisch?

extremismus ist vorallem der ausdruck nicht befriedigter grundbedürfnisse wie anerkennung, zuwendung, identität oder lebensperspektive und sinnhaftigkeit. das sagte sinngemäß die leitung einer beratungsstelle extremismus.

diese erkenntnis lässt sich weit ab von dschihadismus oder rechtsradikalität auf alle formen von erbittertem streit um und seltsam starrer beschäftigung mit lebensmodellen übertragen. beobachte ich zb die wenig flexiblen argumentationen und diskussionen rund um feminismus, gender, mutter/vaterrolle, dann kommt mir diese erkenntnis (abseits von tatsächlich notwendiger poltischer und sozialer arbeit an den themen)  als sehr erhellend vor und ich kann manches eigene innere aufwallen von „himmelherrgott! das ist eine diskussion und keine feindbildmanifestation!“ – gefühlen zur seite schieben.

die anerkennung eventueller persönlicher, unbefriedigter bedürfnislagen könnte den dialog egal über welches thema friedlicher gestalten und den fokus wieder auf den oft notwendigen und wichtigen inhaltlichen diskurs legen. es würde unter umständen auch dieses „allianzieren“ innerhalb der einzelnen gruppierungen unterbinden, gegen deren front man nicht mehr ankommt in diskussionen. ich gewinne bei vielen diskussionen in den kommentarspalten mittlerweile den eindruck, dass es zum einen um „bist du nicht für mich bist du gehen mich“ geht, mit einem anscheinend interesse am offenen dialog, der aber tatsächlich nicht gewünscht ist. und zum anderen, dass es gerade bei der bestätigung durch die allianzen um eben diese og. bedürfnisbefriedigung geht und nicht um eine tatsächliche inhaltliche auseinandersetzung.

und noch was ist mir aufgefallen: ich habe in den vergangenen zwei tagen im zuge der tagung „extremismus“ oft von der gesprächskultur extremistischer vereinigungen gehört und vieles erinnerte mich an die diskussionskultur im netz – ohne einer extremistischen gruppierung anzugehören, unterscheidet sich zb. die kultur des diskurses zwischen müttern, frauen, vätern und müttern etc. kaum von der einer extremistischen gruppierung und ihrer diskurssprache. hüben wie drüben werden feindbilder geschürt, fakten ausser acht gelassen oder vollkommen neu geschaffen und andersdenkende ausgeschlossen oder offen angefeindet. im umgang mit jugendlichen, die im begriff sind sich einer extremistischen vereinigung anzuschliessen oder dies bereits getan haben, wird genauso daran gearbeitet wie ich oben beschrieb: es findet eine bedürfniserkundung statt, eine auseinandersetzung mit dem was fehlt und warum man es unbedingt auf diese art kompensieren will. ich glaube, dass der wunsch nach gruppenzugehörigkeit und gruppenidentität in den einzelnen filterblasen genauso hoch ist wie bei vielen der menschen, die sich extremistischen gruppierungen und ihren „vorläufern“ wie zb der afd oder in österreich der fpö anschliessen. es ist nur anders kaschiert, weil man zb. einer stillenden mutter, die sich über nicht-stillende mütter echauffiert und sich dazu in gruppe zusammenfindet, nun mal keinen extremismus vorwirft – die still-mafia ist noch nicht indiziert 😉 aber der wunsch nach identität durch gruppenzugehörigkeit und vorallem auch der wunsch sich abgrenzen zu wollen, ist derselbe. an dem ist ja auch nichts schlechtes – ton, haltung und ausdruck ist aber genauso vergiftend ist wie der des extremismus.

ich komme da noch nicht weiter, das liegt alles noch sehr brach in mir – ich habe in den letzten zwei tagen so viele eindrücke und gedanken gesammelt. aber irgendwie wurde ich den eindruck nicht los, dass sich vieles überschneidet in der art wie ein thema betrachtet und verargumentiert wird. und nur weil die konsequenzen darauf andere sind, macht es das nicht besser.

 

downsizen.

derzeit liest man viel über diejenigen, die endlich gehört werden wollen, die endlich jemanden haben der ihnen zuhört und die deswegen rechts wählen, weil dort anscheinend eine menge zuhörer sitzen. und ich mache mir so meine gedanken, was dieses „gehört werden wollen“ eigentlich bedeutet, welches bedürfnis steckt da dahinter und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr möchte ich den blick von der masse über die berichtet wird runterbrechen auf den einzelnen. weil dort das verstehen liegt.

mir fällt der mann ein, der mails schreibt. immer wieder obwohl es ein klares nein gibt, eine klare abgrenzung, ein nicht-antworten und reagieren. und dennoch schreibt er, regelmäßig, immer wieder. schildert ungefragt seine sehnsucht, seine wünsche, sein leben und seinen frust.

mir fällt die frau ein, die unter einsamkeit leidet. die sich in allen gruppen fremd fühlt, die nicht weiß wohin sie gehört. die am wochenende in großraumdiscos menschennähe sucht und am sonntag abend völlig leer und alleine auf dem sofa sitzt.

die frau die jeden, wirklich jeden zutextet. die ungefragt zu einem kommt und viel zu distanzlos dinge aus ihrem leben erzählt, die keinen interessieren.

mir fallen zig menschen aus meinem beruflichen umfeld ein, menschen mit denen ich arbeite, die sich schreiend vor einen setzen, weil sie sich nicht gehört fühlen. menschen, die mit „ich weiss nicht mehr weiter“ anfangen und nach 30 minuten in tränen aufgelöst vor einem sitzen und von ihrer kindheit erzählen.

alle wollen sie gehört werden. wir alle wollen gehört werden. kaum einer der breiten masse der rechts wählenden gehört-werden-woller hat eine klassisch rechte haltung, hört rechte musik oder treibt sich haken.kreuz fahnen schwingend auf kundgebungen rum. wir reden hier nicht von politisch bewusst gebildeteten menschen, die sich intensiv mit inhalten auseinandersetzen und diese bewusst übernehmen. die breite masse, die gehört werden will kennzeichnet eine sache: sie alle werden bereits im allerkleinsten umfeld nicht gehört. nicht von ihrem ehepartner, lebenspartner, den kindern, den kollegen, den freunden. von niemandem. es ist eine große einsamkeit in ihnen und diese einsamkeit ist ein gesellschaftliches problem – und der rechtsruck das symptom welches aus ihr entsteht.

noch nie war einsamkeit ein so derart spürbares thema in unserer gesellschaft wie im moment. ich kann das seit jahren in meiner arbeit spüren, wie sie zunimmt. wie zb. gerichtsstreitereien in ihrer unsinnigkeit, vehemenz und aussichtslosigkeit geführt werden und sie sich in luft auflösen wenn ein rädchen im getriebe sich die mühe macht, mal zuzuhören. wir alle lassen uns in dieser zeit so ein auf die diskussionen um „wie links ist links“ und „wen muss ich verstehen“ und „was will rechts“ und „wem höre ich zu und wem nicht“ und „für wen muss ich verständnis aufbringen und für wen nicht“. das ist so unaushaltbar unsinnig für mich mittlerweile, weil das ein verschiebebahnhof der problematik ist. wir müssen viel tiefer tauchen, wir müssen das alles runterbrechen auf den einzelnen und damit ist nicht nur der andere gemeint sondern auch man selbst. mit wem rede ich eigentlich? wem höre ich zu? welchen kollegen lasse ich links liegen, weil mir sein geplapper auf den senkel geht? welche freundin habe ich nur, weil ich selbst einsam bin und was erzähle ich der eigentlich von mir? wie sehr lasse eigentlich ich mir in die karten sehen, erzähle von meinen sorgen und ängsten? was intellektualisiere ich vielleicht nur, damit nichts und niemand zu nah an mich rankommt? wo bin ich berührbar und wie zeige ich das? wo der andere? was bin ich bereit von meinem nächsten, in der direkten begegnung, anzunehmen? wieviel nehme ich wirklich wahr?

wir verheddern uns derat in metametameta diskussionen, in diskussionen um diskussionen über begriffsdefinitionen, während wir selbst zum 100.x im aufzug mit derselben personen stehen von der wir nichts wissen. der wir kein lächeln, keinen gruß, keine geste des „ich erkenne dich!“ senden.

wir sind kalte arschlöcher, die in der kleinsten zelle der begegnung von angesicht zu angesicht nicht in die karten sehen wollen und sich selbst nicht hineinblicken lassen und wir wundern uns ernsthaft warum es menschen gibt, die meinen ihnen wird nicht zugehört? wir führen super intellektuelle diskussionen über einen großteil der bevölkerung, schaffen uns ein bild ohne wirklich je sich auseinandergesetzt zu haben mit jedem einzelnen der uns begegnet. ich rede nicht von politischer aufklärung, herrgott es ist mir ehrlich gesagt mittlerweile wurscht wer afd wählt oder nicht – ich bekomme dieses thema nicht aus den menschen – nicht so!- , wenn ich nicht im ansatz bereit bin mich für sie sonst zu interessieren. wenn ich nicht irgendwo auf einer ebene erstmal einen kontakt herstelle, ein zuhören. wenn sich nirgends zuhörer finden für den frust, die sorgen und ängste, dann wende ich mich natürlich dem zu, der zuhört. und es sind eben nicht die großen themen wie zukunftsangst und fremdenangst die diese masse reitet, das sind nur schlagwörter unter denen sich die ganzen minifuzzikkleinen mikrothemen subsumieren: mein sohn schafft seine hausaufgaben nicht und ich kann es ihm nicht erklären, er wird keinen schulabschluss schaffen. mein mann geht ständig fremd und ich habe angst um unsere beziehung. meine freundin versteht mich nicht, wenn ich ihr sage dass ich nähe nicht aushalte. mein vater redet nicht mehr mit mir. meine mutter schlägt mich. ich bin überfordert von meiner arbeit.

ist das so schwer? es sind diese ununterbrochenen ängste, die ungehört und ungesagt in den menschen schwelen. ich weiss, ich habe den unendlichen vorteil, dass ich diese sorgen und ängste jeden tag höre und genau deswegen um sie weiss. aber können wir nicht einfach mal alle annehmen, dass der größte schreihals, der seine sorge über ausländer kundtut, vielleicht in seinem herzen der kleinste und ängstlichste mensch ist? der mit all dem scheiss in ihm nirgends hinkann? hat irgendeiner von euch wunderbar sozial eingebetteten und im notfall aufgefangenen, intellektuell ausreichend ausgestatteten menschen überhaupt einen blassen schimmer wie es in den allermeisten menschen tatsächlich aussieht? schliesst nicht immer von euch auf andere oder noch schlimmer – interpretiert das unverständliche verhalten andere nicht für euch auf basis eurer werte und normen sondern hört zu! redet endlich miteinander! setzt euch zu der person, mit der ihr noch nie kontakt hattet, fragt nach und noch viel mehr: fangt an von euch selbst zu reden. gebt einblick in eure konfusion, eure ängste, eure sorgen, schafft damit eine gemeinsamkeit, eine annäherung, selbst wenn sie sich unterscheiden. die gemeinsakeit ist nicht die gleiche sorge oder angst, es ist das gemeinse erleben, das gefühl, das damit verbunden ist.

werdet weich. öffnet euch, begegnet einander. nicht in irren intellektuellen diskussionen. sondern im fahrstuhl, an der kasse im supermarkt, im fitneßstudio oder auf der arbeit. die gesellschaft ändert sich nicht in der diskussion über sie. sie ändert sich auch nicht in der be- oder verurteilung derjenigen die man nicht versteht. sie ändert sich nicht über sozialstudien um „die“ zu verstehen. sie ändert sich noch nicht mal im politischen diskurs mit dem einzelnen.

noch tiefer! wir müssen noch tiefer gehen, noch mehr reduzieren: auf die begegnung mit dem gegenüber, dem sich selbst öffnen, mit dem nachfragen, dem wie geht’s dir, dem zuhören, dem aushalten, dem da sein – mit einem wortlosen freundlichen blick, einem lächeln oder einem wort. wollen wir was ändern, müssen wir gründlich arbeiten. ganz von vorne beginnen.

 

die frage ist ob wir das wirklich wollen. denn es wird uns hinterfragen. und das ist weitaus schwieriger und unangenehmer als immer den anderen zu hinterfragen.

 

 

 

nur ein satz.

ich tue mich in politischen diskussionen oft sehr schwer. das hat zum einen damit zu tun, dass ich in den allermeisten themen wirklich nur semi-gebildet bin. die dinge sind oft zu komplex um sagen zu können „oh hier! Ich hab meinung!“, es ist ein ständiges erneutes abwägen, umdenken und neu positionieren nötig, will man dieser komplexität gerecht werden. das fasert meinung ziemlich aus und macht mich gefühlt sehr unklar und fähnchenhaft. das widerrum mag ich nicht und weil ich keine zeit und energiekapazitäten habe, ignoriere ich eben einen großteil der wichtigen politischen themen und weiche den diskussionen über diese aus. darüberhinaus geht es in politischen fragen dieser tage recht schnell hoch her, es wird aggressiv und laut, beides dinge mit denen ich extrem schlecht umgehen kann. der, der es schafft trotz der komplexität „meinung!“ zu haben hats leicht und schreit die eben raus, ungeachtet aller anderen möglichen positionen zu diesem thema. und weil auch das nicht mein stil ist, hab ich irgendwie gar keinen stil in diskussionen sondern halte mich raus. so wie mir scheint es vielen zu gehen und ich glaube, viele sind damit nicht glücklich. ich zumindest bin es nicht.

neulich las ich einen artikel, den ich leider nicht mehr wiederfinde und daher nicht verlinken kann (doof, ja. ich ärgere mich auch.), der aber sinngemäß folgendes sagte: wenn man der laut hassenden masse die stimmführung überlässt, geht unter, dass die reflektierten und klugen eigentlich (noch) in der mehrzahl sind. aus verschiedenen gründen, unter anderem weil es jahrelang hiess „don`t feed the trolls“, schweigen mittlerweile immer mehr und ziehen sich zurück oder verstricken sich in nervenauftreibende und zugleich sinnlose trolldiskussionen. dadurch entsteht der eindruck einer schieflage, was widerrum dazu führt, dass die klugen und reflektierten und stillen und komplexer denkenden noch mehr verstummen weil dieses „es bringt eh nix“ gefühl so stark ist.

was also tun? der artikel macht da einen schönen vorschlag, der im grunde sehr simpel ist: er schlägt vor, jedem kommentar digital wie analog einen einzigen ausdruck des nicht-einverstanden seins entgegen zu setzen. das kann ein „ich stimme da nicht mit dir überein“ sein bis zu einer kurzen ergänzung „…weil….“ – aber mehr nicht. ein statement, das nicht darauf abzielt das gegenüber von der eigenen meinung überzeugen zu wollen oder davon, dass die meinung des gegenübers schlicht falsch ist. ein statement, das nicht unfruchtbare diskussionen und agressionen hervorruft sondern lediglich dazu dient im allerkleinsten die eigene haltung zum ausdruck zu bringen. mich hat das sehr angesprochen, weil es mich zum einen aus meiner sprachlosigkeit und hilflosigkeit rausholt. zum anderen, weil ich denke ein satz ist gut leistbar. ich habe ja eine haltung, ich habe ja eine meinungstendenz, auch wenn ich die nicht gut und meinen ansprüchen nach differenziert genug rüberbringe. dieser tendenz kann ich ausdruck verleihen, sie macht meine position klar ohne sie zu erklären. denn in meinen augen braucht es einfach auch nicht immer eine erklärung, es darf auch ok sein einfach zu sagen: nein. dem was du sagst stimme ich dir nicht zu.

und schlussendlich meine ich, dass man widerstand und seinen ausdruck damit gut im kleinen lernen kann, um ihn dann im großen auch vertreten zu können. wenn ich im kleinen „übe“ widerstand zu äussern und ihn auch auszuhalten, dann gerate ich erstmal nicht in die überforderung und anschliessend in die frustration und resignation, wie bei all den fruchtlosen diskussionen die nie, wirklich nie konsens bringen weil m.e. eh kaum einer auf konsens aus ist. es ist auch eine gute möglichkeit für das eigene positionieren und sich selbst ausloten. wo läuft eigentlich genau meine grenze? an welcher stelle positioniere ich mich ganz klar, an welcher stelle weiss ich eigentlich noch gar nicht genau wo die grenze langläuft? wo ist sie nachgiebig, wo braucht sie noch informationen? zwischen unklarheit und agressiver diskussion und ignoranz und frust liegt der eigene weg. und der darf in kleinen schritten verlaufen. erweitern kann ich meine meinung an den stellen, wo ich ahne oder weiß, dass es früchte tragen kann. im freundeskreis, vielleicht auch bei kollegen. da wo ich mich traue, wo ich auf eine gesprächskultur stoße, die eine auseinandersetzung und einen konsens möglich macht.

ich lerne im kleinen. sonst kann ichs im großen nie.

 

das gute im leben am wochenende 11.-13.11.2016

es fällt mir nach letzter woche sehr schwer, im moment wieder auf diesen alltags und alles wird gut zug aufzuspringen. ich merke wie gefangen ich in den gedanken rund um die präsidentschaftswahl bin. vielleicht ist das das gute daran, dass ich merke wie ich meine im letzten jahr sehr ausgiebig gepflegte ignoranz gegenüber jeglichen politischen themen aufgebe. christian hat dazu einen sehr guten artikel geschrieben, mit weiteren guten links. ebenso empfehle ich journelles artikel „verständnis ist keine option“ und kopfzeilers „american hustle“ – ein artikel über die präsidentschaftswahl und deren ausgang aus sicht eines deutschen in den usa. desweiteren einem faz-artikel von jürgen kaune „die irrtümer der wähler-beschimpfer„. ich merke wie sehr mir angesichts der komplexität der schädel zu platzen droht, vieles geht weit über meine vorstellungskraft hinaus, manches lässt mich so erschrecken, dass ich mich nicht näher damit beschäftigen will. und dennoch muss. denn die zeit der vogelstrauss-taktik muss nun vorbei sein. zeit die filterblase zu verlassen. all diese artikel gehören für mich zum guten an diesem wochenende und in dieser zeit, zeigen sie doch die klugheit und unermütlichkeit in der auseinandersetzung mit all den facetten, die mit diesem katastrophalen wahlergebnis verbunden sind. das macht mir hoffnung.

ein sehr persönliches gutes gibts auch noch mitten in dieser zeit. die beste überprüfung, ob eine verhaltensänderung an einem selbst schon spürbar ist, ist ja das umfeld in dem man sich bewegt. und seit in letzter zeit immer öfter die rückmeldung kommt „gehts dir nicht gut? du bist so still!“ freue ich mich sehr, dass sich wohl gerade was spürbar ändert. jahrzehntelang verschüttete anteile dürfen endlich ihren platz einnehmen und bringen mich in eine gute balance. schräg, wenn das im moment bei menschen so ankommt, als ob es mir schlecht ginge. es geht mir nämlich sehr gut damit.