mir wäre nach langsamkeit.

wann ist uns eigentlich die fähigkeit abhanden gekommen zu sagen „ich habe dazu noch keine abschliessende meinung gefunden, ich brauche noch informationen.“ und wann ist uns die fähigkeit abhanden gekommen unsere meinung auch wieder revidieren zu können, mehr noch zu dürfen? zu sagen „ach. ich dachte bisher immer so und jetzt stelle ich fest, das ist ja gar nicht so!“ wann fing das an, diese vorwiegend digitale suggestion, dass wir immer und sofort meinung haben müssen? und diese für immer und ewig in stein gehauen da stehen muss? wo genau hat uns die schnelligkeit der nachrichten in der meinungsbildung eingeholt?

mir wäre nach langsamkeit. wann immer dieser tage etwas passiert, möchte ich „halt!“ schreien. aber bevor ich das wort überhaupt ausgesprochen habe, haben schon alle ihre profilfotos geändert, haben sämtliche handywackelvideos analysiert und polizeiprotokolle gelesen oder sind teil einer digitalen diffusen „je suis….“ masse. oui, je suis. aber was denn genau? als erstes ich. aber das scheint nicht zu zählen – es zählt nur die identifikation mit der jeweiligen betroffen gruppe (und ach es gibt soviele….was sind wir 2015 schon nicht alles gewesen), immer verbunden mit der haltung „bin ich nicht für bin ich dagegen“.

mir wäre nach langsamkeit. nach einem maßvollen umgang mit meinung, auch der eigenen. einer gelassenen annäherung und begutachtung aller möglichen facetten eines themas. nach einem in sich hinein spüren wo die nachricht, das thema gerade bei einem selbst anklopft. wo man noch fragen hat, was man noch wissen muss. und vorallem – welche emotion ist damit verbunden? nicht diese vorgegebe media-betroffenheitsscheisse. sondern meine eigene. was passiert mit mir wenn ich höre von paris, istanbul, köln? wie will ich damit umgehen? wovon grenze ich mich ab? welches bild will ich nicht sehen? welche information nicht wissen, weil sie mich erschüttert und ich nicht weiss wie damit umgehen? und was halte ich aus? wenn wir schon im digitalen zeialter leben, muss ich für mich auch abgeklärt haben, was für reizen und informatioenn ich mich aussetze und welchen nicht. ich muss einen blick in mein innerstes geworfen haben, es kennen, um schutzräume und filter einrichten zu können – ansonsten überflutet mich die information ungefiltert. meinung und emotion geht hand in hand.

mir wäre nach langsamkeit. nach einem schauen auf jeden von uns selbst, den dingen raum geben und abzuwarten was in mir als reaktion oder idee wächst. nach einem aushalten der spannung, die dinge nicht zu erklären, nicht klären zu können.

mir wäre wirklich nach langsamkeit.

but the times they are a changin`.

#ausnahmslos

ich verstehe schon wenn sich jetzt viele aufregen, dass menschen sich plötzlich für themen interessieren (frauenrechte/gewalt gegen frauen/obdachlosenproblematik etcpp.), die im zuge der flüchtlingsthematik plötzlich hochgespült werden, für die sich bisher kaum jemand interessiert hat. allerdings kann man das auch positiv sehen: endlich kommen diese themen in der deutschen gesellschaft an. auf umwegen zwar und nicht wie erwünscht in einem offenen und friedlichen dialog sondern bedingt durch krise. aber die chance die darin liegt bleibt die gleiche: das wachsen einer gesellschaft an den themen, die nötig sind bearbeitet zu werden.
diese chance durch krise macht die beschäftigung und konkrete bearbeitung mit den themen in meinen augen nicht unglaubwürdiger oder weniger wert.

ein großartiges beispiel hierfür ist die kampagne #ausnahmslos, die von feministinnen aus verschiedenen gesellschaftlichen bereichen ins leben gerufen wurde. diese setzen sich seit vielen jahren „für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und für eine offene und faire Gesellschaft ein, engagieren uns gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt. Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, auch gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu stehen.“

erarbeitet wurden politische, gesellschaftliche und mediale lösungsansätze, die raum geben soll für gleichberechtigung in unserer gesellschaft.

wer unterzeichnen möchte und damit ein zeichen setzen will kann dies hier gerne tun:

#ausnahmslos