der dicke mann und ich.

neulich sass ich im zug einem wirklich sehr dicken mann gegenüber. während ich ihn beobachtete kamen mir fragen in den sinn, die wirklich derart tief im bereich des fatshaming (die ich aber für sehr normal halte und die gedacht gehören um sie ändern zu können) lagen, dass es mir unangenehm war sie gedacht zu haben. fragen nach körperlichkeit, nach körperwahrnehmung, nach initmität mit diesem körper, nach selbstliebe. irgendwann blickte er auf und lächelte mich an und in dem augenblick wurde mir was klar, was ich selbst – als sich oft genug selbstkasteiender, schlanker mensch mst ausgeprägtem schlechtem körperbild – zeit jahren versuche zu begreifen und zu erfühlen: dass selbstliebe komplett unabhängig von körperform sein kann. wohl gemerkt sein kann, denn oft genug ist sie das nicht. wie oft ist meine tagesstimmung tatsächlich von einem blick in den spiegel oder an mir herab abhängig. wie oft muss ich bewusst dagegen ankämpfen, dass der tag nicht schlecht beginnt weil die hose kneift. und wie oft frage ich mich was man eigentlich an mir lieben könnte wenn ich doch aber so aussehe und so eine körperform habe. das ganze ding hat eine lange geschichte und für so eine geschichte muss man nicht dick sein. es reicht schlank zu sein und in den entscheidenen jahren fast ausschliesslich über äussere attribute und werte beurteilt worden zu sein.

aber da in dem zug – da bekam ich plötzlich so eine ahnung, wie egal das alles ist. wie sehr meine eigene brille mich und mein gegenüber über das äussere bewertet, mich grundsätzlich härter als das gegenüber, für welches es immer verständnis und toleranz gibt. aber dennoch immer dieser mindgap bleibt zwischen dem innen und dem aussen. der mensch der vor mir sass, kann sich komplett wohlfühlen so wie er ist. er kann diese oder jene körperform als entscheidung gewählt haben aus 1001 gründen oder auch einfach nur weil er diese körperform nun mal hat. ich darf mich so wohlfühlen wie ich bin weil ich bin wie ich bin. weil es offensichtlich menschen gibt die etwas sehen was unabhängig von allem äusseren ist – nur weil ich es nicht sehe muss es nicht nicht da sein.

schon während ich das schnell festhalte merke ich, wie dieser funke des erkennens verschwindet. das ärgert mich dann immer etwas, wie so etwas grosses und entscheidendes dann plötzlich wieder verschwinden kann. aber immerhin war es einmal da und was einmal da war geht nie wieder wirklich weg.

theres hope! 😉

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4 Gedanken zu “der dicke mann und ich.

  1. Danke, gut beschrieben – spontan fällt mir dieses Gedicht von Ulrich Schaffer dazu ein:

    So schnell ist der Moment vorbei

    Du stehst auf der Straße in der Abenddämmerung
    und kannst dich nicht entscheiden.
    Noch kämpft sich in dir das eine vom andern frei.
    Du stehst ganz still,
    um den Kampf in dir nicht zu beeinflussen.
    Da gehen plötzlich die Straßenlaternen an,
    als hätten sie von deiner Dunkelheit gewusst.
    In ihrem Licht wird deutlich,
    dass die Nacht langsam, aber unaufhaltsam fällt.
    Wie ein Zucken durchfährt es dich in dem Moment,
    dass du dich lieben könntest,
    bedingungslos, wie ein dir selbst Verfallener.
    Vielleicht wie Gott.
    Aber du gehst weiter,
    übersiehst dich und nimmst dich gefangen
    mit den Dingen, die dich klein machen.
    So schnell ist der Augenblick vorüber,
    der dich für immer verändert hätte.
    Im dunkelnden Himmel
    siehst du eine Taube davonfliegen.
    Ihr weiches Gefieder trägt das,
    was hätte sein können, davon.

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