18 worte am 18.

noch krankgeschrieben aber bereits das vorfreudige kribbeln spüren wenn ich an meine arbeit und kollegen denke. grosses glück!

(die wunderschöne idee der 18 worte kommt von hier.)

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heimat.

vor vier jahren bin ich alleine in eine wohnung auf diesen bauernhof gezogen, oberhalb beider seen. es war die zweite wohnung die ich mir angesehen habe. die vermieterin der ersten zog pikiert die braue nach oben als ich ihr erzählte, dass ich alleine einziehe während die kinder beim vater wohnen bleiben. meine jetzige vermieterin hingegen unterbrach meine erklärungen mit den worten „du musst mir nichts erklären. so ist leben.“ und übergab mir die schlüssel. an diesem hof ist nichts modernes – stallungen, wohnhaus, viel holz, viel bauernhausstil, gestickte segenssprüche im treppenhaus, meine wohnungen (ich habe zwei ehemalige ferienwohnungen, die nebeneinanderliegen) haben türen, deren schlüssel ich entweder nicht habe oder aber verlegt habe und bis auf eine nachträglich hinzugebaute holzwand, die mir eine art vorraum geschaffen hat, ist alles offen für den der hinein will. wir leben dicht und dennoch mit einem klaren raum für privatsphäre, abends höre ich m. in ihrer wohnung stubenmusi üben und vom stall her die pferde schnauben und morgens die hühner gackern und die ziegen meckern. nichts ist schnell in diesem haus, das internet reicht nicht mal für youtube videos und mein fernseher empfängt seit der dbtv sache nur noch 5 programme – es schaut ohnehin niemand. m. ist eine seele von frau, die mir plätzchen bäckt und mich in den arm nimmt, wenn ich es brauche. wenn es einen ort gäbe den ich als heimat bezeichnen würde, dann wäre es dieser ort. mit ihm wird meine seele ruhig. an diesem ort ist nichts unruhiges, böses, nerviges, er ist frieden durch und durch. ich habe in meinem leben schon an den unterschiedlichsten orten und in verschiedensten wohnungen gewohnt – nichts reicht ran an diesen ort, der ohne was dafür zu verlangen mir alles gibt was ich brauche. und ich bin so oft so unendlich dankbar, dass ich ihn mein zuhause nennen darf.

ein schritt.

ein schritt nach vorne um wegzukommen, in bewegung zu bleiben, vorwärts zu kommen, weiterzugehen.

ein schritt zur seite um platz zu machen, die perspektive zu wechseln, in die distanz zu gehen, innezuhalten.

ein schritt zurück um zu rekapitulieren, abzuwarten, rückschau zu halten, um zu erinnern.

jeder schritt eine gute wahl.

geschwister.

mein bruder nannte sie mal „energie und ausdauer“ – und bis heute kann ich die spitznamen bestätigen. sie sind nur 14 monate auseinander und auch wenn ich bis heute unter einer teilamnesie leide was die ersten lebensjahre der beiden angeht, erlebe ich es heute als ein geschenk, dass beide so kurz hintereinander auf die welt gekommen sind. die reibungen sind phasenweise sehr stark – grosse nähe erzeugt immer auch den grossen wunsch nach abgrenzung, hinzu kommt eine frappierende unterschiedlichkeit in ihrer art. aber genauso gross ist die verbundenheit der beiden, das geschwisterliche verschwören, die einheit und das füreinander da sein.

ich beobachte sie so gerne in ihrem miteinander grosswerden und sich finden. und solche momente wie gestern abend- die sind gold, verwahrt in meinem herzen für immer.

crazy little thing called vereinbarkeit.

ich war und bin seit langer zeit fan von vereinbarkeit. ich glaube fest daran, dass dinge die man will auch umsetzbar sind – mal leichter, mal schwerer, mal mit wenig externen mittel und nur einer kleinen veränderung der haltung, mal mit viel externem aufwand und unter einbeziehung aller am system beteiligten.

vereinbarkeit ist für mich auch nie nur das klassische themenfeld arbeit-familie, sondern bezieht eigentlich immer alle bereichen individuellen lebens mit ein in den unterschiedlichsten kombis. in meinem fall ist das thema vereinbarkeit im bereich patchwork verankert.

seit 4 jahren und seit 2 jahren insbesondere arbeite ich an der vereinbarkeit getrennter familienverhältnisse und ihrer individuelle bedürfnisse. wie wunderschön abstrakt das klingt denke ich gerade, im grunde geht es darum wie bekomme ich mich, meine arbeit, die arbeit von zwei weiteren erwachsenen und die bedürfnisse von 5 kindern inkl. der individuellen terminplanung einer weitern erwachsenen person unter einen hut. und das klingt jetzt irgendwie weit weniger wunderbar. es klingt nämlich nach arbeit.

seit ein paar wochen geht mir bezüglich meines unbändigen vereinbarkeitswillens ein wenig der atem aus. die konstellation bringt feste grössen mit sich, die nicht veränderbar sind – zum beispiel wohnsitze, arbeitsstätten und schulsprengel. sie bringt variablen mit, die nur bedingt variabel sind – familieninterne umgangsregelungen und kindliche eigenheiten zum beispiel. und natürlich bringt sie ein haufen altlasten mit sich, alte abmachungen, alte verletzungen, unaufgearbeitetes was nun nach der trennung sicher nicht mehr angegangen wird und eben mit rumwabert. all das verhindert flexibilität, welche eine unabdingbare voraussetzung für vereinbarkeit ist, spontanität und ein stückweit individualität. ok sie bringt auch stabilität und beständigkeit, aber sind wir ehrlich: davon profitieren die kinder. was toll ist. aber der erwachsene rest beisst sich die zähne an flexibilität und spontanität aus.

und als ich etwas verzweifelt neulich an dieses thema dachte, musste ich abbitte leisten all den anderen gruppen gegenüber, die ebenfalls mit vereinbarkeit kämpfen respektive mütter und/oder väter, und denen ich in den letzten jahren oft mangelnden wille und jammerei vorgeworfen habe. denn es ist eben leider nicht immer nur ein frage des willens. sondern auch eine frage der belastbarkeit, deren beantwortung sehr oft von anderen lebensumständen abhängt. eine kosten nutzen frage, nicht nur finanziell sondern auch des krafteinsatz her wegen. eine frage der bereitschaft, die völlig unabhängig davon ist, wie sehr ich bereit zu allem bin – es reicht ein rädchen im getriebe, welches blockiert und bockt und mein wille ist im nu fremd-blockiert. die kraft, die es mich die letzten jahre gekostet hat an der vereinbarkeit getrennter familienverhältnisse zu arbeiten, war vorallem darin investiert, alle zu einen. was aber im umkehrschluss heisst, dass ich bei jedweder vereinbarkeitslösung eben auch jeden beteiligten im boot haben muss, sonst rädchen -> blockiert -> tschüss vereinbarkeit. denn vereinbarkeit gegen den willen eines einzelnen ist nun mal keine, nicht umsonst heisst es vereinbarkeit.

das alles ist verbunden mit einer menge aufwand – aufwand, der neben meinem völlig unbeeindruckt weirer laufenden leben geschieht. die eintragung von gemeinsamen terminen in schicken familienplanern ist der allerkleinste anteil und geschieht am ende einer langen kette von oft unzähligen gesprächen.

die gemeinsame zeit des freundes und mir orientiert sich an seinem 50:50 wechselmodell und unserem ich nenns mal co-parenting modell. das erlaubt uns alle 2 wochen gemeinsame zeit von freitag abend bis mittwoch früh, 4 tage. das steht im familienkalender. daran halten sich – dankenswerter weise – beide expartner. aber auch diese sind machtlos bei unerwarteten kinderterminen, ungeplanten notwendigen arztbesuchen, manchmal eigener schusseligkeit (was ok ist weil hej, wir alle bemühen uns derbst da dürfen auch mal fehler sein) arbeitsterminen etc. die unwägbarkeiten gibt es. taucht eine auf, müssen rücksprachen gehalten werden: mit dem jeweiligen ehemaligen partner, eventuell noch mit den jeweiligen geschwisterkinder, die immer mal wieder auch in terminkollusion geraten weil irgendwo anders im system ein dominosteinchen umgeflogen ist. das können in summe bis zu 5 gespräche werden, oft kurze, manchmal aber auch sehr sehr komplizierte weil befindlichkeiten und bedürfnisse angeditscht wurden, die es dann vor klärung von allem anderen erstmal gilt zu berücksichtigen. und das sind beispiele, die klein sind, alltagsgekröse. da gibt es noch weitaus umfassendere themen.

ich sags ganz offen: wir sind alle kommunikationseeprobt und uns einander gütlich zugetan, ich frage mich jedesmal wie all dieser summs funzen soll, wenn man diese basis nicht hat. es ist nicht vorstellbar. denn das ist die erfahrung von mir bezüglich vereinbarkeit und ich schwöre das gilt für jedes familie/lebensmodell und jedes thema welches vereinbarkeit braucht: es geht nicht ohne zu sprechen und es geht nicht ohne ein mindestmaß an respekt, freundlichkeit und miteinander auskommen können. fehlt eines und sei es auch nur bei einem einzelnen rädchen, ist vereinbarkeit nicht möglich. man kann es versuchen, aber es ist ein kräfteverschleiss ohne ende, der in der eigenen erschöpfung endet die widerrum in der aufgabe dieses vereinbarkeitsdings mündet.

wunsch und wille sind lediglich der anfang. und man darf mir glauben – ich habe beides und ich habe das glück weitere 8 menschen im boot zu haben, die mitziehen. aber selbst mit diesen idealvoraussetzungen ist es ein kraftakt und ich verstehe jeden und jede, der/die nach viel bemühen ohne erfolg irgendwann aufgibt und die segel streicht. deshalb nützt auch der satz „du muss das wollen! dann klapt das schon!“ nichts. man muss sich die mühe machen genau hinzusehen und zu fragen „was genau klappt nicht? welcher anteil stellt sich quer? welcher umstand gehört zuerst verändert und welche konsequenz hätte das? und ist die dann passend?“ man muss schauen wer nicht im boot sitzt, denn immer ist es die person die nicht im boot sitzt, welche die meiste aufmerksamkeit braucht – auch wenn man vor lauter wut darüber hauen möchte vielleicht weil es eben schon wieder! genau die person ist, die immer überall sitzt aber nicht im boot. man muss genau hinsehen und definieren, was eigentlich vereinbart werden soll, genau hinschauen wo sich geheime wünsche verstecken, die aus dem hintergrund den prozess steuern während alle noch denken es geht ums verhandeln von betreuungszeiten o.ä. dabei wird gerade das thema individuelle selbstverwirklichung verhandelt.

und das allerwichtigste: wir dürfen nicht (sowieso nie!! 😃) von uns auf andere schliessen – wir dürfen uns allerhöchstens glücklich schätzen oder auch gerne auf die schulter klopfen, dass unsere vereinbarkeit mit unseren vorgaben und parametern funktioniert. und dann mit unseren rückfragen und unserem verständnis für individualität vielleicht dafür sorgen, dass es auch woanders klappt.

1 ort 1 begegnung.

ich stehe im spar an der kasse. hinter mir 5 menschen. es ist montag, 11 uhr. die kassiererin hat die ruhe weg. es ist nicht diese provozierende ruhe, die kassenmenschen an den tag legen können wenn sie sich gehetzt fühlen, was ich nachvollziehen kann – jeder beruf kennt seine eigenen methoden auszubremsen. es ist mehr so eine tiefe gelassenheit, ein ausblenden der umgebung, der ungeduld und hetze der anderen menschen in der schlange. als ich dran bin mit zahlen, reiche ich ihr 2 scheine. sie sind zweimal gefaltet, kein origami. sie nimmt sie, lehnt sich im kassenstuhl zurück, entfaltet sie langsam und beginnt sie sanft glatt zu streichen. streicheln eher. die schlange hält ein bisschen den atem an – und ich frage mich plöttlich besorgt, ob sie meine scheine vielleicht nicht annimmt weil sie verknittert sind. mittlerweile ist eine knappe minute verstrichen, das ist viel zeit in so einer situation. als die groben falten geglättet sind, stutzt sie kurz und beginnt dann die ganz kleinen knicke an den außenkanten glatt zu streichen. ich weiß nicht, ob überhaupt noch wer in dieser schlange atmet – niemand beschwert sich, alle schauen gebannt diesem schauspiel zu. plötzlich, und ich schwöre wir sind alle zusammengezuckt, reisst sie beim glattstreichen eine kleine ecke ab. geht mir weg mit netflix, der wahre thrill findet sich hier. sie stutzt erneut, sagt „na!“, empört fast, wie sich dieser fitzel ihren streicheleinheiten so widersetzt, beugt sich hinunter zu ihrem rollcontainer, holt einen tesafilm raus und beginnt diese kleinerfingernagel-grosse ecke anzukleben.

und da fällt mir das wort ein, was das hier ist. es ist ein akt der rebellion. ein akt der rebellion an einer stelle im alltäglichen gewusel, die darauf ausgerichtet ist, zügig von statten zu gehen. eine verlangsamung an dieser stelle, gar ein solcher ausstieg aus dem üblichen wie sie es tut, ist so eine klare abgrenzung, ein nein zur vorschrift, dass es im grunde eine helle freude ist, sowas mit erleben zu dürfen.

ich lache sie also an, lehne mich innerlich sehr entspannt zurück und lasse mich ein bisschen von ihrer rebellion anstecken.

der dicke mann und ich.

neulich sass ich im zug einem wirklich sehr dicken mann gegenüber. während ich ihn beobachtete kamen mir fragen in den sinn, die wirklich derart tief im bereich des fatshaming (die ich aber für sehr normal halte und die gedacht gehören um sie ändern zu können) lagen, dass es mir unangenehm war sie gedacht zu haben. fragen nach körperlichkeit, nach körperwahrnehmung, nach initmität mit diesem körper, nach selbstliebe. irgendwann blickte er auf und lächelte mich an und in dem augenblick wurde mir was klar, was ich selbst – als sich oft genug selbstkasteiender, schlanker mensch mst ausgeprägtem schlechtem körperbild – zeit jahren versuche zu begreifen und zu erfühlen: dass selbstliebe komplett unabhängig von körperform sein kann. wohl gemerkt sein kann, denn oft genug ist sie das nicht. wie oft ist meine tagesstimmung tatsächlich von einem blick in den spiegel oder an mir herab abhängig. wie oft muss ich bewusst dagegen ankämpfen, dass der tag nicht schlecht beginnt weil die hose kneift. und wie oft frage ich mich was man eigentlich an mir lieben könnte wenn ich doch aber so aussehe und so eine körperform habe. das ganze ding hat eine lange geschichte und für so eine geschichte muss man nicht dick sein. es reicht schlank zu sein und in den entscheidenen jahren fast ausschliesslich über äussere attribute und werte beurteilt worden zu sein.

aber da in dem zug – da bekam ich plötzlich so eine ahnung, wie egal das alles ist. wie sehr meine eigene brille mich und mein gegenüber über das äussere bewertet, mich grundsätzlich härter als das gegenüber, für welches es immer verständnis und toleranz gibt. aber dennoch immer dieser mindgap bleibt zwischen dem innen und dem aussen. der mensch der vor mir sass, kann sich komplett wohlfühlen so wie er ist. er kann diese oder jene körperform als entscheidung gewählt haben aus 1001 gründen oder auch einfach nur weil er diese körperform nun mal hat. ich darf mich so wohlfühlen wie ich bin weil ich bin wie ich bin. weil es offensichtlich menschen gibt die etwas sehen was unabhängig von allem äusseren ist – nur weil ich es nicht sehe muss es nicht nicht da sein.

schon während ich das schnell festhalte merke ich, wie dieser funke des erkennens verschwindet. das ärgert mich dann immer etwas, wie so etwas grosses und entscheidendes dann plötzlich wieder verschwinden kann. aber immerhin war es einmal da und was einmal da war geht nie wieder wirklich weg.

theres hope! 😉