2016. 

ganz grob auf einer skala von 1-10: wie war dein jahr? 

eine glatte 9. ich nehme nur deshalb nicht die 10 weil ich immer platz nach oben lassen möchte. das jahr war übrigens gerade weil es ein paar heftige seelische untiefen hatte, eine 9. 

Zugenommen oder abgenommen? 

abgenommen. und das obwohl ich vor einem halben jahr von heut auf morgen mit joggen aufgehört habe und angefangen habe zu essen, wie und wann und nach was mir gerade ist. sehr faszinierend seinen körper und dessen bedürfnisse völlig neu zu erfahren.

Haare länger oder kürzer? 

gleich kurz. ich werde in diesem leben auch nicht mehr langhaarig. sämtliche versuche enden noch über den ohren. um es mit halle berry zu sagen: „I find when I have short hair, I feel like I have nothing to hide behind anymore.“ 

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

die situationen, in denen ich als kurzsichtige meine brille hochnehmen muss um in der nähe besser zu sehen, häufen sich….

Mehr Geld oder weniger? 

dank tariflicher gehaltserhöhung mehr. ist aber jetzt nicht so doll spürbar wenn ich ehrlich bin. aber ich bin zufrieden.

Mehr ausgegeben oder weniger? 

ich denke etwas mehr wegen schwer erkranktem fiat. 

Der hirnrissigste Plan?

anzunehmen, dass der wechsel des ältesten kindes aufs gymnasium gefälligst ohne besondere vorkommnisse von statten gehen soll. mittlerweile hat sich alles eingespielt, aber das war familiensystemisch und persönlich ein echter schleudergang. 

Die gefährlichste Unternehmung?

gabs nicht. ich mag kalkuliertes risiko, deshalb überrascht mich letztendlich nichts wirklich. 

Die teuerste Anschaffung?

der italienurlaub wie jedes jahr 🙂 die fiatreparatur und mein finanzierungsplan für 2 kronen und 2 implantate 2017. 

Das leckerste Essen?

das himbeer-baiser häufchen im cafe schatz in salzburg und so ziemlich alles was der mann gekocht hat dieses jahr. und diese eine frittaten-suppe im bluntautal. ach und das frittierte gemüse und obst im „la posta“ in irgendeinem winzigen italienischen kaff in der maremma. 

Das beeindruckenste Buch? 

jack kornfield „das weise herz“ – 576 seiten die viel in mir bewegt haben, haltungen korrigiert und hinterfragt haben. 

Der ergreifendste Film? 

ich sehe kaum mehr filme. erweitere ich auf serien dann ist da sicher „the good wife“ und „river“ mit dabei. aber auch „bloodline“ oder „marcella“ oder „sense 8“.

Die beste Serie?

oh. die frage gibts ja! siehe oben.

Die beste CD?

die selbstgebrannte von m. immer wieder. 

Das schönste Konzert?

wanda in wien im april. 

Die meiste Zeit verbracht mit…?

nachdenken, neu orientieren, innere bilder revidieren, an mir arbeiten.

Die schönste Zeit verbracht mit…? 

mit den menschen die mich lieben. 

Vorherrschendes Gefühl 2016?

what!? ok. dann mal schauen wie ich jetzt damit umgehe. 

2016 zum ersten Mal getan? 

um 2 menschen getrauert die suizid begangen haben.

2016 nach langer Zeit wieder getan?

gewandert. and i won’t stop. 

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 

tod
immer wieder der kampf gegen die verlustangst
das gefühl nicht gemocht zu werden

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

mich, von mir selbst. 

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? 

da müsste man die menschen in meinem leben fragen 🙂 (ziemlich sicher kind I mit seinem hearthstone kartenpack zu weihnachten!) 

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

mit mir gemeinsam am selben strang zu ziehen. freundschaft.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„du bist eben fight-club.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? 

das müsste man dann mal erfragen…

2016 war mit 1 Wort…?

wachstum. 

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von guten mächten. 

heute plötzlich, 4 tage nach der nachricht von seinem tod, stand dieser gedanke in meinem kopf, dass ich tatsächlich innerhalb von 5 monaten zwei sehr wichtige und untrennbar mit meiner geschichte verbundene menschen verloren habe. beide durch suizid, wenn auch aus sehr unterschiedlichen gründen. beide haben mich auf ihre sehr eigene art begleitet und vorallem geprägt. die letzten 5 jahre meines lebens waren sie teil von mir – ich würde fast sagen, dass sie mich ein stück zu dem gemacht haben wer ich heute bin. den einen verlust immer noch nicht ganz verarbeitet, kommt nun der zweite hinzu – und ich spüre, dass es da um noch mehr geht als um die trauer um zwei menschen. so ganz kann ich es noch nicht greifen aber es scheint um so was wie alleine laufen müssen zu gehen. ich fühle mich im stich gelassen, verlassen. es ist so ein „ihr könnt doch nicht einfach abhauen!“ in mir. es geht auch um das ende eines lebensabschnittes, jetzt kommen andere themen, andere inhalte und sie kommen ohne die beiden. es macht mich beim schreiben irre, dass ich das nicht besser in worte fassen kann. 

mir fällt gerade ein, dass es ein ähnliches motiv manchmal in märchen gibt – der mensch, der eine zeitlang von guten mächten beschützt und begleitet wird, um mit ihnen und durch sie zu lernen allein in der welt zurecht zu kommen. und die auch verschwinden, von jetzt auf gleich, weils kein probeleben gibt sondern eben immer den sprung ins kalte wasser. beide haben mir für diesen sprung viel mitgegeben, besonders einer, wofür ich ihm mein leben lang dankbar sein werde. 

sie haben mein leben verlassen und ich schwimme jetzt los. 

.

vi sejler ikke, fordi der er et hav.
men fordi der er en havn. 
vi leder ikke først efter fjerne mål. 
vi søger først beskyttelse. 

ich hoffe, du hast ihn gefunden und kannst endlich heimkommen und in frieden ruhen. 

danke für alles.

herr a. 

der vater mit abgelehntem asylantrag aber geduldet, die letzten 2 jahre im gefängnis, ein 6 jähriges kind das ihn noch nie gesehen hat. und jetzt möchte er kontakt und er möchte seine tochter wieder zu sich holen. seine familie hier in deutschland wie in seinem heimatland weiss nichts von dem kind, wüssten sie etwas würden sie ihm die hölle heiss machen wieso er zugelassen hat, dass das kind erst bei der mutter und anschliessend in einer pflegefamilie untergebracht wurde. 

der mann steht unter druck, man merkt es ihm sofort an. er ist freundlich, sehr höflich, er hört angestrengt zu, fragt einzelne wörter nach, seine hände sind ineinander verknotet und es dauert eine zeit bis ich begreife, dass er angst hat. als ich ihn darauf anspreche, schiessen ihm die tränen in die augen, er erzählt von seinen schlechten erfahrungen mit der bürokratie, den paragraphen, dem jugendamt. ich fühle sehr mit ihm – das ist alles ein riesen mist und schwer zu verstehen wie so institutionen ticken, das geht ja mir schon so und ich sass nicht im knast und kann die sprache sprechen.

ich beschliesse völlig ehrlich die karten auf den tisch zu legen, erkläre ihm, dass es nie zu einer rückführung kommen wird, dass ich ein erstes treffen mit seiner tochter gerne planen werde, aber wirklich nicht sagen kann wie es danach weiter geht. er ist so gefangen in seinen erfahrungen mit behördlichen dinge, dass er ständig paragraphen hören will von mir und wie die anwaltlichen chancen sind. ich arbeite so nicht, ich hasse gerichte, ich vermeide jeden kontakt mit anwälten in meiner arbeit, also kann ich ihm damit nicht dienen und versuche immer wieder die welt seiner tochter zu erklären, warum sie dort wo sie ist zu hause ist, dass mich die erwachsenen bedürfnisse nur soweit interessieren wie sie zum wohl des kindes sind. 

ich merke wie er ungehalten wird, ich verstehe seinen druck, der aus seiner familiengeschichte und seiner herkunft, seinen werten und normen entspringt und in diesem kleinen beratungszimmer in einem oberbayerischen jugendamt ist es plötzlich mit den händen greifbar, wie schwierig integration ist, wie schwierig die balance zwischen deutschen regeln und einer kulturellen prägung die ihn als mann und vater ausmachen. wie starr es hier in diesem land manchmal sein kann wenn es um menschliche bedürfnisse geht. dass sie so oft keinen platz finden zwischen den paragraphen und vorschriften, wie sehr sie das gegenüber entpersonalisieren. das was plötzlich greifbar wird zwischen uns beiden, ist alles soviel mehr als „ja hätte er sich mal benommen und hätte sich um sein kind gekümmert!“ und „selbst schuld!“ und „scheiss aus.länder!“ – es übersteigt für einen moment völlig meinen eigenen horizont, mein ganzes denken, weil der unterschied und die abhängigkeiten und die ohnmacht die daraus resultiert, so heftig und unüberwindbar zwischen uns steht. 

ich schaue ihn bedauernd an, zimmer ihm einen fahrplan zurecht, etwas woran er sich halten kann, was ihm eine art augenhöhe verschafft, weil es ihm ein „tun“ ermöglicht, ein raus aus der ohnmacht. und habe dennoch den eindruck, dass er nur eins mitnimmt: ich krieg mein kind nicht und meine familie reisst mir deswegen den kopf ab.

und mit einem mal wird mir auch bewusst, was für eine arbeit integration ist. was es von beiden seiten abverlangt, wie entsetzlich langsam sie sein kann und wie ermüdend für alle beteiligten. und wieviel leichter es wäre manchmal einfach aufzugeben. 

ein kind kommt. 

am 11.1. 2017 wird ein kind auf die welt kommen. es gibt keine hebamme, keine eingekaufte kleidung, kein eingerichtetes zimmer, keinen kinderwagen, keinen namen, nichts. in der mutter des kindes ist grosse ratlosigkeit und es gibt wirklich keine vorstellung davon was das kind braucht, verändert, bedeutet. die mutter ist über 18, daher gibt es keine stelle die sich darum kümmert. ab geburt kümmert sich dann das jugendamt sprich ich werde das kind ab geburt aller voraussicht nach noch im krankenhaus in obhutnehmen. es wird zu pflegeeltern kommen, die selbst kinderlos sind. der säugling wird alle bindungsrelevanten schritte mit den pflegeeltern durchlaufen weil die junge mutter weiterhin keine ansätze von verhaltensänderung machen wird. wie auch, sie ist sozial gesehen ungefähr 14, woher also die reife nehmen wenn nicht stehlen. es wird umgänge geben, die nur deswegen stattfinden weil ich die junge mutter seit jahren kenne, ich ein bisschen einfluss nehmen kann und ich sie über meinen job hinaus ins auto verfrachte und den umgang begleiten werde. irgendwann wird sie mir wegbrechen, entweder weil sie einen neuen freund hat oder wegzieht oder abrutscht. die pflegeeltern derweil werden sich immer stärker ans kind binden und dieses an sie, mit glück schaffe ich es durch hunderte von gesprächen die tür zur leiblichen mutter offen zu halten, damit sie wenigstens die chance behält, als besuchsmutter im leben ihres kindes zu bleiben. nach 2 jahren pflege, in denen die bindungsrelevante zeit nahezu abgeschlossen ist, die mutter sich nicht gross verändert hat, ist dann auch das recht auf seiten der pflegeeltern und eine rückführung weder rechtlich noch pädagogisch noch psychologisch gerechtfertigt. wenn es nicht schon bis dahin passiert ist, ist das oft der zeitpunkt an dem die mutter erneut schwanger wird. das erste kind wird langsam ausgeblendet, die umgänge weniger, oft ganz eingestellt. die pflegeeltern sind mama und papa für das kind, jahre später wird über eine namensänderung nachgedacht werden. das kind wird wurzeln schlagen in einer familie, die nicht die seine ist und obwohl das gut und rettend fürs kind ist, wird es das sein leben lang spüren. die lücke in ihm, die seine mutter hinterlassen hat, wird bleiben und kann nicht gefüllt werden. mit glück verheilen.

vielleicht hatte bukowski ja pflegekinder im kopf als er schrieb

„there is a place in the heart that will never be filled.“

dicht an dicht.

obwohl das die entspannteste vorweihnachtszeit seit 100 jahren für mich ist, ist sie dennoch derart dicht im moment. neben meiner arbeit her die, obwohl viel zu tun ist, mich gerade extrem langweilt (vielleicht bin ich durch die ganzen krisen mittlerweile so abgestumpft, dass es schon wirkliche ausnahmesituationen geben muss, um mehr als nur mit den augen zu rollen und gelangweilt die krisenintervention anzugehen. ist ja auch irgendwann viel wiederholung….) habe ich mit m. zusammen einen mediationsauftrag an einer volksschule in österreich. m. macht das ja nebenberuflich und kam vor 4 wochen mit der anfrage um die ecke, ob ich nicht lust habe mitzumachen – es bot sich an, weil ich vor vielen jahren selbst eine mediatorenausbildung gemacht habe und ich immer lust auf arbeit mit gruppen habe. ich finde es persönlich recht herausfordernd, weil ich in meiner jugendamtsarbeit und auch in meiner systemisch-therapeutischen arbeit ja immer eher im einzelgespräch, allenfalls mal im kleinstgruppengespräch bin. ein gesamtes lehrerkollegium vor sich zu haben ist da nochmal ein ganz anderer schnack und ein schöner schritt raus aus meiner beruflichen komfortzone. da ist es sehr hilfreich, dass m. sehr grosse berufliche erfahrung u.a. mit gruppen hat und ich mich im prozess ganz wunderbar entspannen kann weil er da ist und immer wieder die zügel in der hand hat und (nach)steuert. spannend auch zu sehen, wie gut wir uns beruflich ergänzen, wie leicht wir unsere rollen finden vor dieser gruppe – sie bilden auch ab, dass wir aus unterschiedlichen arbeitsfeldern kommen und ich lerne gerade viel neues. 

dann der übliche schulstress vor weihnachten, aus dem ich begonnen habe innerlich auszusteigen. betrachtet man schulsystem von aussen, kann man gut erkennen wieviele stressfaktoren, die im grunde nicht meine sind, mit in die familie getragen werden. dem externen leistungsdruck verwehre ich mich immer mehr – keines unserer kinder muss die supernoten heimbringen. durchschnitt und durchkommen reicht mir völlig. ich habe wunderbare, kluge kinder, das bildet sich nicht in noten und leistung ab. kann schon, aber für mich muss das nicht sein. ich muss nur auf mein eigenes leben und meine schulzeit blicken…..

insofern: alles ist sehr gut gerade.