sind wir nicht alle ein bisschen extremistisch?

extremismus ist vorallem der ausdruck nicht befriedigter grundbedürfnisse wie anerkennung, zuwendung, identität oder lebensperspektive und sinnhaftigkeit. das sagte sinngemäß die leitung einer beratungsstelle extremismus.

diese erkenntnis lässt sich weit ab von dschihadismus oder rechtsradikalität auf alle formen von erbittertem streit um und seltsam starrer beschäftigung mit lebensmodellen übertragen. beobachte ich zb die wenig flexiblen argumentationen und diskussionen rund um feminismus, gender, mutter/vaterrolle, dann kommt mir diese erkenntnis (abseits von tatsächlich notwendiger poltischer und sozialer arbeit an den themen)  als sehr erhellend vor und ich kann manches eigene innere aufwallen von „himmelherrgott! das ist eine diskussion und keine feindbildmanifestation!“ – gefühlen zur seite schieben.

die anerkennung eventueller persönlicher, unbefriedigter bedürfnislagen könnte den dialog egal über welches thema friedlicher gestalten und den fokus wieder auf den oft notwendigen und wichtigen inhaltlichen diskurs legen. es würde unter umständen auch dieses „allianzieren“ innerhalb der einzelnen gruppierungen unterbinden, gegen deren front man nicht mehr ankommt in diskussionen. ich gewinne bei vielen diskussionen in den kommentarspalten mittlerweile den eindruck, dass es zum einen um „bist du nicht für mich bist du gehen mich“ geht, mit einem anscheinend interesse am offenen dialog, der aber tatsächlich nicht gewünscht ist. und zum anderen, dass es gerade bei der bestätigung durch die allianzen um eben diese og. bedürfnisbefriedigung geht und nicht um eine tatsächliche inhaltliche auseinandersetzung.

und noch was ist mir aufgefallen: ich habe in den vergangenen zwei tagen im zuge der tagung „extremismus“ oft von der gesprächskultur extremistischer vereinigungen gehört und vieles erinnerte mich an die diskussionskultur im netz – ohne einer extremistischen gruppierung anzugehören, unterscheidet sich zb. die kultur des diskurses zwischen müttern, frauen, vätern und müttern etc. kaum von der einer extremistischen gruppierung und ihrer diskurssprache. hüben wie drüben werden feindbilder geschürt, fakten ausser acht gelassen oder vollkommen neu geschaffen und andersdenkende ausgeschlossen oder offen angefeindet. im umgang mit jugendlichen, die im begriff sind sich einer extremistischen vereinigung anzuschliessen oder dies bereits getan haben, wird genauso daran gearbeitet wie ich oben beschrieb: es findet eine bedürfniserkundung statt, eine auseinandersetzung mit dem was fehlt und warum man es unbedingt auf diese art kompensieren will. ich glaube, dass der wunsch nach gruppenzugehörigkeit und gruppenidentität in den einzelnen filterblasen genauso hoch ist wie bei vielen der menschen, die sich extremistischen gruppierungen und ihren „vorläufern“ wie zb der afd oder in österreich der fpö anschliessen. es ist nur anders kaschiert, weil man zb. einer stillenden mutter, die sich über nicht-stillende mütter echauffiert und sich dazu in gruppe zusammenfindet, nun mal keinen extremismus vorwirft – die still-mafia ist noch nicht indiziert 😉 aber der wunsch nach identität durch gruppenzugehörigkeit und vorallem auch der wunsch sich abgrenzen zu wollen, ist derselbe. an dem ist ja auch nichts schlechtes – ton, haltung und ausdruck ist aber genauso vergiftend ist wie der des extremismus.

ich komme da noch nicht weiter, das liegt alles noch sehr brach in mir – ich habe in den letzten zwei tagen so viele eindrücke und gedanken gesammelt. aber irgendwie wurde ich den eindruck nicht los, dass sich vieles überschneidet in der art wie ein thema betrachtet und verargumentiert wird. und nur weil die konsequenzen darauf andere sind, macht es das nicht besser.

 

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