use them. 

mein büro liegt direkt neben einem besprechungsraum und dank oder leider wegen (je nachdem) sehr dünner wände bekomme ich viele gespräch indirekt mit. oft kann ich die lauten, vom weinen oder der wut verzerrten stimmen von müttern hören, die mit vielen verzweifelten argumenten darum streiten ihre kinder behalten zu können oder sie wieder zu bekommen. 

mir liegen bei diesem thema immer gleich mehrere brocken im magen. zum einen halte ich , selbst mutter, eine inobhutnahme für einen systemisch gesehen sehr gewaltvollen akt – natürlich wohlwissend um die notwendigkeit in den allermeisten fällen. dann habe ich jahrelang den erklärungsversuchen der mütter gelauscht, die oft hanebüchenen unsinn erzählen um ihr versagen zu erklären. die wahrheit tut in den meisten fällen zu weh, ich verstehe den umgang der mütter damit sehr gut. und dann gibt es noch den punkt, dass ich oft innerlich verzweifel und denke mensch hättste dich mal früher so für dein kind eingesetzt….und dann höre ich gesprächsfetzen wie heute und denke mir: am ende kämpfen sie alle – sie kämpfen mit dem was ihnen in nahezu 100% der fälle als kind selbst angetan worden ist an verwahrlosung, lieblosigkeit, gewalt oder desinteresse. mit ihrem versagen, dem verlust ihrer mutterrolle, dem gesellschaftlichen bild der versagenden mutter (und das geht gerade in deutschland rasend schnell, mit diesen völlig überzogenen ansprüchen an mutterschaft), sie kämpfen. ständig. 

und vielleicht kann das der boden sein auf dem sich jugendhilfe in solchen fällen bewegt: die anerkennung dieser kämpfe. egal mit welchen sinnigen oder unsinnigen argumenten argumentiert wird, egal ob das alles wahr ist oder nicht, egal ob das fremdbild und das selbstbild meilen auseinander klaffen. allen ist eines gemein – sie kämpfen. ihnen an der stelle entgegen zu kommen, das wahrzunehmen und das als wahrheit zuzulassen auch wenn es ausserhalb unserer wahrheit scheint, ich glaube das macht eine begegnung und gemeinsame arbeit im system jugendamt überhaupt erst möglich. die besinnung auf das recht der würde, die bleibt (bleiben muss!), egal was getan wurde. und das bedeutet nicht, dass ich meine eigenen gefühle in bezug auf den fall ignoriere oder gar verleugne. denn meine ambivalenz, die ich im umgang mit diesen frauen ja durchaus heftig spüre, darf ihren ausdruck finden als zeichen meiner authentizität. ich glaube sogar, dass sie würde erst möglich macht. denn authentizität bedeutet für mein gegenüber transparenz und verlässlichkeit in meinen reaktionen. ich bleibe einschätzbar und bin damit weniger mächtig, sonder ebenso angreifbar wie mein gegenüber. das lässt uns beide auf augenhöhe bleiben. 

und am ende -&

 

 

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4 Gedanken zu “use them. 

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