das gute im leben am 6.10.2016

das gute im leben war gestern schwer zu finden. fortbildungshöllehöllehölle und anschliessender körperlicher breakdown – alles gerade zuviel. 

eins aber war dann am ende dieses tages gut, etwas was jeden scheisselkramtag zum guten wenden kann: milchreis. 

ich könnte mich in milchkreis legen. ich liebe diese schlonzige konsistenz, die süssigkeit, die wabbeligen körnchen im mund die im besten falle innen noch hauchzart knackig sind, die sämigkeit der milch. am liebsten esse ich ihn pur, vielleicht noch mit etwas kompott.

milchreis ist die frühste erinnerung an meinen vater. der war meine gesamte kindheit hindurch fast jedes wochenende in den bergen unterwegs. freitags  nach der praxis stieg er in den keller, holte seile und steigeisen, diesen riesigen blauen rucksack in den ich als kind tief hineinkroch weil er so nach weiter welt und papa roch, packte, verabschiedete sich und zog bis sonntag abend von dannen. eine der frühesten inneren sätze an die ich mich erinnere war der satz „du kannst wegfahren und ich muss bleiben.“ – der unendlich sehnsüchtige wunsch der kleinen auch ziehen zu dürfen. 

wenn mein vater am sonntag abend dann kam, gab es immer griesbrei (die andere süssigkeit in meinem leben die immer hilft) oder aber mein vater stellte sich an den herd und machte einem topf mit milchreis. er hatte eine besondere art ihn zuzubereiten, von seiner mutter gelernt, die im krieg damit versucht hatte die kinder zu päppeln. er schnitt ein grosses stück butter in die milch und erst wenn dieses butterstück geschmolzen war, kam der reis dazu. und – zitronenschalen. das ergab einen einzigartigen buttrigen zitronengeschmack, der milchreis für mich erst zum milchreis macht. hinterher neben ihm zu sitzen, er sonnenverbrannt mit kratzigem dreitage-bart, von seiner tour erzählend, ich oft schon im schlafanzug mit meinem schlaftier im arm – das war mein grösstes glück und war tiefe zufriedenheit. 

bis heute mache ich den milchreis so, auch meine kinder kennen das rezept bereits. es sind diese kleinen dinge im leben eines kindes, wie winzige nabelschnüre, die die verbindung halten, die mich auch mit 41 noch klein werden lassen, gut klein, warm und weich und mich geborgen fühlen lassen.

und der tag ist vergessen und alles gut. 

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3 Gedanken zu “das gute im leben am 6.10.2016

  1. Ach, Du. Kann ich was für Dich tun?

    Außer das mit dem Milchreis. Den würdest Du nie bei mir bekommen. Anders als Du, ist eine meiner Kindheitserinnerungen mit Milchreis gruselig. Ich hasse schon den Geruch. Mich ekelt alles Süße an, das (für mich) salzig/herzhaft sein müsste. Also Nudeln, Reis, Kartoffeln.

    Meine Mutter und mein Bruder lieben Milchreis und so gab es ihn, genau wie bei Euch, des öfteren mal. Ich habe an diesen Tagen meine Zimmertür mit Klebeband zugeklebt und mich unter meiner Bettdecke verkrochen. Bei offenem Fenster 😀

    Mein absolutes Dilemma erlebte ich beim Schüleraustausch in Dänemark. Vorweihnachtszeit. Und zur Begrüßung in meiner Gastfamilie gab es? Genau: Milchreis. Traditionell mit warmer Butter. Ich hätte den Gasteltern zur Begrüßung fast auf den Tisch gekotzt. Scheinbar lieben die Dänen Milchreis in der Weihnachtszeit. Nun gut. Ich nicht. Sie haben es verstanden und ich bekam ein Brot. Der Geruch hat mich fast ständig würgen lassen – aber ich wollte ja nicht unhöflich sein…

    Bei Grießbrei hingegen bin ich ja ganz bei Dir! Seelenfutter deluxe auch für mich. Grießbrei richtet fast alles, oder rückt es eben wieder an den richtigen Platz.

    Gefällt 1 Person

    • ich hab jetzt wochenende – jetzt ist alles wieder ok :)) (arbeit war stress hoch drei.)

      das ist ja spannend was du erzählst – ich denk gerade, dass mein vater dieses butterding vielleicht aus dänemark hat! er kam ja aus flensburg und hat länger in dänemark gelebt….

      dann steht fest – beim nächsten treffen gibts griesbrei für uns beide 😘

      Gefällt 2 Personen

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