das gute im leben am 26.9.2016

mein leben lang war ich als sozialpädagogische frontsau unterwegs. bis hinein in die familien, teilweise als begleitung über mehrere jahre, schlägt mein herz fürs ghetto, die lauten und verschwurbelten, die schreienden und schlagenden. vor ein paar jahren wurde es mir zuviel – da verliess ich die front, hatte personal und budgetverantwortung, schlug mich mit konzeptionen und einem etat rum (ja, sehr lustig dieser teil der arbeit wenn man dyskalkulie hat.) und lauschte dennoch neidisch den teamgesprächen von der front. und entschied mich wieder um, wechselte den arbeitgeber und bin jetzt seit 3 jahren im jugendamt wieder an der front. und fange schon wieder das liebäugeln mit der führung an. es ist wie der geliebte von dem ich nicht lassen kann obwohl ich weiss, dass er mir nicht gut tut und ich nicht bekomme was ich brauche. aber es lässt mich nicht los – also habe ich bei der anfrage für eine projektleitung hier geschrieen und führe jetzt eine klassische ehe mit der frontarbeit und eine affäre mit der führung. und es ist so wunderbar! all das planen und organisieren, das gestalten können, das ausprobieren in einem so tollen und neuartigen projekt – das macht mich sehr glücklich grad und gehört definitiv zum guten.  demnächst mehr worte zum projekt, sobald vertrag unter dach und fach.

gestern hatte ich kurzfristig mal ein extrem-durchhängerchen. ich bin ein schneller mensch, ich jongliere gerne mit vielen bällen, aber gestern war – als folge zu umfangreicher jonglage über einen zu langen zeitpunkt hinweg – der ofen aus. wie ein zusammengeschnurzelter ballon lag ich danieder, kein land in sicht. ich hab mit schwerem herzen termine gecancelt, ua. ein freundinnentreffen für heute. so etwas fällt mir sehr schwer, weil ich verabredungen einhalten mag, ich bin ein verlässlicher mensch und bekomme schnell ein schlechtes gewissen. aber – und das ist sogar sehr gut – ich lerne genauso auf meine kräfte zu schauen und dies auch zu kommunizieren. statt also ausreden zu erfinden, sagte ich „es ist mir zuviel. es tut mir leid.“ kein rechtfertigungsdruck, kein geschwurbel, nur klarheit. schon das war gut. aber dann die nachricht der freundin, dass sie dann halt zu mir fährt, einfach weil sie mich sehen will. doppelt gut. es sind die erfahrungen die man macht, die nach und nach alte gewohnheiten überschreiben. man braucht geduld, aber es funktioniert.

„sie sind einer der wachsten menschen die ich kenne. ihre haltung gegenüber menschen ist sehr bereichernd für alle – wir arbeiten so gerne mit ihnen zusammen.“

kind II kommt von der nachhilfe und sagt „könnte sein, dass ich mathe doch noch toll finde.“ remember? das dyskalkulie kind? unfassbar. und wiedermal ein hoch auf die auslagerung mancher schulanaglegenheiten…..

Doch Minderheit sein heißt nicht per se Opfer sein. Wenn wir ständig mit dem Aufspüren von Diskriminierung beschäftigt sind, besteht die Gefahr, dass uns der Blick auf das verloren geht, was wir selbst sind und was wir besitzen, der Blick auf unsere Stärke und unseren Reichtum. Wenn wir unsere generelle Benachteiligung glaubhaft vermitteln wollen, müssen wir uns nämlich hüten, über die positiven Seiten unserer Situation zu sprechen. Und so kommen im öffentlichen Diskurs unsere Stärken und unser Glück nicht vor, wie in der Predigt der am Anfang dieses Artikels zitierten Pfarrerin.

ein sehr guter artikel zum thema „stark sein in der differenz, statt diskriminierung anzuprangern“ von bez.-weiterdenken. 

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5 Gedanken zu “das gute im leben am 26.9.2016

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