an tagen wie diesem. 

manchmal hasse ich meine arbeit. nach einem tag wie heute zweifel ich, ob es überhaupt wirklich möglich ist den spagat zwischen leiblichen eltern, kind und pflegeeltern hinzukriegen. das kind zu erleben in seinem loyalitätskonflikt zwischen allen seiten zerrieben zu werden, die durchaus berechtigten und erarbeiteten ansprüche der leiblichen eltern zu erkennen, mehr noch – anzuerkennen und gleichzeitig die gewachsene, starke bindung des kindes zu seinen pflegeeltern und deren bindung zum pflegekind zu spüren. allein der blick aufs kindeswohl reicht oft nicht, denn es gibt elternrechte und mit der veränderung des kinder und jugendhilferechts ab 2017 auch rechte für pflegeeltern. es ist eine augenwischerei anzunehmen, man müsse nur aufs kind schauen und dessen rechte und dann hätte man die lösung. 

bindung ist eine verdammt schwere und heikle angelegenheit – das kind hat das recht auf bindung. sowohl zu den leiblichen eltern, (fast) egal was dort verbrochen wurde als auch zu den oft gesünderen pflegeeltern-bindungen. ich kann nicht kappen, weder zur einen noch zur anderen seite. würde ich das tun, würde ich jeweils einen bindungsabbruch provizieren. es ist eine verdammte gratwanderung zwischen kindeswohl, elternwohl und pflegeelternwohl. 

an tagen wie diesem sind es oft die leiblichen eltern, die auf einmal loslassen. oft sind sie es, die bei aller erzieherischer schieflage dennoch den guten blick auf ihr eigenes kind haben, ihr eigenes wohl hintenan stellen und sich aus der triade verabschieden. das ist es, was es zu würdigen gilt. diese fähigkeit, diesen herzschmerz den ich als begleitende fachkraft immer mittragen muss auch wenn ich es selbst ganz anders will.

es macht mich unsäglich wütend, wenn ich fälle bekomme, in denen im nachhinein so sichtbar wird, dass schon viel früher auf kompromiss und annäherung aller beteiligten hätte wert gelegt werden müssen, und dennoch ignoriert wurde.

das ergebnis sind gebrochene eltern. die geschlagen, die vernachlässigt und alleingelassen haben. die aber meiner haltung nach immer. immer. immer weiter miteinbezogen werden müssen. das kindeswohl mag akut gefährdet gewesen sein – aber menschen können sich ändern und zu erleben, dass diese leistung nicht mehr gewürdigt werden kann weil zuviel schiefgelaufen ist, das bricht mir das herz. und hinterlässt ein weiteres entwurzeltes kind. 

an tagen wie diesem. 

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7 Gedanken zu “an tagen wie diesem. 

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