das gute im leben am 29.9.2016

ein treffen mit allen jugendhilfeträgern des landkreises. es werden bedarfe gesammelt um zu schauen, was als projekt oder gruppenarbeit umgesetzt werden kann. grosses thema nun auch hier auf der insel der glückseeligen: cybermobbing. hier unten ist man auf das thema so vorbereitet, dass 2/3 der anwesenden es noch nicht mal bemerkt, dass der vertreter des trägers der den bedarf benennt, ständig „keiber-mobbing“ sagt….nur damit klar wird, welche relevanz das thema bisher hatte und welche hilflosigkeit auch oft bei fachkräften herrscht was das thema angeht. und dennoch – tapfer stürzen sich insbeondere die älteren unter den sozialarbeitern in das thema, fragen nach und wollen trotz grösster innerer widerstände („fria san mir oafach aufn berg auffi und hom ned rumgsandelt vor am pc!“) dazu beitragen den betroffenen jugendlichen zu helfen. ich erkenne die widerstände, ich verstehe sie sogar zum teil. und ich bin begeistert wie dennoch versucht wird sie zu überwinden. die methoden müssen noch diskutiert werden – lebensrealitäten wahr- und anzunehmen ist in meinen augen grundvoraussetzung für arbeit mit menschen – aber es ist ein guter anfang und er ist gemacht.

das sehnen nach gemeinsamer zeit ist dieser tage irgendwie besonders schwer. ich weiss gar nicht genau woran das liegt, wir haben diesen fernbeziehungsstatus ja von beginn an. wobei ich immer lachen muss beim begriff fernbeziehung –  30 minuten fahrtzeit ins nachbarland ist nun nicht viel. aber aus organisatorischen gründen, 2 elternpaare und 5 kinder mit allen terminen und bedürfnissen unter einen hut zu kriegen, kommt es einem vor als lägen hunderte km zwischen uns. ich habe lange gebraucht mich daran zu gewöhnen und mittlerweile klappt es ganz gut – den eigenen alltag wirklich präsent und mit voller konzentration zu leben um dann alle zwei wochen, und mit glück mal zwischendrin, kleine auszeitinseln miteinander zu haben, hat seinen reiz. hin und wieder allerdings, so wie diese woche, habe ich ein durchhängerchen. es wäre aber nicht das gute im leben, wenn es nicht auch genau diese zeiten wären, in denen ich so sehr mein  beziehungsglück und meine vorfreude auf unsere gemeinsame zeit spüren kann. also scheint manches hängerchen im leben letztendlich auch für was gut zu sein. und so freue ich mich sehr auf das kommende wochenende und das wirklich sehr sehr gute in meinem leben. 

am nachmittag ein spaziergang mit kind II, das völlig fertig mit den nerven ist seit es auf dem gymnasium ist. von 100 schülern an der dorfgrundschule auf 700 an der neuen schule, busfahren statt gemütlich einmal morgens durchs dorf laufen und das statt einer handvoll fächer plötzlich gefühlte 170 hat. es ist eine grosse herausforderung für mich, das kind, das so gänzlich anders tickt als ich, durch diese zeit zu lotsen. ich muss mich von internalisiertem leistungsscheiss verabschieden, von floskeln wie „jaja und jetzt aber mal hopphopp so ist das jetzt!“, vom eigenen umgang mit neuen situationen distanzieren und die perspektive wechseln. im grunde ganz einfach: ich muss es nur anders machen als ich es selbst als kind erlebt habe. haha. am ende des spaziergangs war sie endlich da – seine wut, seine trauer, seine verzweiflung und nach einer grossen runde heulen und in den arm nehmen und empowerment bin ich wieder einen level weiter in diesem elternding und er durfte mal locker lassen und nachspüren, was er da eigentlich gerade stemmt und wie sehr ich ihn für seine tapferkeit und seinen unendlichen mut (denn ja, es ist soviel mut den er gerade aufbringen muss unser hütehund) bewundere und liebe. das war mehr als gut.

das gute im leben am 27.9.2016

mittags freundin zum kaffee am see getroffen. ich bin jedesmal geflasht in was für einer umgebung ich lebe….statt den mittag in der nicht vorhandenen kantine zu verbringen hüpfe ich an und im sommer manchmal auch in den see und bin in null komma nix auf entspannung. 


ich habe die letzten jahre immer wieder damit geliebäugelt, dass ich wegziehen werde sobald die kinder aus dem gröbsten raus sind und ihre eigenen wege gehen. am liebsten richtung stadt, weg aus dem süden auch wenn ich seit babyjahren dort bin und auch genau das bin: ein kind des südens mit norddeutschen wurzeln. aus dieser ambivalenten nummer bin ich mein leben lang nicht rausgekommen. bin ich oben vermisse ich die berge und seen bin ich unten vermisse ich meer und wind. ähnlich wie mein vater, der als flensburger an die berge zog um in ihnen alles zu erkraxeln und dennoch sein leben lang besonders unter der mentalität des süden litt, hab auch ich beide seiten tief in mir verwurzelt. und mich clevererweise durch partnerschaften hier im süden und später durch die kinder dauerhaft selbst verbunden mit dem leben an den bergen. das ist sehr oft sehr ok. wenn ich an den wochenenden mit m. irgendwo wandern gehe oder an seen liege, wenn ich mit den kindern mal auf almen bin oder ich alleine am see hier sitze – dann atmet meine seele auf und nichts, nicht mal meer, beruhigt mich aufgescheuchtes huhn schneller als die berge und ihre natur. ich bin gespannt wo es mich hinträgt – offen bin ich allemal, ich vermute schwer den rest erledigt das leben und die liebe. 

und nach einem randvollen tag am abend leber berliner art, ein glas wein, lachgummis und drei folgen good wife – unbezahlbar. 

das gute im leben am 26.9.2016

mein leben lang war ich als sozialpädagogische frontsau unterwegs. bis hinein in die familien, teilweise als begleitung über mehrere jahre, schlägt mein herz fürs ghetto, die lauten und verschwurbelten, die schreienden und schlagenden. vor ein paar jahren wurde es mir zuviel – da verliess ich die front, hatte personal und budgetverantwortung, schlug mich mit konzeptionen und einem etat rum (ja, sehr lustig dieser teil der arbeit wenn man dyskalkulie hat.) und lauschte dennoch neidisch den teamgesprächen von der front. und entschied mich wieder um, wechselte den arbeitgeber und bin jetzt seit 3 jahren im jugendamt wieder an der front. und fange schon wieder das liebäugeln mit der führung an. es ist wie der geliebte von dem ich nicht lassen kann obwohl ich weiss, dass er mir nicht gut tut und ich nicht bekomme was ich brauche. aber es lässt mich nicht los – also habe ich bei der anfrage für eine projektleitung hier geschrieen und führe jetzt eine klassische ehe mit der frontarbeit und eine affäre mit der führung. und es ist so wunderbar! all das planen und organisieren, das gestalten können, das ausprobieren in einem so tollen und neuartigen projekt – das macht mich sehr glücklich grad und gehört definitiv zum guten.  demnächst mehr worte zum projekt, sobald vertrag unter dach und fach.

gestern hatte ich kurzfristig mal ein extrem-durchhängerchen. ich bin ein schneller mensch, ich jongliere gerne mit vielen bällen, aber gestern war – als folge zu umfangreicher jonglage über einen zu langen zeitpunkt hinweg – der ofen aus. wie ein zusammengeschnurzelter ballon lag ich danieder, kein land in sicht. ich hab mit schwerem herzen termine gecancelt, ua. ein freundinnentreffen für heute. so etwas fällt mir sehr schwer, weil ich verabredungen einhalten mag, ich bin ein verlässlicher mensch und bekomme schnell ein schlechtes gewissen. aber – und das ist sogar sehr gut – ich lerne genauso auf meine kräfte zu schauen und dies auch zu kommunizieren. statt also ausreden zu erfinden, sagte ich „es ist mir zuviel. es tut mir leid.“ kein rechtfertigungsdruck, kein geschwurbel, nur klarheit. schon das war gut. aber dann die nachricht der freundin, dass sie dann halt zu mir fährt, einfach weil sie mich sehen will. doppelt gut. es sind die erfahrungen die man macht, die nach und nach alte gewohnheiten überschreiben. man braucht geduld, aber es funktioniert.

„sie sind einer der wachsten menschen die ich kenne. ihre haltung gegenüber menschen ist sehr bereichernd für alle – wir arbeiten so gerne mit ihnen zusammen.“

kind II kommt von der nachhilfe und sagt „könnte sein, dass ich mathe doch noch toll finde.“ remember? das dyskalkulie kind? unfassbar. und wiedermal ein hoch auf die auslagerung mancher schulanaglegenheiten…..

Doch Minderheit sein heißt nicht per se Opfer sein. Wenn wir ständig mit dem Aufspüren von Diskriminierung beschäftigt sind, besteht die Gefahr, dass uns der Blick auf das verloren geht, was wir selbst sind und was wir besitzen, der Blick auf unsere Stärke und unseren Reichtum. Wenn wir unsere generelle Benachteiligung glaubhaft vermitteln wollen, müssen wir uns nämlich hüten, über die positiven Seiten unserer Situation zu sprechen. Und so kommen im öffentlichen Diskurs unsere Stärken und unser Glück nicht vor, wie in der Predigt der am Anfang dieses Artikels zitierten Pfarrerin.

ein sehr guter artikel zum thema „stark sein in der differenz, statt diskriminierung anzuprangern“ von bez.-weiterdenken. 

das gute im leben am wochenende 23.-25.9.

am freitag fahre ich mit einer freundin freunde besuchen, die in der nähe urlaub machen. das ist ein wunderbares, sehr lustiges treffen. überhaupt – menschen im leben zu haben die in vielem anders sind als man selbst, aber die gerade dadurch so eine bereicherung sind, das ist eine feine sache für die ich dankbar bin. 

kind II ist auf einen geburtstag eingeladen, kind I hat einen freund zu besuch. das ist das tolle an grösser werdenden kindern, sie verselbständigen sich mehr und mehr und es macht spass ihnen dabei zuzusehen. und es macht besonders spass zu merken, was sich dadurch für einen selbst verändert….freiräume! unabhängigkeit! fuck yeah!

the scared is scared of things you like. ein film, in dem die macherin filmisch umsetzt, was ein kind ihr erzählt. es ist manchmal nicht zu glauben, wieviel weisheit in kinderseelen schlummert. und ja – the sacred is scared of things i like. manche, ich, brauchte jahre für diese erkenntnis. 

seit einiger zeit backe ich gerne. das habe ich früher nie getan – das war (völlig bescheuert, ja) für mich immer mit hausfraulicher pflicht verbunden, so ein altes bild in mir „ein mädchen muss kochen und backen können!“ dem ich mich in kinder und jugendjahren erfolgreich widersetzt habe. nun aber weichen soviele innere bilder in mir auf und eben auch dieses. zur freude einiger menschen in meinem umfeld backe ich seitdem mehr oder weniger regelmässig an den wochenenden und weils so schön und einfach und lecker ist in der regel alle rezepte von zuckerzimtundliebe. so auch dieses we, nämlich die sehr feinen zitronenhefeschnecken mit creme-fraiche guss. 

neue hausaufgabenregelung für kind I gefunden. es kann nicht sein, dass ich jedesmal einem herzkasper nahe bin und mir fransen vom mund hängen. also habe ich neu verhandelt, lasse einen teil verantwortung bei mir, einen beim kind und einen bei der schule. es war zumindest ein minutenglück…..obs ein dauerhaft guter moment in meinem leben wird bleibt abzuwarten 🙂 

das gute im leben am 22.9.2016

* ich habe eine nachhilfelehrerin gefunden. kind II leidet (im wahrsten wortsinn) unter dyskalkulie. anders als legasthenie wird diese nicht als teilleistungsschwäche anerkannt. geerbt hat sie das von mir, ich habe mich durchs gymnasium gebracht weil ich den jährlichen mathe 5er im zeugnis immer mit anderen noten kompensieren konnte. nach zahlreichen gesprächen mit allen beteiligten (es macht mich irre btw welche defizitäre lehrerhaltungen einem begegnen….) geht es nun darum, das kind zu unterstützen und die eltern-kind beziehung zu entlasten und zu hoffen, dass dieses punktuelle lernen wenigstens den 4er ermöglicht. was ich immer wieder merke: in krise und unklarheit schlägt meine grosse orgastunde. kind also versorgt, schienen gelegt und jetzt mal sehen wie der zug so drauf fährt.

* ich hab seit neuestem einen schrittzähler. der kollege meinte spontan, was für ein unsinn das sei einer person wie mir jetzt auch noch einen schrittzähler zu verpassen – ich wäre ohnehin ständig in bewegung, aber ich finds klasse und werde natürlich mit jedem tag ehrgeiziger. gestern nachmittag also beim blick auf den zähler noch schnell beschlossen mit dem einen kind eine kleine wanderung zu machen. so werde ich auf meine alten tagen anscheinend noch tatsächlich teilneurotisch wenn die zahl auf dem gerät nicht die ist die ich da haben will…..

* das gespräch mit der kollegin über kinder, haltungen und seminarideen. das damit endet, dass wir mit verblüffung feststellen wie ähnlich wir uns sind obwohl wir sehr unterschiedlich sind. ich bin nie ein grossartiger gruppenmensch gewesen, ich gehe problemlos in solche hinein, ich habe keine scheu und bin sehr offen – aber heimisch werde ich nie in ihnen. ich bewahre mir immer meinen einzelposten in mitten einer herde. mit dieser position habe ich mehr oder weniger meinem frieden gemacht, sie bringt gleichermaßen freiheit und unabhängigkeit wie einsamkeit und einzelkämpfertum hervor. eine ambivalenz in der ich mich bewege, seit ich mich bewege. deshalb sind momente der übereinstimmung ein unglaublicher aha-moment, weil sie mir zeigen, dass ich mit verschiedenen denken und meinungen und haltungen nicht so alleine bin wie ich das manchmal meine zu sein.

* herbstanfang. sehr schön.

das gute im leben am 21.9.

ich liebe seit langem die blogposts von anke gröner, in denen sie vom schönen an einem bestimmten tag erzählt. es geht nicht immer um schallala und trallala, oft sind es sehr differenzierte auseinandersetzungen  mit themen, die ihr an diesem tag begegnet sind. aber es ist der gute blick auf die dinge, ein wahrnehmen und sich nicht verzetteln im ganzen scheiss den man sonst so in seinem leben zu stemmen hat.

ich möchte diese idee gerne abkupfern, klauen und übernehmen weil ich selbst meinen blick noch mehr schärfen will für das gute in meinem leben. zu oft komme ich selbst in die situation, dass mir erst das herz vor wut, ärger oder frust überlaufen muss, bevor ich es niederschreibe. das ist ok, das ist mein ventil und es ist gut. aber es gibt auch die andere seite und die möchte ich ebenfalls, nicht gezwungenermaßen jeden tag, festhalten.

in diesem sinne danke ich anke sehr für ihre idee und die umsetzung und den positiven blick auf dinge. und lasse mich davon mal anstecken.

* abends spazieren gegangen mit m. wenn man sich so selten sieht wie wir, laufen in der zwischenzeit eine menge themen auf, über die man sich unterhalten will oder auch muss. ich mag das sehr, weil wir beide eine schöne art des miteinander redens haben, die ich so nicht kannte bisher. gespräche dieser art empfand ich immer als krampfhaftes verteidigen, rechtfertigen oder überzeugen müssen. hier ist es ein zuhören, reden können, schweigen können. (wie so vieles neu ist und ich das nicht mehr erwartet hätte es nochmal zu erleben…..)

* ich habe in der arbeit einen heftigen fehler gemacht. als wir ihn bemerken, reagiert der zuständige sachbearbeiter mit einer wunderbaren ruhe und gelassenheit. wir finden eine lösung und ich werde mir für immer und ewig merken, bescheide genau zu lesen.

* der sohn ist für 2,5 tage im schullandheim und ich bin fürchterlich stolz, weil unser kleiner hütehund es nämlich hasst wie die pest von seiner herde getrennt zu sein. sein geld, dass andere kinder für süssigkeiten am jugendherbergskiosk ausgeben, investiert er in telefonate nach hause. (1€ die minute. die spinnen doch!)

* neuen schleichweg über die grenze gefunden. ja – sowas macht mich sehr glücklich.

an tagen wie diesem. 

manchmal hasse ich meine arbeit. nach einem tag wie heute zweifel ich, ob es überhaupt wirklich möglich ist den spagat zwischen leiblichen eltern, kind und pflegeeltern hinzukriegen. das kind zu erleben in seinem loyalitätskonflikt zwischen allen seiten zerrieben zu werden, die durchaus berechtigten und erarbeiteten ansprüche der leiblichen eltern zu erkennen, mehr noch – anzuerkennen und gleichzeitig die gewachsene, starke bindung des kindes zu seinen pflegeeltern und deren bindung zum pflegekind zu spüren. allein der blick aufs kindeswohl reicht oft nicht, denn es gibt elternrechte und mit der veränderung des kinder und jugendhilferechts ab 2017 auch rechte für pflegeeltern. es ist eine augenwischerei anzunehmen, man müsse nur aufs kind schauen und dessen rechte und dann hätte man die lösung. 

bindung ist eine verdammt schwere und heikle angelegenheit – das kind hat das recht auf bindung. sowohl zu den leiblichen eltern, (fast) egal was dort verbrochen wurde als auch zu den oft gesünderen pflegeeltern-bindungen. ich kann nicht kappen, weder zur einen noch zur anderen seite. würde ich das tun, würde ich jeweils einen bindungsabbruch provizieren. es ist eine verdammte gratwanderung zwischen kindeswohl, elternwohl und pflegeelternwohl. 

an tagen wie diesem sind es oft die leiblichen eltern, die auf einmal loslassen. oft sind sie es, die bei aller erzieherischer schieflage dennoch den guten blick auf ihr eigenes kind haben, ihr eigenes wohl hintenan stellen und sich aus der triade verabschieden. das ist es, was es zu würdigen gilt. diese fähigkeit, diesen herzschmerz den ich als begleitende fachkraft immer mittragen muss auch wenn ich es selbst ganz anders will.

es macht mich unsäglich wütend, wenn ich fälle bekomme, in denen im nachhinein so sichtbar wird, dass schon viel früher auf kompromiss und annäherung aller beteiligten hätte wert gelegt werden müssen, und dennoch ignoriert wurde.

das ergebnis sind gebrochene eltern. die geschlagen, die vernachlässigt und alleingelassen haben. die aber meiner haltung nach immer. immer. immer weiter miteinbezogen werden müssen. das kindeswohl mag akut gefährdet gewesen sein – aber menschen können sich ändern und zu erleben, dass diese leistung nicht mehr gewürdigt werden kann weil zuviel schiefgelaufen ist, das bricht mir das herz. und hinterlässt ein weiteres entwurzeltes kind. 

an tagen wie diesem. 

hol den vorschlaghammer.

in letzter zeit ertappe ich mich dabei, dass ich denke „nu is aber auch mal wieder gut mit funkstille, du hast dich benommen wie ein arsch aber irgendwie ist so funkstille auch nix also lass uns mal drüber reden wa da passiert ist.“ und dann ist kurz der impuls da dir zu schreiben. 

und dann fällt mir ein, dass das nicht mehr geht. dass du dich tatsächlich unfassbar arschig verhalten hast, dass du gelogen und  betrogen hast und zu lebzeiten keine konsequenz mehr dafür tragen musst weil du stattdessen dein leben lieber gleich beendet hast und dass ich tatsächlich immer noch und nachhaltig verletzt, enttäuscht und wütend bin. 

und dann pack ich dich wieder weg, weil jeder gedanke an den, den ich kannte nicht mehr übereinstimmt mit dem was ich jetzt weiss.

ich möchte fluchen manchmal. immer noch. immer mal wieder. aber auch das wird aufhören. und dann wirst du versinken und nichts von dir wird bleiben ausser das kaputtgemachte, all die trümmer die du an erstaunlich vielen stellen so derart verantwortungslos hinterlassen hast. wie dumm du doch warst. wie dumm. 

ich werd die schlechtesten sprayer dieser stadt engagieren, die sollen nachts noch die trümmer mit parolen beschmieren.

waah!

übermorgen startet die schule wieder und ich finds scheisse. wir hatten sommerferien deluxe am goldenen bande sozusagen – durchzogen von urlaub, erziehungsentspannung, kleinen und feinen tagesausflügen, völliger schlaf und aufwachzeitenunabhängigkeit und ferienprogramm. obwohl wir eltern drei wochen der ferien arbeiten mussten, klappte auch diese zeit ganz wunderbar. man merkt die kinder werden grösser, der radius weiter und wir sind vielleicht auch einfach entspannter was die abgrenzung angeht „ich hab jetzt meine zeit. geh und mach was alleine!“ den urlaub haben wir gemeinsam in italien verbracht – ein getrenntes ehepaar, 14 tage unter einem feriendach und auch im dritten jahr ging es gut, ich meine sogar diesmal war es perfekt. ein wunderbarer flow aus „ich hab heute lust das zu machen, wer will mit? niemand/einer/alle? perfekt!“ und gemeinsamen aktionen, abends zusammen am tisch sitzen und beim essen erzählen. so sehr der mann und ich auf paarebene getrennt sind, so sehr sind wir es auf elternebene nicht. wir können uns aufeinander verlassen, wissen um die schwachstellen des anderen und nehmen rücksicht oder lassen nachsicht walten. er nervt mich an den bekannten stellen, ich ihn mit sicherheit auch aber wir kommentieren es allenfalls mit humor und manchmal etwas tom und jerry mäßigem- geraunze. im grunde wünsche ich jedem ehepaar diese eintracht von uns als getrenntem paar 😉 es ist manchmal zum kopfschütteln, warum es zusammen so schiefging und getrennt so aussergewöhnlich gut. 

nun ist ab dienstag wieder routine angesagt, mit der verschärften bedingung, dass das grosse kind die schule wechselt und in die weiterführende schule 10 km weiter weg geht. wir müssen uns also alle neu einpendeln mit weckzeiten (ich habe nach meinem auszug 2-3x in der woche den weckdienst der kinder übernommen, fahre also früh zu ihnen, wecke sie und mach sie schulfertig.), buszeiten (bisher liefen sie einmal durchs dorf in die schule), schulzeiten und nachmittagsbetreuungszeiten. im moment macht mich das ein bisschen rappelisch – ich habs nicht so mit planungsunsicherheiten in einem system, dass ohnehin sehr planungsintensiv ist. ich bin also aufgeregter als das schulkind, nerve alle mit im moment nicht zu beantwortenden fragen und zappel rum.

das grosse kind meinte in folge dessen heute früh bereits „es wird echt zeit, dass die schule wieder anfängt, du bist nicht zum aushalten mama!“

rollentausch.

aushalten. annehmen. 

und es wird sie immer geben diese momente in denen ich nicht da bin, in denen alle am eigenen leib spüren können, dass es eben eine trennung ist wenn auch eine aussergewöhnlich gute. aber auch die besten umständen schützen mich in diesen momenten nicht vor meinen schuldgefühlen, meinem tanz auf zu vielen hochzeiten, meiner unsicherheit und meinen versagensängsten. und sie schützen auch die kinder nicht vor sorgen, unverständnis und sehnsucht nach dem was mal war. 

manchmal braucht es viel selbstlosigkeit, viel inneren abstand zu sämtlichen verinnerlichten mütterbildern die man so idealisiert und sicher manchmal auch sehnsuchtsvoll in sich trägt, um auszuhalten, dass man selbst einen gefühlt und oft auch tatsächlich komplett anderen weg eingeschlagen hat. 

zu akzeptieren, dass man die rolle hat die man nun mal hat, entstanden aus umständen die sich verändert haben, die man selbst mit verändert hat und für die man auch die verantwortung mitträgt – und dass man eben nicht die mutter ist, die alle anderen zu sein scheinen, sondern die die man eben ist, das fühlt sich an abenden wie diesem wie eine herkulesaufgabe in selbstreflexion und buddhistischer gelassenheit an.