was jetzt wichtig ist.

soviele ereignisse in den letzten 10 tagen haben in mir so etwas wie eine weltmüdigkeit entstehen lassen die gestern abend mit dem amoklauf in münchen sicher ihren höhepunkt finden lassen. blättere ich durch die social media kanäle entdecke ich viel gutes – allein der pressesprecher der münchner polizei ist ein paradebeispiel dafür, der hashtag offene türen ebenso. ich entdecke aber auch sehr viel hilflosigkeit und viel aktionismus der dem schrecken was entgegensetzen will, mit welchen mitteln auch immer. all das ist viel, im grunde zuviel. und so habe ich mir heute früh überlegt was jetzt notwendig wäre – nicht global, nicht politisch oder gesellschaft, sondern auf jeden einzelnen von uns bezogen. 

1. nach der ersten information über eine wie auch immer geartete tat, geräte abschalten. 

hat man von einer krise erfahren und gecheckt ob es evtl. bekannte oder verwandte betrifft, sich einen ersten kurzen überblick verschafft hat kann man sich selbst von allen weiteren nachrichten entkoppeln. mehr verwertbare infos kommen für die nächsten stunden in der regel nicht rein, oft wird ohnehin erst nach tagen klar wer oder was für die krise verantwortlich ist. jede weitere zusätzliche information regt in uns nur einen destruktiven, spekulierenden kreislauf an, den tausende von anderen auch haben und der zusammen eine dynamik ergibt, die zu einem hohen maß zu ohnmacht und völligem ausgeliefertsein führt. insbesondere letzteres ist ein kennzeichen von trauma und ich halte es gar nicht für so abwegig im falle von amokläufen und terroristischen anschlägen davon zu sprechen, dass alleine das erfahren dieser geschehnisse ins uns, obwohl unbeteiligt, mikro-traumen auslöst. deswegen ist punkt 2 so wichtig.

2. wahrnehmen der eigenen gefühlslage.

ein sehr lieber mensch schrieb mir heute früh „man muss wut und trauer und auch diesen dreck einfach mal aushalten“ und damit hat er recht. dieses stehenbleiben in stille, dem nachspüren welcher dreck da gerade schon wieder passiert ist, was das mit mir macht ist ungeheuer wichtig. übergehe ich diesen schritt, manifestiert sich in mir auf dauer jeder anteil dieser ungelebten wut aber besonders trauer zu einer form von depression. nochmal – die allermeisten von uns sind nicht unmittelbar betroffen. aber die nähe zum geschehen durch bilder, ständige infos, live-twittern, videos etc. erzeugt eine teilhaberschaft die zwar nicht der realität entspricht aber unserer seele und unserem nervensystem signalisiert als wären wir mittendrin. kümmern wir uns nicht um die damit verbundenen gefühle durch zulassen, wahrnehmen und auseinandesetzen bleiben sie in uns. wir mögen sie nicht sofort als depression oder sagen wir verstimmung wahrnehmen, aber das andauernde auffüllen des fasses in uns, bringt es irgendwann zum überlaufen. wenden wir uns also dem zu was wir fühlen, wenn wir alles abgeschaltet haben und in stille sitzen. verbannen wir verdrängen durch aktionimus, und spüren all den emotionen nach und machen sie uns bewusst. leben wir für einen moment die wut und die trauer und die angst und sorge. vielleicht auch den hass, die resignation und frustration. oder auch den wunsch nach gleichgültigkeit. wichtig dabei ist: alles darf sein. es gibt keine guten und schlechten gefühle.

3. wenden wir uns bewusst dem zu, was im kleinstmöglichen umkreis in unserem leben gut ist.

wenn wir wahrgenommen haben was in uns ist und dem raum gegeben haben, ist es wichtig sich selbst in all dem chaos in einem und um einen herum wieder einzunorden. wer bin ich in meinem leben trotz dieser geschehnisse? wer begleitet mich? wer tut mir gut? was tut mir gut? was hält mich? was gibt mir kraft? ich halte es in krise und trauma für unabdingbar, dass man den gesamten „kreislauf“ durchläuft – von schock, über bewusstmachung hin zum ressourcenorientierten ausblick auf das was eben auch alles gut ist trotz allem schlechten. man kann zwischen den schritten pendeln, das bringt seele mit sich, dass sie sich nicht immer an abläufe hält. wichtig dabei ist das still sein, in ruhiger umgebung nur für sich, die bewusstmachung und das zulassen.

4. selbstfürsorge

als letzten wichtigen schritte sehe ich die selbstfürsorge und die damit verbundene frage was brauche ich jetzt, damit ich gut weitermachen kann? brauche ich tatsächlich informationen? dann kann man den fernseher oder die anderen kanäle wieder vorsichtig (!!) aufdrehen und schauen was der stand ist. brauche ich struktur? dann einfach den tag planen und dem folgen. brauche ich etwas für meinen körper? ein gutes essen? ein bad? einen lauf? für meine seele? ein treffen mit freunden, ein spaziergang mit der familie oder ein telefonat mit einem menschen der mir nah ist?
was immer es ist – tut es bewusst. nehmt wahr, was euch gut tun würde und folgt dem. tut auch das bewusst und mit einem guten blick auf euch – es ist das gute recht eines jeden einzelnen für sich gut zu sorgen. auch und gerade in krise.

alles gute für uns alle.

Advertisements

7 Gedanken zu “was jetzt wichtig ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s