brandnew feature.

seit einigen wochen beobachte ich mich dabei, wie ich weniger sport treibe. und ich beobachte, wie mein körper an manchen stellen runder wird. und ich beobachte wie gänzlich egal mir das geworden ist. sport war für mich immer ein ventil – lange zeit die möglichkeit dem häuslichen stress mit zwei kindern und haushalt mal wenigstens für eine stunde zu entkommen. dann lange zeit die möglichkeit, die ungeheure wut auszuleben die in mir wohnte, die mich antrieb so viel und so schnell wie möglich zu laufen. lange zeit auch die möglichkeit es mit sport möglich zu machen, einfach zu essen was ich will und auf nichts verzichten zu müssen um mein gewicht zu halten.

fast unmerklich änderte sich in den letzten monaten mein sportverhalten. und mein essverhalten. vorallem aber mein verhältnis zu meinem körper.es begann damit, dass ich zwar weiter joggte aber nur noch wenn es mich hinaustrieb. das verbissene „aber du warst dienstag das letzte mal und heute ist bereits donnerstag, du musst jetzt ob du willst oder nicht!“ verschwand mehr und mehr. was zur folge hatte, dass ich meinem körper ansah, dass er weniger sport trieb. er wurde runder, weicher und veränderte seine form. wahrscheinlich nicht mal wahrnehmbar von aussen, aber so dass ich nackt vor dem spiegel sehr deutlich sah was sich geändert hatte. und es war jedesmal ein kurzes zusammenzucken, ein mahnender zeigefinger meines inneren antreibers und dann plötzlich gelassenheit. so ein inneres zurücklehnen und sich wohlfühlen in meinem körper. als ob mein kopf als erstes die übliche reaktion abspult, bis der körper mit dem brandneuen signal hinterher kommt „es ist alles gut! du fühlst dich sauwohl mit mir!“

jahrelang blieb es beim ersten impuls. ein unzufriedener, fieser, abwertender blick auf meinen körper – der dazu da war, zu funktionieren, schlank zu sein. ein sehr großer anteil meines selbstwertgefühls basierte auf der wahrnehmung meines körpers durch mein gegenüber. damit verbunden war essen immer eine heikle sache – ich konnte mir durchaus gut leisten zu essen was ich wollte, ich machte ja als ausgleich sport. in mir gab es eine genaue waage, die es in der balance zu halten galt: eine tafel schokolade? kein problem, aber dann ist klar, was du morgen tun musst. ein burgermenü beim goldenen m? kein ding, aber dann mindestens die große runde. es ging soweit, dass ich die tage direkt nach dem sporttag befreit essen konnte, weil ich ja wusste sport gemacht zu haben. aber bereits der darauffolgende tag war schon schwer bez. untrennbar mit sport verbunden. genuß, lust am essen, spontanität auch war völlig eingewoben in ein austariertes system von kontrolle und gängelung. wie auch bei anderen themen zerfiel mein ich in zwei teile, meinen kopf und meinen körper.

und es ist wohl kein wirkliches wunder, dass nach der letzten sitzung bei der traumatherapeutin, in der es um die integration des einen ins andere, sich plötzlich alles ins bewusstsein schob – mein sport und meine ungute körperwahrnehmung als kompensation für meine wut, die nun endlich ihren blick auf die tatsächliche quelle richten konnte und nicht mehr diffus gegen meinen körper gerichtet werden musste. ein sanftwerden gegenüber mir selbst und in der folge auch gegenüber anderen. (meine kinder können wohl ein lied davon singen zur zeit….)

ich hätte im leben nicht gedacht, dass ich die gesundung an dieser stelle so sehr in so vielen bereichen spüre. mein essverhalten entwickelt sich ohne bewusstes zutun zu einem gesunden stil in dem alles vorkommen darf, ohne innere waage, allein mein körpergefühl zeigt mir was ich essen will, was ich brauche und auch wann ich genug habe. und das funktioniert hervorragend! mein körpergefühl vermittelt mir aber auch ein neues gefühl für mich als frau, wie ich wirke, mit was ich wirken will, aber auch ein neues gefühl für so ein profanes ding wie den kleidungsstil, der sich gerade auch verändert. mein kopf steht plötzlich auf eine andere art und weise im fokus – ich beobachte mich, wie unabhängig ich werde von der bewertung meines erscheinens durch mein gegenüber und wieviel wichtiger es mir wird mit meiner Meinung, meinem können, meinem tun in verbindung gebracht zu werden.

so richtig bewusst aber wurde es mir, als ich vor ein paar tagen bei anke gröner einen blogbeitrag las, in dem der wunderbare satz vorkam „dicksein ist eine körperform, keine charaktereigenschaft“. jahrelang, ich muss das ehrlich zugeben, hatte ich den satz andersrum in mir. ich habe mich sehr dagegen gewehrt aber er stand sehr unerschütterlich, ausgeprägt und anerzogen in mir. nun aber steht er plötzlich richtig da und das ganze thema körper/körperwahrnehmung bekommt seinen angemessenen platz.

es gibt zur zeit fast nichts, was mich glücklicher macht als diese neue innere ruhe und gelassenheit mir selbst gegenüber.

(sehr schöner artikel übers thema auch hier.)

 

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5 Gedanken zu “brandnew feature.

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