luftdingsi. 

ich hatte gestern supervision. ein eingebrachtes thema von meinem kollegen führte zu der vorstellung der 4 elemente-lehre. ich halte wenig von modellen dieser art. mir ist das zu festgelegt, das erinnert mich immer alles ein bisschen an sternzeichen – da sagen dann immer alle ach ja klar bist du das! du bist ja voll so und so und derjenige nickt dann, weil klar ist immer irgendwas dabei was passt. man kann einen zwilling auch als wassermann verkaufen wenn man das will. lustig sind diese modelle dennoch, besonders bei menschen, die ansonsten nicht viel reflektieren – für die ist es oft ein gute gerüst um überhaupt mal in so etwas wie eine selbsterkundung zu kommen. und mir persönlich macht es spass, weil es manchmal ganz aufschlußreich ist in sehr plakativen bildern zu sprechen, sowohl in der rückmeldung für andere als auch für mich.jedenfalls ging es recht schnell um die konstellation kollege und ich. denn wir beide sind scheints prototypen zweier elemente. er erde, ich luft – wer hätte es gedacht. es gibt immer zwei gegensätze die sich besonders anziehen, einmal erde-luft, einmal wasser-feuer. jeder mensch hat ein hauptelement, zwei begleitende elemente und ein element, das kein bisschen in einem vorhanden ist, wohin aber – und das finde ich spannend – das sehnen hingeht. mein hauptelement ist luft, die begleiter feuer (wenig) und wasser (viel) und mein gegensatz ist erde. deshalb klappt das zb. auch so wunderbar mit meinem kollegen. wir kollidieren quasi nie. bei gegensätzen ist theoretisch (denn niemand ist „nur“) die anziehungskraft so groß, dass sie sich perfekt ergänzen bez. sich nicht stören. und weil er seeehr erde und ich seeehr luft bin führen wir eine sehr entspannte arbeitsehe, wenn wir nicht weiterkommen wird er einfach still und ich gehe. beste beziehungsvoraussetzungen. so in etwa. kollisionen entstehen, wenn die elemente sich beginnen zu stören. wenn zb. ein sehr luftiger mensch mit einem sehr feurigen zusammen kommt. das kann zu beginn sehr leidenschaftlich und passend sein, aber zuviel wind bei feuer….fläschenbrandgefaahr! oder wenn ein wassermensch mit einem erdmenschen zusammen kommt, da kanns dann durchaus auch mal zu überschwemmungen kommen, wenn der wassermensch zu überbordend sensibel aufgetreten ist.

clou dieses modell ist nun, dass man sich erstens selber einzuschätzen weiss und zweitens sein gegenüber. denn davon kann ich gut ableiten, was ich zb. als luftmensch tunlichst unterlassen sollte. so weiß ich aus eigener erfahrung, dass erdmenschen mit widerstand und verweigerung reagieren, wenn ich zu schnell wehe. erdmenschen brauchen eeeeineee laaaangsaaaaame aaanääääheeeeruuuung uuunddd viiiieeeeeeeeeeeeeeeeeel zeeeiit. die ich als wind echt nicht habe. weiß ich das aber, dann kann ich zumindest vorbereitend schon mal ein bisschen luft ablassen und mich dem erdmenschen für ihn angemessen nähern.

wir hatten gestern ziemlich viel spass, uns gegenseitig in diesem modell zu positionieren. und dabei ist mir eine frage eingefallen – was wäre eigentlich, wenn ich gar kein luftmensch bin. wenn ich zwar handle wie einer und das tue ich mit großer sicherheit und jeder mich auch recht schnell als so einen wahrnimmt, ich das aber nicht bin. sondern mein leben und meine prägung mich zu einem solchen gemacht haben. was wäre wenn ich eigentlich in meinem grundelement ein erdmensch bin, da wo meine tatsächliche wirklich große sehnsucht hingeht, wo die höchste anziehungskraft herrscht und mich nur mein leben dazugebracht hat, luftmenschzu werden, weil nur mit diesen eigenschaften meine kindheit und jugend zu meistern waren? ist vielleicht jedes sehnen in einem nicht genau der anteil, der eigentlich ganz unverbrüchlich zu einem gehört, von dem man aber meint man hat ihn sicher nicht? liegt dann vielleicht all unser sehnen nach einem bestimmten „sein“ nicht schon längst in uns und wir müssen nichts antrainieren oder erarbeiten sonder „nur“ befreien?

schaue ich auf mich, so beginne ich erst seit kurzer zeit zu verstehen, welche sehnsucht ich nach diesen ich sag mal „erdanteilen“ ich habe. ich habe so viele jahre unstets und alles andere als statisch verbracht. selbst jetzt ist mein leben ein einziges mobile aus unglaublich vielen teilen, die fein austariert in mir sind und die mich selten zur ruhe kommen lassen. aber gleichzeitig kommen in den letzten 2-3 jahren menschen in mein leben, die genau diese erdanteile haben. die beständigkeit, ruhe und gelassenheit ausstrahlen. die bleiben, statt zu gehen. die ruhen statt zu hetzen. die es geschafft haben, altes in neues zu integrieren und nicht einfach altes wegschmeissen oder durch neues ersetzen. ich bin vor ein paar wochen mit dem freund durch den stadtteil gelaufen in dem er wohnt und er konnte mir an nahezu jedem haus eine geschichte erzählen die mit dem satz begann „als kind war da…“ ich finde das ungemein anziehend, denn ich halte den freund zeitgleich für einen sehr neugierigen und offenen menschen. er hat auf eine art und weise altes in neues integriert und miteinander verbunden, was ihn im kopf frei macht, aber mit tiefen wurzeln stehen lässt. ich finde das unglaublich beneidenswert und sehr anziehend und spüre, wie sehr mein eigenes sehnen dahin geht. ich habe in meinem leben so oft altes abgestriffen, niedergerissen und wirklich aus meinem leben geworfen um neues hineinzulassen. ich dachte immer das gehört so – altes muss weg, damit neues platz hat. und ich erkenne plötzlich, dass das nicht so sein muss. ganz im gegenteil: dass es mir nicht gut tut. emanzipation ist nicht die beseitigung von altem sondern die integration ins neue. trenne ich das eine vom andere, zerreisse ich mich. (das lässt sich übrigens prima auf feminismus, genderfragen und ähnliches übertragen…..) das ist, wenn ich noch einen schritt für mich weiter schaue, vielleicht auch das problem für mich bei diesem trend zum minimalimus in unserer gesellschaft im moment. was mich schon immer daran so gestört hat, ist das verbannen des alten und abgelegten, auch wenn ich weiß, dass der vergleich nicht ganz stimmt und ich den sehr guten und notwendigen seiten des minimalismus auch als konsumkritik damit unrecht tue. aber für mich hat er nie gepasst, ich könnte dieses konzept schlecht für mich umsetzen, vielleicht genau aus dieser haltung heraus die ich bei mir beobachte. es ist sozusagen nur ein weiterer beweis für meine persönliche veränderung in dieser hinsicht.

vielleicht bin ich ja schon immer erdmensch gewesen und all die menschen im moment in meinem leben, die so verwurzelt sind in dem wo sie herkommen, was sie geprägt hat und was sie verbindet, sind dazu da, um mich daran zu erinnern und mir zu zeigen, wie man es schafft das alte ins neue zu integrieren.

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