ist dem modell ehe noch zu helfen?

gestern abend im gespräch mit einer freundin festgestellt, dass wir so gut wie keine beziehung/ehe in unserem umfeld kennen, in der nicht fremdgegangen wurde oder noch aktuell wird. nun könnte man daraus natürlich auch schliessen, dass wir uns mit besonders treulosen menschen umgeben – dem ist aber nicht so. die allermeisten dieser menschen waren jahrelang treu, in freud und leid verbunden. auffällig ist, dass es am meisten in ehen mit kinder vorkommt und die ehe schon ein paar jahre dauert. darüberhinaus sind es öfters frauen die zuerst aus der ehe ausbrechen als männer – männer scheinen zumindest eine zeitlang noch die flucht in die karriere anzutreten. was frauen (immer noch), die zu hause die kinderbetreuung in vollzeit übernommen haben, verwehrt ist. vielleicht ist da der frust schneller spürbar. es scheint niemand davor gefeit, früher oder später scheint es jeden zu erwischen und wir ertappten uns beim ansehen von hochzeitsbildern eines befreundeten paares, wie wir bereits jetzt mutmaßungen über das wann und wie anstellten.

das alles machte uns nicht glücklich, diese haltung, diese abgeklärtheit, diese bankrotterklärung der ehe. und wir rätselten – wo ist der punkt an dem es kippt? und was die möglichkeit rechtzeitig einzuhaken und den prozess aufzuhalten? klar scheint, dass es oft mangelnde indivuation zu sein scheint, die ins aussen treiben lässt. was ich mir selbst an anerkennung und aufmerksamkeit und selbstwert nicht geben kann, suche ich im aussen. das konnte der eigene partner eine zeitlang befriedigen, dann eine zeitlang die kinder oder arbeit aber dann folgt oft die grosse gähnende anerkennungsleere. ich persönlich glaube, dass es dieser zeitpunkt  ist an dem man unbedingt auf sich schauen muss. was war? was ist? was soll sein? wo stehe ich? wo bekomme sinnhaftigkeit in mein leben, die ich selbst schaffe und die unabhängig von personen in meinem leben sind? 

ganz oft wird dieser entwicklungsschritt dann  nach der trennung vollzogen. plötzlich können sich die vormals von seelischer zufütterung des partners abgängigen, sehr gut selbst seelisch versorgen und leben ein selbstbestimmtes leben. (ich halte zb eine midlifecrisis für teil dieses prozesses und daher für durchaus normal und gesund) die darauffolgende neue beziehung wiederrum ist dann oft gekennzeichnet von klaren grenzen und räumen – innerlichen wie äusserlichen. 

könnte man diese annahmen bereits frühzeitig in ehen leben und damit auseinanderleben und trennung verhindern? und wie würde sich diese, von beiden seiten gelebte, haltung auf familie auswirken? wie auf bindung und erziehung? wie auf das immer noch akute ungleichgewicht in der care-arbeit? würde es zb einen geburtenrückgang geben weil schon vorgeburtlich eher klar wäre, dass man das als paar nicht schafft – auf sich zu achten, auf die partnerschaft und auf das kind? würden familienverbünde offener und durchlässiger weil erwachsene mehr zeit für sich selbst brauchen und auf andere betreuungspersonen zurückgreifen würden? was würde das mit den kindern machen? würde zb. das helikoptern aufhören weil eltern sich ihren sinn selbst schaffen und nicht kinder dafür verantwortlich machen? und was wäre mit dem aufkommenden trend des eltern-burnout? könnte der aufgehalten werden, weil mann und frauen neben mutter und vater einfach auch sie selbst sein dürfen?

ich kenne die antworten nicht, finde aber die gedanken – aus eigener erfahrung – sehr spannend weil ich sie nicht nur für eine wachstumschance für paarbeziehung finde sondern auch für gesellschaft im allgemeinen.
ich habe neulich mal den satz gelesen „wenn jeder für sich selbst gut sorgt, ist für jeden gut gesorgt.“ – es wäre schön wenn das gelingen würde.

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5 Gedanken zu “ist dem modell ehe noch zu helfen?

  1. Mmh. Hier ist es eher anders. In unserem Umfeld sind fast nur Ehen und Beziehungen, die gut laufen und in denen Fremdgehen kein wirkliches Thema ist. Alle diese Ehen und Beziehungen sind davon geprägt, dass beide unabhängig sind und gute Freunde. Dass sie sowohl gemeinsame Interessen haben, als auch eigene. Dass sie sich immer wieder erneuern durch Gespräche, Unternehmungen und gemeinsame Weiterentwicklungen.

    Dafür aber auch Trennungen, bevor es zu Vertrauensbrüchen kam. Und entsprechende Ehrlichkeit.

    Ehe und Beziehung ist kein Selbstläufer. Es ist Arbeit und die immer wiederkehrende Bereitschaft, sich auf den anderen einzulassen und ihn das machen zu lassen, was für ihn das richtige ist. Das geht nur mit viel Toleranz und Unterstützung. Geben und nehmen. Ein Weg mit Kompromissen, der aber im Gegenzug viel Liebe und Unterstützung bringt.

    Ehen, die scheitern, weil man die Gemeinsamkeiten verloren hat, scheitern meist am Nichtstun für sie in den Jahren davor.

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  2. Achso: was für mich auch ein absolut legitimer Trennungsgrund ist, ist keine Liebe mehr. Oder eben keine „Paar-Liebe“ mehr, sondern „Freunde-Liebe“ oder „Gewohnheits-Liebe“.

    Dann ist eine Trennung oft das Beste.

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