die sache mit der dankbarkeit.

dieser muttertag hallt netztechnisch ziemlich nach. ich hab mich innerlich ziemlich vom hashtag #muttertagswunsch distanziert, auch wenn ich die aktion von christine finke für extrem wichtig halte. aber irgendwie schien nach kurzer zeit das grosse wunschkonzert ausgebrochen und damit wurde der tag für mich uninteressant. bis johannes korten folgendes twitterte und schreibt:


und ich dachte ja. das ist es was stört, im grunde schon mein ganzes mutterleben lang, und ehrlich gesagt auch schon mein ganzes lebens als kind einer mutter lang – diese elende dankbarkeit, die kinder eltern gegenüber haben müssen. es ist diese haltung die ich mit der muttermilch aufgesaugt habe, gegen die ich mich jahre meines lebens so gesträubt habe, die mich jahre der überwindung gekostet hat und die meine eigene mutterschaft bis heute nachhaltig prägt. vielmehr nicht-prägt.

meine kinder sind mir an keiner stelle zu dankbarkeit verpflichtet noch gibt es irgendwo eine stelle, an der sie mir für irgendwas danken müssten. ich habe die beiden geschenkt bekommen, sie sind mir gegeben um sie zu begleiten, sie gross zu machen und stark für diese welt. das tue ich nach bestem wissen und gewissen, das ist meine aufgabe aus der keine verpflichtung für die beiden erwächst. sie dürfen sein, ohne versteckten anspruch oder generationenvertrag, ohne „wenn ich, dann müsst ihr aber“.
es ist mir selbstverständlich.

dankbarkeit hingegen erwächst aus etwas was nicht selbstverständlich zu sein scheint. das hat viel mit der eigenen haltung zu tun – sehe ich die dinge als selbstverständlich, möchte und brauche ich keinen dank, denn durch die selbstverständlichkeit meines tuns bin ich bereits ausreichend selbstversorgt und brauche keine seelische zufütterung von aussen. es wäre sicher hilfreich mal zu schauen, an welchen stellen man selbst in so eine „na und wo bleibt der dank!?“-denke dappt. ich könnte mir gut vorstellen, dass das die weniger selbstlosen stellen im eigenen handeln sind bez. die, in denen ich eigentlich etwas tue was mich nervt und nicht will. ist das die verwechslung die uns mit unseren eigenen kindern oder mit unseren eltern in konflikt bringt? wenn ich in meinem rahmen und meinem verantwortlichkeiten bleibe, ist mein tun selbstverständlich, im wahrsten sinn. es wird von meinem selbst als verständlich und sinnhaft wahrgenommen und bleibt ganz bei mir. dafür brauche ich keinen dank, wenn er kommt wirkt er eher oft unnötig.
verlasse ich aber meinen rahmen und tue etwas was meinem selbst nicht verständlich scheint, weil es zb nicht zu mir passt oder es mit mir nicht vereinbar ist oder ich es schlicht nicht will, dann überwinde ich meine grenzen und dafür will ich dankbarkeit. ich will also nicht unbedingt für die sache an sich dankbarkeit sondern für den umstand, dass ich mich überwinde. dass ich etwas über mein selbstverständnis, meine art, mein denken, meine sinnhaftigkeit was auch immer, hinaus mache.

was steckt dann hinter diesem dankbarkeitsanspruch im eltern-kind verhältnis, den nie jemand laut aussprechen würde der aber durchaus da und spürbar ist? ist es weil wir eltern im grunde so oft über unsere grenzen gehen wo wir eigentlich auf uns schauen sollten? ist die wahrnehmung des dankbarkeitsanspruch im grunde nur die Wahrnehmung der eigenen grenzverletzung? wäre es dann zum wohl und schutz des eltern-kind-verhältnisses nicht angebrachter statt auf blumen und gedichte oder kaffee ans bett (klischeealarm!) zu warten, zu schauen wo und wie ich auch bei meinen kindern auf meine grenzen achten kann und darf?

insofern wäre ein #muttertagswunsch für mich, dass eltern sich mehr erlauben auf ihre bedürfnisse zu hören, ihre grenzen wahrzunehmen und zu ziehen unter umständen auch gegen die bedürfnisse und wünsche der kinder. damit ein freies und unbelastetes verhältnis entstehen kann, ohne versteckte botschaften im hintergrund, die sich in so tagen wie „Muttertag“ manifestieren.

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10 Gedanken zu “die sache mit der dankbarkeit.

  1. Pingback: Was ich eigentlich sagen wollte :: Eine Klarstellung zum Muttertag | jazzlounge

  2. Das ist großartig geschrieben!! Und die Sache mit der Dankbarkeit, mit den Grenzen gilt ja wie gesagt nicht nur für Eltern. Ich glaub, ich ertappe mich selber oft dabei, wie ich zu mir sage: Und wo bleibt der Dank? Ich werd das auf jedenfalls mal beobachten.

    Abgesehen davon finde ich Muttertag, Vatertag, Valentinstag und dergleichen einfach total schöne Rituale. Es geht nicht um Dankbarkeit, nicht um die Umsätze der Blumenhändler, sondern es geht für mich um Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Innehalten und Gemeinsamkeit. Ich finde dieses Innehalten in unserem Alltag total wichtig. Klar sage ich meiner Mutter nicht nur am Muttertag wie lieb ich sie habe, aber trotzdem finde ich es eine schöne Geste, an einem Tag mit der Familie zusammenzukommen, den Menschen die man liebt Aufmerksamkeit zu schenken und einfach nur mal zu sagen, ich bin verdammt froh, dass es Dich gibt.

    Oder auch: Man muss die Feste feiern wie sie feiern. 😉

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  3. vielleicht konnte dankbarkeit früher einfach noch anders ausgedrückt werden? man nahm die mutter, den vater mit ins neue häuschen, wenn man ohnehin nicht sogar deren altes besiedelte, weil man das einfach so machte: samt ziegen, schweinen und feuerstelle. das bedürfnis, das gegebene irgendwann von den kindern mal zurückzukriegen, ist darum auch noch immer esoterisch oder auch wissenschaftlich gesichert in unseren zellen verankert. und weil uns die fratzen jetzt nicht mehr selbst pflegen sondern lieber im altenheim endlagern, freuen wir uns eben an solchen feiertagen über die orchidee ausm supermarkt.

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