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sie steht im dunklen flur und lauscht. sie lauscht den geräuschen der mutter im zimmer nebenan. papier raschelt, sie hört den atem, sie lauscht so tief in die stille, dass ihr die ohren weh tun. sie versucht aus der stille zu lesen – ist es eine gute stille? eine böse stille? ist es eine stille mit gemeinen worten? oder eine eisige stille. sie spürt den druck in ihren schläfen, ihr ist übel vor angst aber sie muss in dieses zimmer. sie muss in diese stille um herauszufinden wo in all dem sie ist. sie muss es tun, damit das band nicht reisst. denn das darf es nie. tut es das, ist sie allein und davor hat sie angst. also betritt sie mit all ihrem mut den sie hat das zimmer, und sie blickt auf die mutter und sie weiss nicht mehr was sie sagt aber sie spürt im selben moment, welche stille es ist und dass es kein auskommen gibt aus ihr. sie legt sich wie ein panzer um sie, nimmt ihr den atem, lässt sie erstarren und die worte der mutter fallen über sie her. 

sie verlässt das zimmer und das band reisst. kein weiteres mal könnte sie die stille und die worte ertragen. also zerreisst sie das band und geht in sich und nimmt sich gleich mit. schliesst die inneren türen, kein schritt mehr ist möglich aus ihr heraus, zu gross die angst dann endgültig zu verschwinden, sich aufzulösen. 

aber irgendwann wird sie wieder in diesem flur stehen. und irgendwann wird sie wieder ins zimmer gehen. jahrelang wird sie das tun. mit einer unerschütterlichen hoffnung, dass sie nur oft genug da stehen muss, ihr herz anbieten muss, dass es eines tages angenommen wird. 

und ich bin mit ihr in diesem flur. schwarz überflutet mich ihr leid. und was immer ich ihr sage, wieder und wieder lässt sie meine hand los und geht in dieses zimmer. sie gibt nicht auf. 

aber ich auch nicht. und so sitze ich dort in diesem flur, streiche ihr die langen zöpfe, nehme sie in den arm und sage ihr wieder und wieder, dass sie nicht gehen muss und ich da bin und lasse sie schweren herzen ziehen in dieses zimmer. 

aber der löwenmut, die unerschütterlichkeit und die kraft nicht aufzugeben – sie gehört zu uns und eines tages werden wir beide den mut haben sitzenzubleiben. und das zimmer wird verwaisen. 

und dann können wir endlich gehen. denn gross wird man nicht, wenn man sein lebenlang als kind im flur steht. 

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