it takes two. 

ich beobachte gerade die sehr spannenden diskussionen alleinerziehender im netz. auf der einen seite ist da sehr viel wichtiges und wahres und notwendiges – väter, die den unterhalt verweigern, väter, die umgänge nicht wahrnehmen und allem voran die im grunde permanent vom burnout bedrohten mütter, die alles alleine stemmen müssen. das alles ist richtig. was aber in all den diskussionen nicht fehlt, ist das oft haßerfüllte bashing der exmänner. und das ist immer wieder die stelle, an der ich aussteige. wie viele andere im übrigen auch und was dazu führt, dass alleinerziehende so oft eine in sich geschlossene gesellschaftliche gruppe darstellen, ein umstand unter dem sie zeitgleich leiden wie ihn immer wieder selbst verursachen. denn was immer man auch sagt, es wird einem anti-feminismus unterstellt und ein frauenverachtender hang zur pro-vater bewegung. dabei geht mir an der stelle sowohl der feminismus als auch die pro-vater bewegung am arsch vorbei. es geht mir ums kind. und der gute weg fürs kind führt über die erwachsenen und die aufarbeitung deren gemeinsamer beziehungszeit. denn da liebe mütter, da gabs mal zwei an der beziehung beteiligte und egal wie verquer und falsch es nach der scheidung lief oder läuft: aus dem anteil könnt ihr euch nicht rausschleichen. ich gehe sogar soweit zu behaupten, schaut ihr da nicht nochmal ganz genau hin, kann und wird das nie was werden mit dem gemeinsam – getrennten erziehen oder dem guten weg fürs kind.

ich tue mich sehr schwer mit alleinerziehenden und ihren themen (und ich denke ich bin damit nicht alleine, beobachtet man die heftigkeit der kommentare unter jedem noch so klugen und wahren post über das erleben von alleinerziehenden) unter anderem weil es in der diskussion immer um die schuldfrage geht und die täter und opfer rollen bereits immer klar verteilt sind. das liegt in meinen augen weitestgehend daran, dass immer in ein VOR scheidung und NACH scheidung unterschieden wird. VOR scheidung wird so gut wie nie erwähnt, allenfalls negativ konotiert und bereits eingefärbt von der vermeintlich geklärten schuldfrage „mein ex war schon immer scheiße.“ die frauen selbst und ihre rolle am scheitern der beziehung, wird in den allerallerwenigesten fällen reflektiert.

NACH der scheidung scheint ein schnörkelloser und fairer blick überhaupt nicht mehr möglich, was dann sehr oft an den tatsächlichen verfehlung und versäumnissen der väter im finanziellen und betreuungsbereich liegt. es wird kaum unterhalt gezahlt, es wird aus der affäre gezogen was die umgänge angeht, es wird vernachlässigt und versäumt. und spätestens da setzt mein unverständnis über die bewertung der situation ein: es liegt doch so nahe, auf das VOR zu blicken. zu schauen, was ist da eigentlich passiert, dass wir beide an diese stelle gerate sind? um in der klärung des VOR die lösung fürs NACH zu finden. stattdessen erlebe ich oft eine aufarbeitung des jahrelang angestauten ehefrust über das thema kinder. „ich will nur das beste für mein kind!“, „ich kämpfe für meine kinder“ – oft steht dahinter eine neuausrichtung des machtgefälles der früheren beziehung. alleinerziehende und damit lehne ich mich jetzt mal richtig weit aus dem fenster, instrumentalisieren ihre kinder in vielen fällen für die neugestaltung ihres psychischen gleichgewichts nach einer gescheiterten ehe, deren kennzeichen oft ein machtgefälle zwischen mann und frau darstellte. und es nicht mal so, dass ich das nicht verstehe. kennzeichen von scheiternden ehe mit kindern in üblichen rollenverteilungen ist nun mal oft das gefühl von ohnmacht („immer musste ich alles machen, nie bekam ich hilfe!“) oft gepaart mit einem unangenehmen gefühl vorallem finanzieller abhängigkeiten. aber – zu lebensmodellen gehören immer zwei. und bereits da setzt in den diskussionen die verschiebung der schuldfrage ein: man konnte ja nicht arbeiten, hatte ja die kinder. man wollte ja nicht arbeiten sondern für die kinder da sein. das ist sicher alles gut und richtig, aber erstens ist es nun wirklich keine neuigkeit mehr, dass ehen scheitern und man sich am besten bereits vor eheschliessung gedanken über die zeit nach einer möglichnen trennung machen sollte und zudem steht hinter jeder entscheidung die man trifft, neben durchaus nachvollziehbaren sachzwängen, das eigene ich, das letztendlich entscheidet mach ich es so oder so. und diese eigenverantwortung am eigenen schicksal – die treten in meinen augen alleinerziehende sehr schnell an den expartner und vater der gemeinsamen kinder ab. was ihn nicht aus seiner verantwortung nimmt und auch sein verhalten nicht legitmiert, was ihn aber eben auch nicht zum alleinverschuldenden der alleinerziehenden situation macht.

it takes two. immer. und wenn es nach einer trennung schwer mit dem gemeinsamen wird, dann lohnt der blick auf das was war. dort liegt die gemeinsame geschichte, die das heute prägt. ich kann das heute nicht ändern ohne auf das damals zu schauen. und wenn das gemeinsam nicht möglich ist, dann muss man das alleine machen. muss sich frei machen von schuldzuschreibungen und verantwortungsübertragungen und auf sich schauen. denn spätestens an dieser stelle kommt das kind ins spiel, für das man ja das beste will. das beste ist in dem fall aber nicht, dass um umgänge und geld und verantwortlichkeiten gestritten wird, am besten noch im namen des kindes, oder dass verbal aber noch viel mehr non-verbal unfassbar zerstörerische innere bilder des bösen vaters in kinderseelen gezeichnet werden, sondern dass frau (wenn mann nicht will oder kann) ihre geschichte klärt um diese nicht dem kind mitzugeben. beziehungsweise um dem kind überhaupt zu ermöglichen beziehungsfähig in einer zweier beziehung zu werden. eine klare haltung, die das eigene versagen, den eigenen schuldanteil, die eigenen versäumnisse und verantortungslosigkeiten während der zeit der beziehung integriert hat, schafft die voraussetzung ohne altlast auf das zu blicken was war und zu klären was wird. und das ist es, was ich schmerzlich bei den allermeisten alleinerziehenden vermisse. und das macht es in ihnen in meinen augen auch so schwer, der gesellschaft die augen und ohren für ihre sehr wichtigen und sehr richtigen anliegen zu öffnen. sie verhindern damit aktiv, dass sich an ihrer situation was ändert. wollen sie ernstgenommen werden, wollen wir frauen mit unseren anliegen generell ernster genommen werden, müssen wir aus der sowohl zugeschriebenen als auch selbst verursachten opferrolle raus und die verantwortung für uns selbst, im guten wie schlechten, übernehmen. wir ermahnen bereits unsere kinder von klein auf, dass sie sich fair verhalten sollen, dass sie immer auch ihren anteil im blick haben, dass sie teilen und sich gerecht verhalten, dass es ein ICH und ein DU gibt auf das beides rücksicht genoimmen werden muss. 

warum gelingt uns das als erwachsene dann nicht?

Advertisements

3 Gedanken zu “it takes two. 

  1. Schwierig ist es die eigene Verletzungen selbst zu (er)tragen und zu begreifen, dass der Vater eine andere Beziehung zu den Kindern führt. Das sind 2 verschiedene paar Schuhe.

    Die Angst ist groß dass jeweils der andere einen schlecht dastehen lässt.

    Man muss schon viel gelassener werden und offen umgehen lernen.

    Das braucht schon etwas Zeit und kostet nerven wenn der andere einfach nie so ganz aufhört …

    Kürzlich schrieb ich über den Exmann. Ich kann es eben auch nicht ganz vergessen und habe wohl noch immer nicht zuende verarbeitet.
    Aber ich habe immer darauf geachtet das von den Kids fern zu halten.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s