i wish you well.

heute sah ich sie in der stadt. kaum verändert, trotz der 9 jahre die wir nichts mehr miteinander zu tun haben und uns so gut wie nie begegnet sind. ich erinnere mich an die heftigen gefühle von wut, fast schon hass, bei gleichzeitiger neidvoller und glühender bewunderung. meine güte – was habe ich mit dieser frau gerungen. ohne, dass sie je was davon mitbekommen hat. sie war alles was ich nicht war. sie schien alles zu haben was ich nicht hatte. sie war der spiegel für all die ungeklärten ängste und gefühle in mir. und bis heute kann ich nicht klar sagen, was überhaupt mein thema mit ihr war. was mich so verhaften liess in meinen heftigen abgrenzungsversuchen und gleichzeitigen annäherungen. ich vermute sie war nur ein synonym, ein personifizierter dämon, an dem ich mich vergeblich abgearbeitet habe. was mir blieb war die flucht weg von ihr, die mir die geburt meines ersten kindes möglich machte. ich verschwand in den erziehungsurlaub aber sie nicht aus meinem inneren vergleichsportal. die kontakte wurden weniger, ich ging ihr aus dem weg wo immer es noch zu berührungspunkten kam, der kampf in mir mit den diffusen, mit ihr verknüpften themen blieb. lange. lange. bis sie irgendwann völlig aus meinem sichtfeld verschwand und das, obwohl sie im nachbardorf wohnt und der landkreis nicht gross und städtisch geprägt genug ist, um sich nicht ständig über den weg zu laufen. aber aus unerfindlichen gründen habe ich sie das letzte mal aus nächster nähe vor 8 jahren gesehen. 

bis heute. und heute steht sie da und ich sehe sie, sie mich aber nicht und ich muss grinsen – weil alles schweigt in mir. nichts muckt, nichts rührt sich – kein seelenstolpern, kein gedankenwiderhaken. und mir wird bewusst wo ich mittlerweile stehe und welchen extrem harten, herausfordernden und wirklichen langen weg ich hinter mir habe. und all die vergleichsscheisse in meinem kopf ist weg – ich spüre so sehr was ich habe, wie gut ich es habe, was ich getan habe um das überhaupt fühlen zu können. das gute gefühl, mit dem ich in diesem moment auf mein leben blicke – es entspringt nicht dem vergleich sondern dem eigenen wohlwollenden blick auf mich selbst, aus mir selbst.

und der moment ist vorüber und ich laufe vorbei und alles ist gut. 

und wo ich diesen text gerade noch einmal lese, fällt mir auf, wie gut er für mich zum thema „älter werden“ mit dem sich frau quadratmeter befasst, passt: das ist es was ich das geile am älter werden finde – das einordnen können der eigenen krisen in einen durch lebenserfahrung immer dicker und stabiler gewordenen rahmen. ich bin nicht mehr hilflos den stürmen ausgesetzt, den gedankem und emotionen die jedes in gemeinschaft leben mit sich bringt. ich habe meine flexiblen aber durchaus sehr klar definierten ecken und kanten, die den rahmen meiner persönlichkeit abbilden. ich habe methoden, filter, haltungen und beruhigungsformeln gefunden mit denen ich krise begegne. horche in mich, gibt es kaum ein thema, das mich wirklich schreckt geschweige denn so verunsichert, dass ich nicht genau wüsste wie damit umzugehen ist. klar gibt es auch in meinem 40 jährigen leben themen die mich schütteln und auf die ich erstmal wahlweise mit „hä!?“ oder „scheisse!!“ reagiere – aber meine handlungsspielräume sind enorm gewachsen, mein methodenkoffer für den umgang mit mir und anderen ist randvoll mit erprobten instrumenten. ja, mein doppelkinn ist weich und fluffig und die falten um die augen verschwinden auch nicht mehr nach 12 stunden schlaf. und das wird alles nicht besser sondern nimmt weiter ab oder zu oder gewinnt an tiefe. aber hej! so what denke ich mir, solange meine seele, mein verstand und mein herz mit jedem weiteren lebensjahr an tiefe gewinnt. 

ich finde ja älter werden ziemlich geil. 

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