allez hopp!

woanders stellte sich heute die frage nach der angst. wie verändert sie sich im lauf des lebens, wie verändern sich die themen rund um die angst, wird sie mehr oder weniger. beim nachdenken fiel mir irgendwann auf, dass es für mich nie um die angst selbst ging. die angst war, und ist, etwas, mit der man halt lebt. bisschen herzwummern, ein bisschen zögern, aber früher oder später springe ich. eine sehr weise frau hat mir mal gesagt „frau rt, wenn es etwas gibt worauf sie sich verlassen können bei sich, dann dass sie schwimmen können, egal wo sie reinspringen.“ mein thema ist eher das was dann folgt.

auszuhalten, was nach der angst und dem sprung kommt. wenn ich gesprungen bin, ist in der folge oft das wieder alles rückgängig machen wollen das problem. als ob ich vor meinem eigenen mut erschrecke und ihn ungeschehen machen möchte. da fange ich plötzlich an zu beruhigen oder zu relativieren oder abzumildern…als ob ich mir plötzlich selbst nicht mehr traue, ein einziges „huch!“, ein erschrecken und dann manchmal hektischer Aktionismus. da fängt für mich im grunde die angst erst an. und ich denke mir gerade wie unsinnig das ist – das kind ist ja bereits in den brunnen gefallen (sic!) und schwimmen kann ich ja.

ich muss wohl nur lernen, meinen mut auszuhalten.

facepalm

gott was war das schön früher ™, als sich muttiblogger noch über das stillen, das tragen und das ferbern stritten. heute verhackstücken sie sich in sogenannten #mommywars (alleine das wort!) und streiten darüber, ob und wenn ja wie man am besten professionell blogt und sich vermarket. 

gruselige entwicklung. 

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sie steht im dunklen flur und lauscht. sie lauscht den geräuschen der mutter im zimmer nebenan. papier raschelt, sie hört den atem, sie lauscht so tief in die stille, dass ihr die ohren weh tun. sie versucht aus der stille zu lesen – ist es eine gute stille? eine böse stille? ist es eine stille mit gemeinen worten? oder eine eisige stille. sie spürt den druck in ihren schläfen, ihr ist übel vor angst aber sie muss in dieses zimmer. sie muss in diese stille um herauszufinden wo in all dem sie ist. sie muss es tun, damit das band nicht reisst. denn das darf es nie. tut es das, ist sie allein und davor hat sie angst. also betritt sie mit all ihrem mut den sie hat das zimmer, und sie blickt auf die mutter und sie weiss nicht mehr was sie sagt aber sie spürt im selben moment, welche stille es ist und dass es kein auskommen gibt aus ihr. sie legt sich wie ein panzer um sie, nimmt ihr den atem, lässt sie erstarren und die worte der mutter fallen über sie her. 

sie verlässt das zimmer und das band reisst. kein weiteres mal könnte sie die stille und die worte ertragen. also zerreisst sie das band und geht in sich und nimmt sich gleich mit. schliesst die inneren türen, kein schritt mehr ist möglich aus ihr heraus, zu gross die angst dann endgültig zu verschwinden, sich aufzulösen. 

aber irgendwann wird sie wieder in diesem flur stehen. und irgendwann wird sie wieder ins zimmer gehen. jahrelang wird sie das tun. mit einer unerschütterlichen hoffnung, dass sie nur oft genug da stehen muss, ihr herz anbieten muss, dass es eines tages angenommen wird. 

und ich bin mit ihr in diesem flur. schwarz überflutet mich ihr leid. und was immer ich ihr sage, wieder und wieder lässt sie meine hand los und geht in dieses zimmer. sie gibt nicht auf. 

aber ich auch nicht. und so sitze ich dort in diesem flur, streiche ihr die langen zöpfe, nehme sie in den arm und sage ihr wieder und wieder, dass sie nicht gehen muss und ich da bin und lasse sie schweren herzen ziehen in dieses zimmer. 

aber der löwenmut, die unerschütterlichkeit und die kraft nicht aufzugeben – sie gehört zu uns und eines tages werden wir beide den mut haben sitzenzubleiben. und das zimmer wird verwaisen. 

und dann können wir endlich gehen. denn gross wird man nicht, wenn man sein lebenlang als kind im flur steht. 

ein bild ein bild! 

ich koche mein süppchen. abgesehen davon, dass ich im moment so überhaupt keinen schimmer habe was da noch rein muss beziehungsweise überhaupt schon drin ist – es riecht glaub ganz lecker und der topf strahlt angenehme wärme ab. das bringt die menschen in die nähe meines topfes. sie schnuppern und sagen „mmh riecht ja gut!“ und reiben sich die hände an der abstrahlenden wärme. manchmal, ok ziemlich oft, haue ich dann noch ein besonders leckeres gewürz mit rein, damit es besonders gut riecht, völlig egal oft ob das überhaupt zum rest der suppe passt und jage den herd hoch, damit es noch heimeliger-warm wird. das führt dann dazu, dass menschen plötzlich neben mir stehen „mmh!“ sagen und in den topf schauen wollen oder schlimmer noch – probieren wollen.

und jedesmal ist das der punkt an dem ich erschrocken den deckel draufknalle und den herd abdrehe. schnuppern ja, reinschauen oder gar probiern? no way. man könnte ja in dem fall plötzlich feststellen, dass die suppe scheisse schmeckt. oder die zutaten völlig falsch zusammengestellt sind. oder die vorher verlockenden gewürze überhaupt nicht passen und die hitze so heiss ist, dass man sich verbrennt. also achte ich penibel darauf, dass ich die suppe so würze wie es meiner meinung nach die menschen drumherum brauchen, was zu meinem leidwesen aber oft nicht so ist, wie es zu meinem süppchen passen würde. schaue ich momentan in meinem suppentopf, dann schwimmen da zimtstangen neben krossem speck, ordentlich gemüse und viel honig. alles für sich allein schmeckt toll – aber nichts passt wirklich zusammen. die einzelnen zutaten geben kein grosses, ausgewogenes, geschmackvolles ganzes sondern sind nur ein haufen halbgarer dinge. 

und mir ist so extrem danach den ganzen topf auszuschütten und einfach nochmal von vorne zu beginnen. butter zu nehmen, gemüse anzurösten, abzulöschen mit brühe und dann nach und nach ein bisschen würzen. für klarheit in diesem topf zu sorgen. das einzige was mich davon abhält ist im moment noch meine angst, vor dem leeren topf zu stehen und wirklich keinen blassen schimmer zu haben, welches süppchen ich denn überhaupt kochen will. und niemanden da zu haben der „mmh!“ sagt und sich die hände in der wärme reibt.

hier wie dort.

drei syrer stehen unter meinem wohnzimmer und unterhalten sich mit meiner vermieterin. sie wollen ausrangiertes schlafzimmermöbiliar abholen, es gibt diskussionen wie das alles in den kleinen hänger passen soll, den die drei mitgebracht haben. meine vermieterin redet dabei konsequent bayerisch, die drei syrer konsequent arabisch. sie lachen und erzählen sich alles mögliche – meine vermieterin von der uroma, die jetzt ins heim muss und deswegen das schlafzimmer aufgelöst wird, sie erzählt die geschichte des 3 höfe weilers in dem wir leben und die syrer erzählen auch sehr viel. am ende umarmen sich alle, der hänger ist irgendwie beladen, schert grad keinen ob das hält, „woast eh is sonntag, sonst darats des oafach wieda von der stross klaube!“ und dann trennt sich das grüppchen.

das fremde – es kommt an hier unten auf dem land. es zeigt sich in sprache, aussehen, umgang, auftreten und es wird angenommen als das was es wird, wenn man sich drauf einlässt ohne angst um den eigenen identitätsverlust: alles menschen. hier wie dort.

it takes two. 

ich beobachte gerade die sehr spannenden diskussionen alleinerziehender im netz. auf der einen seite ist da sehr viel wichtiges und wahres und notwendiges – väter, die den unterhalt verweigern, väter, die umgänge nicht wahrnehmen und allem voran die im grunde permanent vom burnout bedrohten mütter, die alles alleine stemmen müssen. das alles ist richtig. was aber in all den diskussionen nicht fehlt, ist das oft haßerfüllte bashing der exmänner. und das ist immer wieder die stelle, an der ich aussteige. wie viele andere im übrigen auch und was dazu führt, dass alleinerziehende so oft eine in sich geschlossene gesellschaftliche gruppe darstellen, ein umstand unter dem sie zeitgleich leiden wie ihn immer wieder selbst verursachen. denn was immer man auch sagt, es wird einem anti-feminismus unterstellt und ein frauenverachtender hang zur pro-vater bewegung. dabei geht mir an der stelle sowohl der feminismus als auch die pro-vater bewegung am arsch vorbei. es geht mir ums kind. und der gute weg fürs kind führt über die erwachsenen und die aufarbeitung deren gemeinsamer beziehungszeit. denn da liebe mütter, da gabs mal zwei an der beziehung beteiligte und egal wie verquer und falsch es nach der scheidung lief oder läuft: aus dem anteil könnt ihr euch nicht rausschleichen. ich gehe sogar soweit zu behaupten, schaut ihr da nicht nochmal ganz genau hin, kann und wird das nie was werden mit dem gemeinsam – getrennten erziehen oder dem guten weg fürs kind.

ich tue mich sehr schwer mit alleinerziehenden und ihren themen (und ich denke ich bin damit nicht alleine, beobachtet man die heftigkeit der kommentare unter jedem noch so klugen und wahren post über das erleben von alleinerziehenden) unter anderem weil es in der diskussion immer um die schuldfrage geht und die täter und opfer rollen bereits immer klar verteilt sind. das liegt in meinen augen weitestgehend daran, dass immer in ein VOR scheidung und NACH scheidung unterschieden wird. VOR scheidung wird so gut wie nie erwähnt, allenfalls negativ konotiert und bereits eingefärbt von der vermeintlich geklärten schuldfrage „mein ex war schon immer scheiße.“ die frauen selbst und ihre rolle am scheitern der beziehung, wird in den allerallerwenigesten fällen reflektiert.

NACH der scheidung scheint ein schnörkelloser und fairer blick überhaupt nicht mehr möglich, was dann sehr oft an den tatsächlichen verfehlung und versäumnissen der väter im finanziellen und betreuungsbereich liegt. es wird kaum unterhalt gezahlt, es wird aus der affäre gezogen was die umgänge angeht, es wird vernachlässigt und versäumt. und spätestens da setzt mein unverständnis über die bewertung der situation ein: es liegt doch so nahe, auf das VOR zu blicken. zu schauen, was ist da eigentlich passiert, dass wir beide an diese stelle gerate sind? um in der klärung des VOR die lösung fürs NACH zu finden. stattdessen erlebe ich oft eine aufarbeitung des jahrelang angestauten ehefrust über das thema kinder. „ich will nur das beste für mein kind!“, „ich kämpfe für meine kinder“ – oft steht dahinter eine neuausrichtung des machtgefälles der früheren beziehung. alleinerziehende und damit lehne ich mich jetzt mal richtig weit aus dem fenster, instrumentalisieren ihre kinder in vielen fällen für die neugestaltung ihres psychischen gleichgewichts nach einer gescheiterten ehe, deren kennzeichen oft ein machtgefälle zwischen mann und frau darstellte. und es nicht mal so, dass ich das nicht verstehe. kennzeichen von scheiternden ehe mit kindern in üblichen rollenverteilungen ist nun mal oft das gefühl von ohnmacht („immer musste ich alles machen, nie bekam ich hilfe!“) oft gepaart mit einem unangenehmen gefühl vorallem finanzieller abhängigkeiten. aber – zu lebensmodellen gehören immer zwei. und bereits da setzt in den diskussionen die verschiebung der schuldfrage ein: man konnte ja nicht arbeiten, hatte ja die kinder. man wollte ja nicht arbeiten sondern für die kinder da sein. das ist sicher alles gut und richtig, aber erstens ist es nun wirklich keine neuigkeit mehr, dass ehen scheitern und man sich am besten bereits vor eheschliessung gedanken über die zeit nach einer möglichnen trennung machen sollte und zudem steht hinter jeder entscheidung die man trifft, neben durchaus nachvollziehbaren sachzwängen, das eigene ich, das letztendlich entscheidet mach ich es so oder so. und diese eigenverantwortung am eigenen schicksal – die treten in meinen augen alleinerziehende sehr schnell an den expartner und vater der gemeinsamen kinder ab. was ihn nicht aus seiner verantwortung nimmt und auch sein verhalten nicht legitmiert, was ihn aber eben auch nicht zum alleinverschuldenden der alleinerziehenden situation macht.

it takes two. immer. und wenn es nach einer trennung schwer mit dem gemeinsamen wird, dann lohnt der blick auf das was war. dort liegt die gemeinsame geschichte, die das heute prägt. ich kann das heute nicht ändern ohne auf das damals zu schauen. und wenn das gemeinsam nicht möglich ist, dann muss man das alleine machen. muss sich frei machen von schuldzuschreibungen und verantwortungsübertragungen und auf sich schauen. denn spätestens an dieser stelle kommt das kind ins spiel, für das man ja das beste will. das beste ist in dem fall aber nicht, dass um umgänge und geld und verantwortlichkeiten gestritten wird, am besten noch im namen des kindes, oder dass verbal aber noch viel mehr non-verbal unfassbar zerstörerische innere bilder des bösen vaters in kinderseelen gezeichnet werden, sondern dass frau (wenn mann nicht will oder kann) ihre geschichte klärt um diese nicht dem kind mitzugeben. beziehungsweise um dem kind überhaupt zu ermöglichen beziehungsfähig in einer zweier beziehung zu werden. eine klare haltung, die das eigene versagen, den eigenen schuldanteil, die eigenen versäumnisse und verantortungslosigkeiten während der zeit der beziehung integriert hat, schafft die voraussetzung ohne altlast auf das zu blicken was war und zu klären was wird. und das ist es, was ich schmerzlich bei den allermeisten alleinerziehenden vermisse. und das macht es in ihnen in meinen augen auch so schwer, der gesellschaft die augen und ohren für ihre sehr wichtigen und sehr richtigen anliegen zu öffnen. sie verhindern damit aktiv, dass sich an ihrer situation was ändert. wollen sie ernstgenommen werden, wollen wir frauen mit unseren anliegen generell ernster genommen werden, müssen wir aus der sowohl zugeschriebenen als auch selbst verursachten opferrolle raus und die verantwortung für uns selbst, im guten wie schlechten, übernehmen. wir ermahnen bereits unsere kinder von klein auf, dass sie sich fair verhalten sollen, dass sie immer auch ihren anteil im blick haben, dass sie teilen und sich gerecht verhalten, dass es ein ICH und ein DU gibt auf das beides rücksicht genoimmen werden muss. 

warum gelingt uns das als erwachsene dann nicht?