filter.

paris – riesen betroffenheit, frankreich-avatare, analysen, schock, tränen und ohnmacht.

brüssel – bisschen schock, kaum betroffenheit,  2 tage nach den anschlägen völlige interesselosigkeit im netz.

lahore – viele tote, die hälfte davon kinder. ich höre nichts. wirklich rein gar nichts.

und ich frage mich: was passiert da? woran liegt das? es kann nicht nur was damit zu tun haben, dass es attentatsplätze gibt die zu weit weg sind, nicht nur räumlich sondern unter umständen auch kulturell. zeigt sich bereits eine abstumpfung? kommen die attentate in zu kurzen abständen und entscheidet sich deswegen unsere ausmerksamkeit für eines? was wären da kriterien für? oder ist es so, dass die unterschiedlichen orte an denen die attentate verübt wurden, ausschlaggebend sind? ist ein anschlag auf einem konzert berührender als ein anschlag in einer metrostation? gibt es einen filter in unseren köpfen, der abstufungen in der wahrnehmung eines attentates vornimmt, obwohl doch alle drei genannten beispiele grauenhafte verbrechen sind – egal wo, egal wann, egal wer? und was wäre dieser filter – vielleicht eine mischung aus der eigenen erfahrung, jeder war schon mal auf einem konzert, kennt die freudige erwartung, das losgelöst sein, den verbindenden charakter von musik. ein gewaltsames eindringen in einen solchen „abgeschlossenen“ raum (im sinne eines vereint seins aus einem grund) scheint vielleicht nachvollziehbarer bez. nachfühlbarer als dasselbe eindringen in einen öffentlichen und durchaus auch anonymen raum wie flughafen oder metro. was wäre dann mit anschlagszielen die weiter weg sind? in einem anderen kulturkreis? oder einem land, das ohnehin sehr mit terror zu kämpfen hat? vielleicht liegt da der filter, dass man ohnehin nicht mehr durchsteigt wer da wen bekämpft und attackiert – ob es der gedanke ist, dass man eh nie weiss ob die opfer nicht vielleicht die täter sind und die täter die opfer? übersteigt eine solche differnzierung unseren horizont?

mir gehen diese gedanken durch den kopf, seit ich neulich einen artikel las, der sinngemäss nahelegte, dass es falsch wäre „den leuten“ unempathisches verhalten vorzuwerfen, wenn sie sich nicht oder nur unzureichend bei ereignissen dieser art zu wort melden. man könne empathie nicht daran ablesen. und das ist so wahr und so weitsichtig, weil diese vorschnelle empörung, dass da welche nicht reagieren oder nicht angemessen, selbst einiges über die empathie desjenigen aussagt der sich empört.

ich finde wir alle sollten uns viel mehr unserer filter bewusst werden. nicht nur in bezug auf tod und terror, aber besonders da. wir legen den ganzen tag filter ein, in beziehungen, in unserer kommunikation, in unserer selbstreflexion. das ist gut und wichtig, es hat was schützendes und abgrenzendes. sich seiner eigenen filter bewusst zu werden und sie seinem gegenüber ebenfalls zuzugestehen, macht in meinen augen einen grossen teil unserer fähigkeit zur empathie aus. wir legen diese filter an um uns unsere welt erklären zu können, um zu grelles zu dämpfen und zu schreckliches weichzuzeichnen. gegen filter ist nichts einzuwenden. wenn man weiss welche man einlegt und genau dasselbe seinen mitmenschen zugesteht. und wenn man so gar nicht klar kommt mit dem ein oder anderen filter, kann man das nächste mal einfach mal fragen vor dem urteilen.

damit wäre schon viel gewonnen. 

Advertisements

Ein Gedanke zu “filter.

  1. Ich hab das auch die letzten Tage oft gedacht, Paris, Brüssel, Lahore und mich sehr gewundert, welche Filter da aktiviert wurden. Ich tendiere derzeit sehr dazu, über alles den großen dunklen Filter der Verdrängung zu legen und z.B. kaum noch Nachrichten zu schauen. Es ist wirklich grad alles ziemlich viel.

    Ich glaub, Empathie hat vor allem damit zu tun, ob man dem Gegenüber sein eigenes zugesteht, egal ob es um Filter oder um Meinungen oder um Schwarz-Weiß-Kategorisierungen geht. Wenn es ein bisschen mehr leben und leben lassen gäbe auf allen Ebenen, dann wäre alles so viel einfacher…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s