die 7 phasen einer fortbildung.

ich sitze in einer fortbildungsveranstaltung meines arbeitgebers. ich bin nicht wirklich freiwillig hier, es herrscht anwesenheitspflicht. mein anrufbeantworter blinkt hektisch, mein postfach ist voll mit roten ausrufezeichen und ich sitz hier rum. dabei durchlaufe ich typischerweise immer dieselben phasen.

1. ich bin sauer. dies tue ich kund durch schnauben, augenrollen und stöhnen. ich unterstreiche meine ablehnung dieser verantstaltung durch genaue schilderung meiner anstehenden arbeiten, die katastrophen die daraus entstehen werden, weil ich jetzt hier bin und nicht dort und tue dies alles mit den kompetenzen einer fachkraft für psychodrama. 

2. ich langweile mich. ich male sämtliche buchstaben auf den seminarunterlagen aus. ich spiele schiffe versenken mit mir selbst und whatsappe mit menschen, die sonst nie was von mir hören („liebe tante biggi! wie geht es dir denn?“). dazwischen seufze ich hörbar. 

3. ich zeige übertriebenen aktionismus. die erste gruppenarbeit steht an. ich liefere die ersten 6 stichpunkte und verstricke die gesamte gruppe in eine nutzlose aber zeitschindende diskussion zur differenzierung der begriffe „klarheit“ und „transparenz“. am ende weiss niemand mehr weiter, aber alle stichpunkte auf dem flipchart kommen von mir und der seminarleiter lobt mein ausserordentliches engagenment.

4. pause. ich esse um 10 uhr früh eine schnitzelsemmel, eine frikadellensemmel, ein stück quiche und ein stück kuchen. steht da so rum, und einer muss es ja machen. soviel esse ich normalerweise über den ganzen tage verteilt. 

5. ich befinde mich im fresskoma und verhalte mich sehr unauffällig. mit offenen augen starre ich auf bunte folien an der wand und schlafe. 

6. kaffeepause. ich trinke normalerweise nie filterkaffee aus 20l kannen, rauche nie während der arbeit und esse nachmittags keinen süsskram.

ich tue all das. 

7. ich bäume mich noch einmal kurz auf und melde mich im plenum zu einer frage von deren antwort ich keinen blassen schimmer habe. das verdanke ich dem umstand, dass ich sehr schwer mit gesprächspausen oder schweigen in gruppen umgehen kann. die kollegen schauen mit mit halbgeschlossenen augen beim monologisieren zu. dann sinke ich kraftlos in mir zusammen.

es ist 17 uhr. ich darf gehen.

nie war mehr zeitverschwendung. 

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