schlafende hunde.

man kann beziehung leben nur in einer beziehung lernen. das klingt so simple, es ist mir tatsächlich aber erst diese tage bewusst geworden. ich habe lange gedacht, dass man eine alte beziehung nur lang genug aus sich herauswachsen lassen muss, damit man eine neue beziehung beginnen kann, ohne altlast, ohne beziehungstics und maschen. das ist auch nicht ganz unwahr – eine menge an beziehungsmustern sind fest verwoben mit dem partner, sie ausschleichen und verblassen zu lassen damit man sie nicht fröhlich auf den neuen partner überträgt ist mehr als ratsam.

aber dann gibt es da die ganz tiefen schneisen in einem, die völlig unabhängig vom jeweiligen partner sind. es sind die beziehungsschneisen die in unserer aller kindheit gehauen worden sind. bei den einen mehr, bei den anderen weniger. es sind die eindrücke früh erlebter nähe und wärme, gewalt und interesselosigkeit, interesse und zuwendung die uns prägen in allen weiteren beziehungen. sie liegen ganz still und unberührt in einem, solange man nicht in beziehung ist. nichts weckt sie, nichts rüttelt an ihnen, nichts schürt streit und unruhe. sie sind wie schlafende hunde.

und so sass ich die letzten jahre dem irrtum auf, dass ich ja nun ausreichend zeit für mich hatte um alle sprachlichen, emotionalen und mentalen beziehungsschwurbeleien aus mir herauszukriegen, on blank pages, geklärt und bereit für alles was da kommen mag.

dann kam das leben und hat mir was schönes mitgebracht und siehe da – ich habe die rechnung ohne die stillen inneren schlafenden hunde gemacht. all meine schöne abgeklärtheit und klarheit der letzten jahre fürn arsch. ohne absicht aber zielsicher werden die grossen inneren angstbuzzer gedrückt und ich sitze mit einem schlag wie ein erstarrtes kind in der ecke, fluchtgedanken im kopf die man so wunderbar vernünftig-erwachsen klingen lassen kann bis man sie sich selbst glaubt.

bis mir vorgestern plötzlich klar wurde: manche wunden in mir können nur in beziehung geheilt werden, auch wenn das der ort ist an dem sie wieder aufreissen. aber wunden, geschlagen in den allerfrühesten beziehungen eines menschen, heilen eben nur an dem ort, an dem sie geschlagen worden sind – in beziehung. ich kann meine verlustangst oder meine beziehungsvermeidung oder meine bindungsunfähigkeit oder meine kontrollsucht (und ja, das sind beispiele und nein, ich schlepp nicht alles davon mit mir rum) nicht im stillen kämmerlein, alleine mit mir klären. denn dort werden die buzzer nicht gedrückt und man kann die sich nicht alleine drücken, es braucht die buzzerdrückelungs – wiederholung aus der zweierbeziehung, die die buzzer überhaupt erst hat entstehen lassen. und dazu eignet sich nunmal ganz hervorragend eine partnerschaft. denn – it takes two…

und in dieser erkenntnis steckt sehr viel erleichterung – ich habe mir zeit gelassen für das verblassen diverser kommunikationsstile, verschiedener aversionen, unzufriedenheiten und meinungsverschiedenheiten. die schlafenden hunde aber konnte ich nichts anderes als schlafen lassen, sie brauchten erst ein gegenüber.

und das ist gut, denn nur hier und jetzt, mit diesem menschen kann ich sie erkennen, sie zu wort kommen lassen, beruhigen und schlussendlich annehmen und mit ihnen umgehen. weggehen werden sie wohl nicht mehr, es gibt sie, sie gehören zu mir. aber ich kann versuchen gut mit ihnen zu leben. und damit gut beziehung zu leben.

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