nächster level. 

ich vergleiche kindererziehung gerne mit computerspielen. ständig gilt es neue level freizuspielen, dungeons zu erforschen und elite bosse zu erledigen. mal geht das über einzelspiel (ich sag an – du machst.), mal über gruppenquests (wir, deine eltern würden das so entscheiden – was willst du? lass uns das gemeinsam klären!). leveln bewegt sich im bereich alltäglicher themen wie zb. wie oft wechsel ich eigentlich meine klamotten? hausaufgaben – was ist das nochmal? in deinem zimmer ist eine bombe explodiert, räum mal auf! gruppenquests sind eher so sachen wie zb. mit welcher schulart gehts weiter? wie und wo verbringen wir die ferien? fernsehen und pc spielen – wie oft ist ok? an elite bosse will ich noch nicht denken, ich vermute die kommen noch früh genug und bewegen sich irgendwo im bereich von drogen, alkohol und party bis der arzt kommt.

heute wars dann wieder soweit: der nächste level kündigte sich an. kind I spielt hayday auf dem ipad und kichert vor sich hin. auf meine nachfrage erzählt er, dass er hier gerade lustig chatten würde. alarmalarm! chatten? ich bat ihn mir mal den chatverlauf zu zeigen, las ihn durch und war erst sehr angetan – was für ein höfliches kind, das brav butter und milch als gegenleistung für ein bündel heu anbietet, immer schön mit bitte und danke und äusserst fair. dann aber geriet der chatverlauf in eine etwas persönlichere richtung, es folgten sprüche wie „bist du ein mädchen?“ „ich bin voll verknallt in dich.“ etc. und ich  musste seufzen, weil es wiedermal zeigt: es gibt kaum eine phase im leben von kindern, die nicht vorbereitet und begleitet werden muss von eltern, die sich ihrerseits aber erstmal gedanken um das wie machen müssen. 

ich will, dass meine kinder sich im netz bewegen, das steht schon mal ausser frage. abgesehen von ein paar restriktiven einstellungen was apps runterladen angeht oder auch die kindersicherung für bestimmte seiten, möchte ich, dass sie lernen sich eigenverantwortlich im netz zu bewegen. vorerst habe ich das mal so formuliert:

1. es werden keinerlei persönliche daten (name, adresse, telefonnummer etc.) an irgendjemanden gegeben. man kann nicht wissen wer am anderen ende sitzt und solange ich das nicht weiss, wird jeder mensch im interent wie ein rl-fremder gesehen.

2. sobald einem irgendwas in kommunikation oder darstellung seltsam, unangemessen oder doof vorkommt werden die eltern verständigt oder der vorgang abgebrochen.

3. es wird kein unterschied gemacht zwischen dem rl-verhalten und dem verhalten im netz. sprich: wenn ich schon rot werde und verstumme weil meine mitschülerin mir sagt, dass sie mich gern hat, kann ich nicht im netz plötzlich den macker spielen und mit sätzen wie „ich bin voll verknallt in dich!“ um mich werfen. was ich nicht im rl mache, mache ich auch nicht virtuell. ich bleibe da wie dort ich. 

4. ich nehme erstmal nichts für bare münze was man mir erzählt – ich weiss nicht wer am anderen ende sitzt. ob da eine gruppe pubertierender sitzt, die sich über mich lustig macht oder eine person die mir schaden will oder ein kleiner chinesischer farmer, der zufällig ein paar brocken deutsch kann. 

5. ich bin höflich und respektvoll. und achte darauf, dass auch ich höflich und respektvoll bin. 

spannend war zu erleben, dass das kind tatsächlich so gar keine vorstellung zu punkt 4 hatte – es erstaunte ihn zutiefst, dass es tatsächlich möglich wäre, dass da kein anderes kind mit ihm chattet. interessant auch, dass punkt 3 sofort stattfand. wie anonymität und die möglichkeiten die in ihr liegen sofort begriffen und angewandt wurden. und wie vehement der widerstand und das nicht begreifen, warum man das eben nicht tut, warum anonymität niemals der grund für ein eigentlich wesensfremdes verhalten sein darf und was daraus entstehen kann. 

am ende dieses gespräches, das höchstwahrscheinlich das erste einer ganzen questreihe war, dachte ich wenn das schon so schwierig für mich ist, kindgerecht ans internet heranzuführen, das seit über 10 jahren quasi mein zweitwohnsitz ist – wie schwer muss das dann für eltern sein, die selbst keinen zugang zu diesem thema haben? 

ich bin sehr gespannt wies weiter geht. 

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2 Gedanken zu “nächster level. 

  1. ich glaube, ich verkaufe das den Kids so. Die kennen ja schon das Prinzip „Quest“. Jetzt müssen sie halt die Questreihen „Gute Mitarbeit in der Schule“ und „Hausaufgaben gehören dazu!“ um den Meta-Erfolg [„Ich wär so gerne Millionär!“] zu erreichen.

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