ich verstehs nicht.

wenn eltern in deutschland aus gewichtigen gründen das kindeswohl betreffend, die komplette elterliche sorge entzogen wird, müssen sie in fragen der religion dennoch extra die erlaubnis für religionszugehörigkeit, taufe, religionsunterricht erteilen. schon mal versucht von eltern gleich welches einverständnis zu bekommen, denen vorher das kind inobhut genommen wurde? und wieso hängt eigentlich in deutschland das religionsrecht so derart hoch? und der grösste witz dabei – wird das kind zb. dennoch getauft, ohne dass die einverständniserklärung der eltern vorliegt (in vielen fällen sind die eltern ja auch weder postalisch noch tatsächlich greifbar) kann rechtlich niemand belangt werden. welchen sinn macht dann aber dieses gesetz? 

manchmal macht mich dieses starre rechtskorsett in dem ich mich bewegen muss in meiner arbeit, völlig verrückt. und ich sehe durchaus einen zusammenhang zwischen dem starren rechtssystem und einem oft sehr erstarrten jugendamtssystem, weil zwar viele jugendamtsmitarbeiter oft die unsinnigkeit der rechtslage sehen aber nicht gegen sie angehen können, weil die angst vor rechtsfolgen für sie selbst so gross ist. man bewegt sich rechtlich sehr schnell im grau- und damit strafverfolgungsbereich, wenn man versucht menschennah, kindeswohlgerecht und flexibel zu beraten und zu handeln. und das führt dann oft zu einer entweder unglaublich harten, aber rechtskonformen haltung bei jugendamtsmitarbeitern oder zu einer sehr unklaren „ja ich würde ja gerne aber ich darf das so nicht sagen, ich weiss dann halt von nichts“- haltung. keine der beiden haltungen sind förderlich, weder für den mitarbeiter noch für die menschen mit denen er zu tun hat. und ich vermute auch, dass ein grossteil der frustration und des ausgebranntseins aus diesem systemimmanenten konflikt heraus entsteht. 

ich habe selbst keine lösung für mich gefunden – bisher. ich hänge oft zwischen allen stühlen, verstehe alle seiten, versuche mich in konsequenter allpartlichkeit und habe dennoch oft das gefühl am system zu scheitern, das von vornherein einseitigkeiten und schuldzuweisung schafft. so sehr es rechtliche grundlagen braucht, damit gesellschaft funktioniert, sie verhindern aber auch individualität, den blick auf das schicksal eines einzelnen. und das wiederum erschwert arbeit mit menschen, die zudem oft in krisensituationen sind, enorm. 

ich habe keine lösung – der blick auf den einzelfall, der viel geforderte blick auf den menschen, beide augen mal zudrücken, schön bei seinem wertesystem bleiben, selbst verantwortung einfach woanders hindelegieren um das vertrauensverhältnis zum klienten nicht zu belasten – alles versucht. aber immer kommt der punkt der kollusion mit recht, vorschrift oder dienstanweisung. 

ich habe keine lösung. und das ist im grunde ein echtes totalversagen des systems in dem ich arbeite.

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