high expectations. 

  
ich las den spruch heute früh, als ich gerade erst an einer erwartung von mir gescheitert bin. und irgendwie fixt der gedanke mich an – was, wenn ich alle erwartungen loslasse? was wird dann sein? ein breiteres bewusstsein für das was bereits da ist, weil erwartungen einem auch die sicht nehmen können? ein besseres bewusstsein dafür, was ich wirklich brauche, weil erwartungen einem gerne suggerieren was man meint zu brauchen? ein klareres bewusstsein für ein nein, für ein unverhandelbares bedürfnis, die erkenntnis, dass es vielleicht tatsächlich nicht ohne geht? oder ein ja? ein umfassenderes ja, das bei sich bleiben kann und sich selbst gibt was es braucht? 

was wird dann sein? 

gleichberechtigung. 

kind II und ich sehen einen film, in denen die mutter ihr kind verlässt und ihm dies in einem brief mitteilt. ich protestiere ein bisschen vor mich hin, dass sie das tut, woraufhin kind II sagt „ist doch nicht so schlimm – es hat ja noch den vater.“ 

das sind die momente, in denen ich hin und her gerissen bin: auf der einen seite freut es mich, weil verankert zu sein scheint, dass vater und mutter diesselbe wichtigkeit haben. auf der anderen seite denke ich aber auch sofort siehste! das sagt es bestimmt weil ich so eine rabenmutter bin und abkömmlich bin. ich glaube aus diesem inneren zwist heraus entstehen eine menge scheidungsstreitigkeiten. das ist eine reine ego-angelegenheit, die es zu überwinden gilt.

gnah. 

cups! 

kennt jemand die folge friends in der chandler ein (spontan vom ihm erfundenes) kartenspiel mit joey spielt, das völlig abstruse und permanent neu erfundene regeln hat, damit joey gewinnt und somit ohne schlechtes gewissen geld von chandler annehmen kann? 

daran fühlte ich mich heute erinnert, als kind I mit mir heute sein neuerworbenes brettspiel ausprobieren wollte. brettspiele sind ähnlich wie exponentialgleichungen für mich – ein einziges rätsel. in der regel rette ich mich mit einer wissenden miene und dem versuch meine mitspieler bei jedem zug genau zu beobachten, um dann exakt dasselbe wie sie zu machen. man darf sich wundern wie oft man dabei gewinnt ohne zu verstehen warum eigentlich. 

ich wusste nicht, dass der sohn ebenfalls eine ganz eigene gewinnstrategie verfolgt: er passt die regeln des spiels dem individuellen stand seiner gewinnchancen an. es sitzen sich also zwei menschen gegenüber die alles spielen nur nicht das spiel, das sich die macher mal ausgedacht haben. „mama würfel jetzt mal mit verteidigung. ah 3! jetzt ich. oh drei angriff! ich hab gewonnen!“ „aber wieso??“ „weil….*nuschel*…gleichstand…aber! *nuschel*“ im grunde hat die begründung denselben wert wie „warum ist die banane krumm? darum.“ es ist einfach so. also passe ich, ganz meine langerprobte brettspielstrategie einsetzend, mein spiel an ihn an. was folgt sind erheiternde momente, in denen ich dem völlig konsternierten sohn erkläre, dass natürlich mein magier mit 6 leben auch noch nach dem 6. tod weiterlebt, weil ich nämlich zuvor eine wiederbelebungsmarke erwürfelt habe, die ich mal spontan so genannt habe weil grad niemand sonst wusste wozu sie eigentlich dient. 

am ende gewinnt der sohn. das ärgert mich etwas liegt aber nur daran, dass er vor mir dran war und somit schneller die berühmte siegerregel formulieren konnte „ha! jetzt hab ich gewonnen weil *insert blanke lüge* und *insert völlig frei erfundene regel*!“ 

das spiel heisst übrigens „magic – the gathering“ und ist voll spannend. jedesmal aufs neue. 

  

hund oder katze.

in der stadt am marktplatz sitzt eine frau, neben ihr ein hund. die frau sitzt auf einer obstkiste, neben ihr ein verstärker aus dem „sound of silence“ dudelt. sie selbst spielt auf einer blockflöte dazu. sie spielt völlig entrückt, die szene erinnert an irgendeinen esoterischen schwurbelkram nach dem motto „finde dein inneres kind mit der kraft der flöte.“

mein blick fällt auf den hund. er liegt neben seinem frauchen, ganz still, absolut treu ergeben in dieser wolke aus tönen. menschen mit leberkässemmeln laufen an ihm vorbei, schmeissen ihm ein stückchen hin, er hebt kurz den kopf, schnuppert aber bewegt sich keinen zentimeter. ein kind rennt auf ihn zu, er wedelt mit dem schwanz und blickt zu seinem schwurbelnden frauchen, die aber weiter simon & garfunkel beleidigt. mit gespitzten ohren blickt er dem kind hinterher aber er bewegt sich keinen zentimeter.

und mir schiessen die tränen in die augen denn mit einem mal fällt mir die antwort auf die frage katze oder hund ein und in diesem moment hasse ich diesen hund aus tiefster seele für all das was er mir zeigt. 

welchen wolf fütterst du? 

ein alter grossvater spricht mit seinem enkel über die ursachen der gewalt und grausamkeit in der welt. „im herzen jedes menschen kämpfen zwei wölfe miteinander“, erzählte er dem jungen. „der eine ist voller angst und wütend, der andere ist verständnisvoll und freundlich.“ der junge schaut seinen grossvater gespannt an und fragt: „und welcher wird gewinnen?“ der grossvater lächelt und sagt: „der, den ich füttere.“ 

ich verstehs nicht.

wenn eltern in deutschland aus gewichtigen gründen das kindeswohl betreffend, die komplette elterliche sorge entzogen wird, müssen sie in fragen der religion dennoch extra die erlaubnis für religionszugehörigkeit, taufe, religionsunterricht erteilen. schon mal versucht von eltern gleich welches einverständnis zu bekommen, denen vorher das kind inobhut genommen wurde? und wieso hängt eigentlich in deutschland das religionsrecht so derart hoch? und der grösste witz dabei – wird das kind zb. dennoch getauft, ohne dass die einverständniserklärung der eltern vorliegt (in vielen fällen sind die eltern ja auch weder postalisch noch tatsächlich greifbar) kann rechtlich niemand belangt werden. welchen sinn macht dann aber dieses gesetz? 

manchmal macht mich dieses starre rechtskorsett in dem ich mich bewegen muss in meiner arbeit, völlig verrückt. und ich sehe durchaus einen zusammenhang zwischen dem starren rechtssystem und einem oft sehr erstarrten jugendamtssystem, weil zwar viele jugendamtsmitarbeiter oft die unsinnigkeit der rechtslage sehen aber nicht gegen sie angehen können, weil die angst vor rechtsfolgen für sie selbst so gross ist. man bewegt sich rechtlich sehr schnell im grau- und damit strafverfolgungsbereich, wenn man versucht menschennah, kindeswohlgerecht und flexibel zu beraten und zu handeln. und das führt dann oft zu einer entweder unglaublich harten, aber rechtskonformen haltung bei jugendamtsmitarbeitern oder zu einer sehr unklaren „ja ich würde ja gerne aber ich darf das so nicht sagen, ich weiss dann halt von nichts“- haltung. keine der beiden haltungen sind förderlich, weder für den mitarbeiter noch für die menschen mit denen er zu tun hat. und ich vermute auch, dass ein grossteil der frustration und des ausgebranntseins aus diesem systemimmanenten konflikt heraus entsteht. 

ich habe selbst keine lösung für mich gefunden – bisher. ich hänge oft zwischen allen stühlen, verstehe alle seiten, versuche mich in konsequenter allpartlichkeit und habe dennoch oft das gefühl am system zu scheitern, das von vornherein einseitigkeiten und schuldzuweisung schafft. so sehr es rechtliche grundlagen braucht, damit gesellschaft funktioniert, sie verhindern aber auch individualität, den blick auf das schicksal eines einzelnen. und das wiederum erschwert arbeit mit menschen, die zudem oft in krisensituationen sind, enorm. 

ich habe keine lösung – der blick auf den einzelfall, der viel geforderte blick auf den menschen, beide augen mal zudrücken, schön bei seinem wertesystem bleiben, selbst verantwortung einfach woanders hindelegieren um das vertrauensverhältnis zum klienten nicht zu belasten – alles versucht. aber immer kommt der punkt der kollusion mit recht, vorschrift oder dienstanweisung. 

ich habe keine lösung. und das ist im grunde ein echtes totalversagen des systems in dem ich arbeite.