was wir sind.

kind I und II unterhalten sich über fortpflanzung und kinderaufzucht im tierreich. ja, sagt kind II, das ist ja schon seltsam, dass die väter nach dem sex immer gleich verschwinden oder gefressen werden. und überhaupt, es gibt ja nur so wenige tierarten die zusammenbleiben würden. enten zum beispiel oder auch amseln. ja und besonders sind ja auch pinguine, sagt kind I, da passt ja der papa aufs ei und das baby auf und die mutter jagt und bringt essen. 

überlegendes schweigen. 

„wie bei uns.“ 

spannend wie untrüglich die wahrnehmung von kindern sein kann. und wie wahr. 

final curtain. 

und am ende ist es ein klick und so lange schon mit mir rumgetragene gedanken für ein für und wider sind mit einem schlag beruhigt. 

ich las in der ZEIT mal einen artikel, welche auswirkungen social media unter anderem bei depressionserkrankten haben und auch wenn ich selbst nicht davon betroffen bin, sprach mir der artikel aus der seele. fb hat mich immer zerstreut, es hat mich ausfransen lassen an meinen eigentlich sehr klar definierten zeitlichen und seelischen und mentalen grenzen. das ständige zugeballere mit infos die sich in einer range zwischen katzenbildern und terroranschlägen bewegen, führten bei mir zu zwei extremen: dem völlig ignorieren relevanter informationen oder aber einem exessiven beschäftigen mit allen möglichen themen, die ansonsten in meinem leben kaum belang haben. trotz abonnierungsversuchen und ausmisten meiner freundeslisten hab ich das nicht in den griff bekommen – zuviel hass, zuviel dummheit, zuviel geschrei, zuviel wichtigtuerei, zuviel von allem. mein gedanklicher aktionsradius wurde global, aber auf eine ungute art und weise. ich muss nicht immer wissen wo auf der welt gerade unermessliches leid oder ungerechtigkeit passieren, zumal ich diesem sowieso nie gerecht werde, es ist eine sekundenaufmerksamkeit. und aus dieser will ich raus. ich will mich wieder sinnhaft und angemessen mit themen beschäftigen, die aus meinem leben oder aus meinem umfeld entstehen und diesen meine aufmerksamkeit schenken. 

ich kann nicht auf einem hof in oberbayern sitzen und meinen die welt zu verstehen, weil ich alle informationen über die welt bekommen kann die es gibt. ich lebe hier. und jetzt. und das ist schon spannend und schwer und schön und anstrengend und herausfordernd genug. 

in diesem sinne –   

 

babylon. 

ich lerne eine neue sprache. 

noch ist vieles ganz unverständlich, die laute klingen so anders und auch fremd, sie ergeben nicht immer sinn und manchmal hängen sie so in der luft und ich betrachte sie und bin frustriert und verunsichert weil sie sich mir nicht erklären und ich nichts verstehe. dann versuche ich in meinem gegenüber die bedeutung zu erkennen, im blick, in der gestik, in der berührung. das ist oft noch schwieriger, weil worte etwas zum festhalten sind wohingegen das wortlose meiner wahrnehmung ausgesetzt ist, die sich wie ein filter über das gesprochene legt und es verändert wie sie will, wie sie es kennt. 

diese sprache zu lernen ist ein ständiges inneres nachhaken welche bedeutung wohl dieses oder jenes wort hat. ein überlegen, wie es wohl in meiner sprache heisst, ob es diesselbe bedeutung hat oder eine andere. ein ringen ums verstehen und verstanden werden. aber ganz besonders ein mich in gelassenheit üben, dass ich nicht sofort verstehe, nicht sofort sprechen kann. es ist ein zartes herantasten – 
und nichts will ich mehr, als diese sprache zu lernen. 

politcal elterncorrectness. 

manchmal ärgert es mich maßlos wenn ich mitbekomme, wie bereits kleine kinder, die ideale ihrer eltern umsetzen müssen oder an ihnen erwachsene ideologien statuiert werden. wo die farbe einer brotdose bereits zum genderdrama ausartet. wo der griff zum rübergereichten wurstrad bereits ernährungsdiskussionen auslöst. nie empfand ich eltern egozentrierter in der umsetzung ihrer erziehungsideale, niemals verbohrter. unter dem deckmäntelchen der grösstmöglichsten palette an möglichkeiten, freiheiten und der bedürfnisorientierung für das eigene kind verbirgt sich in wahrheit eine erschreckende intoleranz und unfähigkeit, tatsächlich die bedürfnisse des kindes wahrzunehmen und von den eigenen zu lassen. 
in einer meiner lieblingsserien gibt es eine lehrerin, die gefragt wird, warum sie eigentlich lehrerin geworden ist worauf sie antwortet „um die kinder vor ihren eltern zu beschützen.“ wie recht sie doch hat.

plasma! 

kind I baut derzeit an einem lichtschwert. heute meinte er „ich habe keine hoffnung mehr, dass meine installationen funktionieren. aber einen hoffnungsschimmer habe ich noch: plasma! ich weiss zwar nicht was das ist aber es klingt gut und gibt mir hoffnung.“ 
plasma. es kann so einfach sein. 

ein erziehungsping! 

liebes kind. es ist mir nahezu unmöglich weiter sauer zu sein, dass du das ipad mit in dein zimmer genommen hast und abends heimlich gespielt hast obwohl das verboten ist, wenn du mit mangatränenalarm vor mir stehst und sagst: „ich bin so froh! das schwerste war auszuhalten, dass du die beste mama der welt bist und gleichzeitig verbotenen scheisselkram zu machen. das passte echt gar nicht zusammen.“ 

und ich erinnere mich mit welcher verbissenheit meine eltern immer versucht haben mir werte und moralisches gewissen beizubringen. da war strafe, drohung, warnung – oft schon bevor überhaupt irgendwas passiert war. wie gross ihre angst zu sein schien, sie würden was verpassen mir beizubringen und dann wäre ich unwiderbringlich verloren. es hat mich jahre gekostet, meinen eigenen moralischen kompass zu finden, ihn zu trennen von den inneren vorgaben meiner kindheit.

die eigenen kinder sind oft ein spiegel für die eigenen themen und natürlich wiederholte ich jahre meiner mutterschaft das, was ich von meinen eltern gelernt hatte – der moralische kompass von kindern implementiert der erwachsene. er ist nicht da, er muss gepflanzt und gezüchtet werden. daran hielt ich fest. das kannte ich. 

bis ich irgendwann dahinter kam, wie unsinnig diese annahme ist, es liess und erfuhr: keine erziehung ist machtvoller als die über die eigenen erfahrungen. 

es brauchte gestern kein wort von mir, es war schlicht nicht nötig – er hat seinen eigenen moralischen kompass gespürt, mehr als ich durch jede strafpredigt hätte erreichen können oder wollen. und noch was: weil er es selbst erfahren konnte, konnte ich von der bisherigen rolle der vielleicht nörgelnden oder unzufriedenen oder bösen mutter in eine tröstende kommen. ich musste nichts mehr tun, ihn nur noch begleiten und trösten. so konnte er alleine den weg gehen von „ich mach jetzt scheisselkram“ über „das fühlt sich nicht gut an“ bis hin zu „es tut mir leid“. 

blanke sensation. 

mir wäre nach langsamkeit.

wann ist uns eigentlich die fähigkeit abhanden gekommen zu sagen „ich habe dazu noch keine abschliessende meinung gefunden, ich brauche noch informationen.“ und wann ist uns die fähigkeit abhanden gekommen unsere meinung auch wieder revidieren zu können, mehr noch zu dürfen? zu sagen „ach. ich dachte bisher immer so und jetzt stelle ich fest, das ist ja gar nicht so!“ wann fing das an, diese vorwiegend digitale suggestion, dass wir immer und sofort meinung haben müssen? und diese für immer und ewig in stein gehauen da stehen muss? wo genau hat uns die schnelligkeit der nachrichten in der meinungsbildung eingeholt?

mir wäre nach langsamkeit. wann immer dieser tage etwas passiert, möchte ich „halt!“ schreien. aber bevor ich das wort überhaupt ausgesprochen habe, haben schon alle ihre profilfotos geändert, haben sämtliche handywackelvideos analysiert und polizeiprotokolle gelesen oder sind teil einer digitalen diffusen „je suis….“ masse. oui, je suis. aber was denn genau? als erstes ich. aber das scheint nicht zu zählen – es zählt nur die identifikation mit der jeweiligen betroffen gruppe (und ach es gibt soviele….was sind wir 2015 schon nicht alles gewesen), immer verbunden mit der haltung „bin ich nicht für bin ich dagegen“.

mir wäre nach langsamkeit. nach einem maßvollen umgang mit meinung, auch der eigenen. einer gelassenen annäherung und begutachtung aller möglichen facetten eines themas. nach einem in sich hinein spüren wo die nachricht, das thema gerade bei einem selbst anklopft. wo man noch fragen hat, was man noch wissen muss. und vorallem – welche emotion ist damit verbunden? nicht diese vorgegebe media-betroffenheitsscheisse. sondern meine eigene. was passiert mit mir wenn ich höre von paris, istanbul, köln? wie will ich damit umgehen? wovon grenze ich mich ab? welches bild will ich nicht sehen? welche information nicht wissen, weil sie mich erschüttert und ich nicht weiss wie damit umgehen? und was halte ich aus? wenn wir schon im digitalen zeialter leben, muss ich für mich auch abgeklärt haben, was für reizen und informatioenn ich mich aussetze und welchen nicht. ich muss einen blick in mein innerstes geworfen haben, es kennen, um schutzräume und filter einrichten zu können – ansonsten überflutet mich die information ungefiltert. meinung und emotion geht hand in hand.

mir wäre nach langsamkeit. nach einem schauen auf jeden von uns selbst, den dingen raum geben und abzuwarten was in mir als reaktion oder idee wächst. nach einem aushalten der spannung, die dinge nicht zu erklären, nicht klären zu können.

mir wäre wirklich nach langsamkeit.

but the times they are a changin`.